Palmer bremst E-Auto-Hoffnungen: “Grabe nicht ganz Tübingen um”

  • Auf der IAA in Frankfurt wird weiter über die Mobilität der Zukunft gestritten.
  • Boris Palmer bremst dabei die Erwartungen an die aktuelle Genereation der E-Mobilität.
  • Er könne nicht die ganze Stadt umbauen für die E-Ladesäulen, sagte er.
Anzeige
Anzeige

Frankfurt/Main. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat auf der Automesse IAA die Autoindustrie kritisiert und zugleich die Hoffnungen auf einen schnellen Ausbau der E-Auto-Infrastruktur gebremst: "Die Autos, die sie bauen, meine Herren, passen nicht in unsere Städte", sagte der Grünen-Politiker auf eine Posiumsdiskussion auf der Automesse in Frankfurt. Für sechs Schnellladesäulen müssten seine Stadtwerke so starke Stromanschlüsse legen wie für 1000 Menschen. "Schmieren Sie sich das in die Haare", warnte der Politiker. "Ich grabe nicht ganz Tübingen um, damit sie ihre Ladesäulen bekommen."

„Findet der Wandel in den Köpfen der Automobilindustrie wirklich statt, oder wird nur darüber geredet?“, fragte Palmer. Der durchschnittliche Porsche habe in den vergangenen Jahren 15 Zentimeter an Breite und 400 Kilo an Gewicht zugelegt. „Der Porsche passt nicht mehr in die Parkhäuser und ich bau‘ keine neuen“, sagte er.

Daimler-Chef verteidigt die Autoindustrie

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

"Dass wir den Hebel mental nicht umgelegt haben, das möchte ich bestreiten", verteidigte Daimler-Chef Ola Källenius die Branche. Ein Hauptthema waren die schweren und platzbedürftigen SUVs, die derzeit stark in der Kritik von gesellschaftlichen Gruppen stehen.

Video
Anzeigen wegen Protest auf IAA - erste Blockadeaktionen
0:57 min
Auf der Internationalen Autoausstellung (IAA) kam es zu ersten Anzeigen gegen Umweltaktivisten, mehr Proteste werden am Wochenende erwartet.  © dpa

"Wir haben in den letzten Jahren viel getan, um Gewicht aus den Fahrzeugen zu nehmen", sagte Källenius und verwies unter anderem auf stärkere Verwendung von Leichtbauteilen. "Aber man richtet sich auch an dem, was die Kunden wollen." In China etwa mit seinen vollgestopften Megacities verkaufe der Konzern eben 7-sitzige-SUVs am besten.

Porsche-Chef: Werden unseren Beitrag leisten

Anzeige

"Wir werden von der Automobilindustrie unseren Beitrag leisten", sagte Porsche-Chef Oliver Blume mit Blick auf den Ausbau von Ladenetzen für Elektroautos. Aber die Politik müsse in Landes- und Kommunalregierungen auch etwas tun. "Wir hängen bei diesem Thema der Energiewende jetzt auch seit längerer Zeit wirklich im Quark", kritisierte Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall Baden-Württemberg, den langsamen Fortschritt. Bosch-Chef Volkmar Denner gab zu, dass die Unternehmen immer noch unsicher seien, was die Kunden in Sachen Elektromobilität wirklich wollten.

Mehr zur IAA in Frankfurt finden Sie auf der Themenseite

Anzeige

RND/dpa