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Penny eröffnet ersten Nachhaltigkeitserlebnismarkt – und zeigt wahre Kosten der Artikel

  • Als erster Discounter Deutschlands eröffnet Penny einen Erlebnissupermarkt, der sich intensiv dem Thema Nachhaltigkeit widmet.
  • Die Berliner Filiale ist gleichzeitig ein Experiment, an dem Augsburger Wissenschaftler beteiligt sind.
  • Diese haben berechnet, wie teuer Artikel wie Fleisch und Milch wirklich sein sollten.
Alice Mecke
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Hannover. 500 Gramm Hackfleisch für unter 2,80 Euro. Wer sich auch nur minimal mit Tierwohl, Produktionskosten oder Ökologie auseinandersetzt, weiß: dieser Preis ist viel zu niedrig. Doch, in Zeiten von Preisdumping und ständiger Verfügbarkeit auch exotischer Lebensmittel, geht dieser Gedanke schnell verloren. Der Lebensmitteldiscounter Penny möchte dem entgegenwirken und neues Bewusstsein schaffen. Dafür wurde ein neuer Nachhaltigkeitserlebnismarkt in Berlin Spandau eröffnet, der gleichzeitig ein großangelegtes Experiment mit der Universität Augsburg ist.

Und so ist in der Berliner Filiale Penny Grüner Weg (Fehrbelliner Straße 29) einiges anders. Begrüßt wird man von fliegenden Paprikas. Außerdem schmückt ein großer Kunstbaum den Laden. Das übliche Einkaufserlebnis wird zudem um reichlich Informationen ergänzt. Kunden können sich an 20 Stationen über unterschiedliche Waren, deren Herkunft und ökologischen Fußabdruck informieren.

Der Discounter zeigt beispielsweise, wie seine Regale aussehen würden, wenn es keine Bienen mehr gäbe. Oder wie Lebensmittel am besten gelagert werden sollten, damit sie lange frisch und haltbar bleiben. Den Themen Recycling und Müllvermeidung nimmt sich der Markt ebenfalls an. So schaffen es in diese Filiale auch Obst- und Gemüsewaren, die für den Verkauf eigentlich zu hässlich gewesen wären: zu klein, zu krumm oder mit kleinen Makeln.

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Penny zeigt die “wahren Preise” einiger Artikel

Über diese Stationen hinaus zeigt Penny Beispiele für nachhaltige Preispolitik, die das Ausmaß des Preisdumpings klar veranschaulichen. Neben den üblichen Preisschildern finden Kunden ein zweites Schild, das die “wahren Kosten” hinter den Produkten anzeigt.

Ein Beispiel: Der Verkaufspreis für 500 Gramm gemischtes Hackfleisch beträgt 2,79 Euro. Das Preisschild der “wahren Kosten” (True Costs) zeigt allerdings 7,62 Euro – ein Preisanstieg von bis zu 126 Prozent.

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So viel mehr müsste das Hackfleisch eigentlich kosten, wie Penny gemeinsam mit Forschern der Universität Augsburg ausgerechnet hat. Einberechnet sind die ökologischen und sozialen Folgekosten, die durch das Hackfleisch entstehen – beispielsweise die Klimagase, die von den Kühen ausgestoßen werden. Hinzu kommt die Energie, die für die Produktion benötigt wird oder die Landnutzungsänderung durch die Produktion von Futtermitteln.

Ein Preisschild weist neben dem Verkaufspreis auch den "wahren Preis" aus in einem Penny Supermarkt. Egal ob Klimawandel oder Wasserverschmutzung: Viele Umweltschäden, die die Landwirtschaft verursacht, werden bislang bei den Lebensmittelpreisen nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Täte man es, würden die Preise für Fleisch, Milch und Käse explodieren. © Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Die wahren Preise wurden für acht verschiedene Lebensmittel durchgerechnet, aus konventioneller und biologischer Herkunft. Laut Augsburger Wissenschaftlern müsste der Preisaufschlag folgender sein:

  • Apfel, Konventionell (Bio), 8% (4%)
  • Banane, Konventionell (Bio), 19% (9%)
  • Kartoffel, Konventionell (Bio) 12% (6%)
  • Tomate, Konventionell (Bio), 12% (5%)
  • Mozzarella, Konventionell (Bio), 52% (30%)
  • Gouda, Konventionell (Bio), 88% (33%)
  • Milch, Konventionell (Bio), 122% (69%)
  • Gemischtes Hackfleisch, Konventionell (Bio), 173% (126%)

In einer offiziellen Pressemitteilung bezeichnet Stefan Magel, Bereichsvorstand Handel Deutschland der REWE Group und COO PENNY, den “wahren Preis” als eine “interessante Erkenntnis” beim Aufdröseln der Preise: “Die Erzeugung der erhobenen konventionellen Lebensmittel hat bei weitem nicht so negative Folgen, wie es teilweise in der öffentlichen Diskussion erscheint: Aufschläge von wenigen Cent pro Kilogramm würden hier teilweise schon reichen.”

Dr. Tobias Gaugler vom Institut für Materials Ressource Management an der Universität Augsburg ergänzt indes, dass weitere, wichtige Aspekte in die True Costs noch gar nicht einfließen konnten: “Unsere Berechnungen zeigen das Delta auf. Wobei wir weitere wichtige Aspekte wie Tierwohl oder die Folgen multi-resistenter Keime mangels entsprechender Datengrundlage noch gar nicht mit einbezogen haben.”

An der Kasse zahlen Kunden den niedrigen Preis

Der eigentliche Clou der Aktion ist allerdings, dass die “wahren Preise" an der Kasse nicht gezahlt werden müssen, es bleibt beim niedrigeren Preis – ohne die versteckten Kosten. Reine Symbolik also, mit der Penny hofft, Kunden anzuregen, so Mangel: “Ich hoffe, dass unsere Kunden positiv auf die doppelte Preisauszeichnung reagieren.” Wissenschaftler Gaugler ist unterdessen “gespannt, ob die doppelte Preisauszeichnung Lenkungswirkung hat".

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Penny könne sich gut vorstellen, die Anzahl der Produkte mit “wahren Kosten” zu erhöhen und das Experiment auf weitere Märkte auszuweiten.

RND/Alice Mecke

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