Boom sorgt für Lieferschwierigkeiten: Heimelektronik wird teurer

  • Die Pandemie hat der Heimelektronik einen Boom beschwert.
  • Im vergangenen Jahr waren Monitore, Computer oder Luftfilteranlagen der Renner.
  • Doch nun kommt es zu Lieferschwierigkeiten – und steigenden Preisen.
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Kai Hillebrandt blickt in Jubellaune auf das Corona-Jahr 2020 zurück. „Es war unglaublich”, schwärmt der Aufsichtsratschef der Nürnberger Branchenvereinigung Gfu, die hierzulande wie sonst keine einen Überblick über Konsum- und Heimelektronik hat. Wie sehr die Branche nach anfänglicher Furcht, auch in den Sog der Pandemie zu geraten, dann von ihr profitiert hat, zeigt die Jahresbilanz. Um fast 12 Prozent auf 47,5 Milliarden Euro sind ihre Umsätze 2020 gestiegen. 2019 lag das Branchenwachstum zum Vergleich bei 0,6 Prozent.

Mit einer gewissen Normalisierung rechnen die Hersteller von TV-Geräten oder Küchengeräten zwar, wenn Menschen wieder verreisen oder in Restaurants gehen können. „Aber die Pandemie war auch ein Katalysator für neue Verhaltensweisen”, sagt Hillebrandt. Mehr Homeoffice werde es auch danach auf alle Fälle geben. Beim Selbstkochen seien zudem viele auf den Geschmack gekommen. Speziell dieser Trend halte an, betont der Gfu-Experte. Wer jetzt eine Küche bestelle, müsse sich auf monatelange Wartezeiten einstellen. 2020 sei der Umsatz mit Elektrohausgeräten in Deutschland um 15 Prozent auf gut 17 Milliarden Euro gestiegen.

Deutsche geben viel Geld für Elektronik aus

Gekauft werde in der Pandemie allgemein hochwertig, weil beim Aufrüsten der eigenen vier Wände nicht geknausert wurde, hat Gfu zusammen mit Konsumforschern der Gfk-Gruppe ermittelt. Das lässt in vielen Bereichen die Durchschnittspreise steigen. Fernsehgeräte haben sich Verbraucher 2020 im Schnitt 583 Euro und damit 2 Prozent mehr kosten lassen. Mit 7,2 Millionen Geräten wurden über 11 Prozent mehr gekauft als 2019. Ähnlich stark auf 732 Euro stieg der Durchschnittspreis für Notebooks, von denen knapp ein Viertel mehr, und zwar 4,9 Millionen Stück, verkauft wurden. Eines der meistverkauften Produkte überhaupt waren Monitore mit einem Zuwachs von knapp 60 Prozent auf 4,2 Millionen Stück.

In manchen Bereichen wie Kopfhörern mit einem Absatzplus von nahe 50 Prozent oder Luftfiltern mit über 150 Prozent Wachstum auf rund eine Million Anlagen hat Corona-Sonderkonjunktur eine derart hohe Nachfrage beschert, das die Ware zeitweise ausverkauft war. Insgesamt ist der Absatz von Konsumelektronik hierzulande 2020 um ein Zehntel auf 30,5 Milliarden Euro gewachsen. Die Lieferketten nach Asien hätten aber weitgehend gehalten, betont Hillebrandt. Problematischer sei es gewesen, wenn große Werke in Europa monateweise schließen mussten.

Nachschub wird knapp – und Preise steigen

Ein wachsendes Problem sei aktuell die Knappheit von Schiffscontainern, in denen elektronisches Gut von Asien nach Europa transportiert wird. Was hier stocke, sei der Rückfluss von Containern nach Asien, sodass dort Mangel herrscht. Das lasse die Logistikkosten in die Höhe schnellen, folglich wird die Ware teurer. Über das Ausmaß und einzelne Produktkategorien will Hillebrandt aber nicht spekulieren. Preissteigerungen kommen aber mit Sicherheit auf heimische Verbraucher zu.

Für seine eigene Branche bleibt Hillebrandt dessen ungeachtet 2021 optimistisch. Konsumbudgets werden sich teilweise wieder umschichten, je mehr die Pandemie durch Impfungen ihren Schrecken verliert. „Aber viele Trends werden nachhaltig sein”, schätzt Hillebrandt. Für ihre Branchenschau, die internationale Funkausstellung IFA diesen September in Berlin, plant die Branche auch wieder mit einer physischen und nicht digitalen Messe. „Es soll die erste reguläre Großmesse in Deutschland seit Ausbruch der Pandemie werden”, hofft Hillebrandt.

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