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Omikron: harte Zeiten für die Transportbranche

Der Transportbranche drohen heftige Verwerfungen durch Omikron.

Frankfurt.Der Transportbranche drohen heftige Verwerfungen durch Omikron. Die Folgen könnten neue Lieferengpässe für Supermärkte oder Industrieunternehmen sowie gestrandete Reisende sein. Besonders heftig kann es Speditionen erwischen.

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Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Logistikverbandes BGL, macht darauf aufmerksam, dass schon vor der Pandemie in Deutschland 60.000 bis 80.000 Lkw-Fahrer fehlten. Er sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wenn durch Omikron tatsächlich große Teile der Bevölkerung infiziert werden, dann wird es große Probleme geben, die Versorgungsketten aufrechtzuerhalten.“ Der BGL-Chef hält deshalb einen „Transportpakt“ mit der Bundesregierung für notwendig. Die Politik müsse gegebenenfalls Prioritäten festlegen, was vordringlich transportiert werden soll.

„Solche Notfallpläne benötigen wir, um ein Chaos wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal zu verhindern“, so Engelhardt, der eine Hauptaufgabe darin sieht, im Falle eines Falles Lkw-Kapazitäten so zu steuern, dass Engpässe vermieden werden: „Wenn es beispielsweise eine Infektionswelle bei Fahrern gibt, die für eine Supermarktkette arbeiten, dann muss schnell Ersatz bei anderen Speditionen gefunden werden, damit die Versorgung der Märkte gewährleistet bleibt.“ Dieses Prinzip gelte für alle Branchen, von der Belieferung von Industrieunternehmen mit Bauteilen bis zur Versorgung im Gesundheitswesen.

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Mehr Tests und Impfungen für Lkw-Fahrer

Aus Engelhardts Sicht muss die Bundesregierung jedenfalls schon jetzt alles gesetzlich Notwendige vorbereiten, „um im Falle einer Omikron-Welle im Transportsektor die Lenk- und Ruhezeiten und die Sonntagsfahrverbote zu flexibilisieren“. Wichtig sei zudem, mehr Testzentren für Berufskraftfahrer zu errichten. Sie sollen den Vorstellungen des BGL-Chefs zufolge mit einem 40-Tonnen-Lkw angefahren werden können. Er fügt hinzu: „Wir haben bereits damit begonnen, Testungen an Autohöfen anzubieten.“ Es sei aber zudem wichtig, dort auch das Impfangebot für Lkw-Fahrer hochzufahren.

RKI: Omikron-Variante in allen Bundesländern nachgewiesen

Die Omikron-Variante ist mittlerweile in allen Bundesländern angekommen.

Die Lage in der Branche ist anderswo nicht weniger beklemmend. Die International Road Transport Union geht davon aus, dass weltweit 20 Prozent der Stellen für Lastwagenfahrer nicht besetzt sind. Und 2022 werde ein weiteres hartes Jahr mit schweren Störungen, Unterversorgung und extremen Kosten für Transportunternehmen, sagte Simon Heaney von der Beratungsfirma Drewry der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Viele Beschäftige haben es mit der Angst vor Ansteckungen und der Furcht vor wochenlangen Quarantänen im Ausland zu tun. Branchenkenner berichten davon, dass Fahrer aus Osteuropa, die vielfach auch hierzulande unterwegs sind, sich mittlerweile weigern, im Fernverkehr zu fahren, auch weil sie nicht mehr viele Stunden in bis zu 50 Kilometer langen Staus an Grenzübergängen – bei katastrophalen hygienischen Bedingungen – warten wollen.

Massive Einschränkungen gibt es bereits in der Luftfahrt. In den USA, wo Omikron schon die dominierende Covid-Variante ist, sind auch am Dienstag wieder Hunderte Flüge ausgefallen und Tausende Reisende gestrandet, vor allem weil es an Crews für Cockpit und Kabine fehlt – Pilotinnen und Piloten, Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter haben sich infiziert und müssen mehrere Tage in Quarantäne.

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Lufthansa: Massiver Anstieg der Krankmeldungen

Die Lufthansa ist ebenfalls betroffen: „Aktuell gibt es einen massiven Anstieg an Krankmeldungen“, sagte Konzernsprecher Michael Lamberty dem RND. Zwar habe die Lufthansa „mit einem sehr großen Puffer für die Urlaubszeit“ geplant. Dieser reiche aber leider für die hohe Krankenquote nicht aus. „Daher haben wir einzelne Flüge auf dem Nordatlantik gestrichen, Passagiere werden umgebucht.“

An Spekulationen zu dem Hintergrund der Krankmeldungen wolle sich sein Unternehmen nicht beteiligten, da Lufthansa nicht über die Art der Erkrankung informiert werde. Doch dass es um Corona geht, gilt als offenes Geheimnis.

Lamberty macht indes darauf aufmerksam, dass bei den Lufthansa-Streichungen darauf geachtet werde, dass die Fluggäste dennoch an ihr Ziel gelangen können – mit Umbuchungen bevorzugt auf andere Airlines des Konzerns oder auf die Flieger von Star-Alliance-Partnern.

Die Dienstplanung beim fliegenden Personal ist besonders schwierig, da die Crews immer nur für bestimmte Flugzeugtypen eingesetzt werden können. Hinzu kommen Bestimmungen über Ruhezeiten nach einem Einsatz. Branchenkenner gehen auch deshalb davon aus, dass bei einer schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante die Zahl der Flugstreichungen noch deutlich steigen wird.

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Bei der Deutschen Bahn hingegen läuft der Betrieb aktuell „ruhig und weitgehend reibungslos“, so ein DB-Sprecher gegenüber dem RND. Zwar würden derzeit „etwas erhöhte Krankenstände“ beobachtet. Die Mehrheit der Kunden spüre aber keine Auswirkungen.

Beeinträchtigungen auf den Bahnbetrieb seien gering und beschränkten sich regional auf wenige Züge. Das RND hatte bereits am Montag berichtet, dass die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG angesichts von Omikron vom Bahnmanagement einen Notfallfahrplan fordert, um die Beschäftigten besser zu schützen.

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