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Druckereien am Limit: Papier, die heißbegehrte Ware

Von wegen Totholz: Der Papiermarkt ist derzeit quicklebendig.

Von wegen Totholz: Der Papiermarkt ist derzeit quicklebendig.

Hannover. Wer dieser Tage Druckerei-Betreiber nach dem werten Befinden fragt, muss sich auf lautes Wehklagen einstellen. „Achtmal hat mein Lieferant in diesem Jahr schon die Preise erhöht“, ärgert sich der Geschäftsführer einer kleinen Druckerei in Südniedersachsen. Er will lieber anonym bleiben, sorgt sich um die Zukunft - womit er nicht allein ist: Druckereien und Verlage ringen bundesweit mit steigenden Papierpreisen und Lieferengpässen.

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Die treffen auch Europas größte Druckereigruppe, die Bertelsmann Printing Group (BPG). Zwar könne man dank langfristiger Verträge „so gut wie allen“ Kundenverpflichtungen nachkommen, sagt BPG-CEO Dirk Kemmerer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zeitgleich aber warnt er: „Da es in dem ausverkauften Rohstoffmarkt derzeit kein zusätzliches Angebot gibt, lassen sich bei diversen Aufträgen Umfangs- und Auflagenreduzierungen leider nicht mehr vermeiden.“

Beim Bundesverband Druck und Medien (BVDM) kennt man das inzwischen schon. „Insgesamt ist die Stimmung bei den Druckereien schlecht“, fasst BVDM-Sprecherin Bettina Knape die Lage in ihrer Branche zusammen. Die sei ohnehin von der Digitalisierung gebeutelt, nun kämen auch noch steigende Einkaufspreise hinzu. Es mangelt an Material, Preiserhöhungen stehen im Raum. „Dabei trifft die Druckereien keine Schuld, der Papiermarkt ist der Engpass,“ sagte Knape.

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Es mangelt an Altpapier

Der ist tatsächlich aus den Fugen geraten, die Rohstoffe Zellulose und Holz sind seit Jahresbeginn deutlich teurer geworden. Am heftigsten fällt der Preisanstieg aber beim Altpapier aus. Das - immerhin Grundlage für den Großteil des klassischen, sogenannten grafischen, Papiers - hat sich seit Jahresbeginn um fast 80 Prozent verteuert, berichtet der Branchendienst FOEX.

Konjunkturbedingt sehr hoch sei die Nachfrage nach Altpapier derzeit, schildert auch Thomas Braun, Geschäftsführer beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BSVE). „Gleichzeitig liegt das Altpapiersammelaufkommen auf vergleichsweise niedrigem Niveau“, so Braun weiter.

Denn normalerweise folgt Altpapier einem etablierten Kreislauf aus Herstellung, Verwendung und Wiederaufbereitung. Doch nach wie vor landet Braun zufolge weniger Papier als sonst im Müll, weil Betriebe und Gastronomie längst nicht wieder wie vor der Corona-Krise arbeiten. „Dort lässt sich entsprechend weniger Altpapier erfassen.“

Lieber Kartons als Papier

Auch boomt der Onlinehandel, der massenweise Kartons und Verpackungen verbraucht. „Die Papier- und insbesondere Kartonindustrie produziert unter Volllast, überall spricht man von vollen Auftragsbüchern“, sagt Braun. Das knappe Altpapier hat also neue Abnehmer gefunden - nicht zuletzt, weil einige große Verarbeiter von der Papierherstellung auf Verpackungen umgesattelt haben.

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Ein Strukturwandel, der schon länger im Gange ist: Ausweislich von Zahlen des Verbands der Papierindustrie sank das Produktionsvolumen von grafischem Papier seit 2010 um 40 Prozent auf gut sechs Millionen Tonnen, während Kartonagen um 20 Prozent auf zwölf Millionen Tonnen zulegten.

All das führt zu einem veritablen Papiermangel, den auch Verlage zu spüren bekommen. „Das Druckdrama“ titelte jüngst das Börsenblatt, die Fachzeitschrift vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Zu Wort kamen zahlreiche Verlegerinnen und Verleger, die allesamt über fehlende Materialien klagten.

Drohen Preiserhöhungen?

„Sollte die Papierknappheit bestehen bleiben und sollten die Kosten entsprechend langfristig hoch bleiben, könnte sich das in letzter Konsequenz auf die Lieferbarkeit und die Buchpreise auswirken“, sagt Nadja Kreissler, Vorsitzende beim Verleger-Ausschuss des Börsenvereins. Auch Bertelsmann-Printig-Chef Kemmerer erwartet höhere Preise „bei allen papierbasierten Produkten“, sollte die jetzige Situation noch länger anhalten.

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Vor allem wegen stillgelegter Herstellungskapazitäten sei die Nachfrage nach Zeitungspapier derzeit größer als das Angebot, erklärt auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). „Wir rechnen damit, dass eine erhebliche Kostensteigerung bei den Rohstoffen, die zu erwarten ist, sich längerfristig auch im Preis des Produkts niederschlagen wird,“ so der BDZV.

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