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Öl ist so teuer wie seit sechs Jahren nicht mehr – Angst vor steigender Inflation

  • Die Opec+ kann sich nicht über eine Erhöhung der Fördermengen einigen.
  • Die Nachfrage nach dem fossilen Rohstoff übersteigt das Angebot.
  • Autofahrer müssen sich darauf einstellen, dass es mit den Spritpreisen weiter nach oben geht.
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Frankfurt am Main. Der Ölpreis ist am Dienstag auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren gestiegen. Die Hauptursache: Die Förderländer konnten sich nicht auf eine Ausweitung des Angebots einigen. Autofahrer müssen für die Urlaubssaison mit noch teurerem Sprit rechnen. Zudem steigt und Inflationsgefahr und die Erholung der Wirtschaft könnte gebremst werden.

Die Notierungen an den Rohstoffbörsen werden zu einem Politikum. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte am Dienstag mit, dass die US-Regierung mit relevanten Hauptstädten in Kontakt stehe, um die Notwendigkeit eines Kompromisses zur Erhöhung der Ölförderung deutlich zu machen. Im Klartext: Präsident Joe Biden will erreichen, dass der Sprit nicht noch teurer wird. Das könnte die Erholung der Wirtschaft nach dem Abklingen der Pandemie gefährden.

Beobachter betonen, dass die verlässliche Versorgung mit preiswerter Energie dem Präsidenten enorm wichtig ist. Denn davon hängt in starkem Maß seine Popularität ab. Gerade jetzt sind die Kosten für Kraftstoff ein noch sensibleres Thema als im Rest des Jahres. Die „Driving Season“ hat gerade begonnen. Hunderttausende sind als Ausflügler und Urlauber unterwegs. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) teilte indes auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mit: „Das BMWi beobachtet die Entwicklung der Ölpreise aufmerksam. Grundsätzlich kommentieren wir die Entscheidungen der Opec nicht.“

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Was ist geschehen? Die Opec+, eine Allianz aus 23 Ölförderländern, konnte sich in den vergangenen Tagen in vielen Sitzungsstunden nicht auf eine Erhöhung der Fördermengen einigen. Die Differenzen waren so groß, dass ein Treffen am Montagabend abgebrochen wurde, ohne einen Termin für eine weitere Zusammenkunft zu vereinbaren.

Das heißt, es bleibt erst einmal bei den derzeitigen Fördermengen. Obwohl Opec-Generalsekretär Mohammad Barkindo schon Ende voriger Woche deutlich machte, dass die Nachfrage nach dem fossilen Rohstoff in der zweiten Jahreshälfte um fünf Millionen Fass (à 159 Liter) pro Tag höher liegen werde als in den ersten sechs Monaten. Tritt diese Prognose ein, werden die Preise ohne eine Ausweitung der Förderung unweigerlich steigen. Das Angebot am Ölmarkt bleibe schon jetzt hinter der wachsenden Nachfrage zurück, betonte denn auch Giovanni Staunovo von der UBS-Bank.

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Die US-Referenzsorte WTI notierte am Dienstag mit knapp 77 Dollar pro Fass so hoch wie seit November 2014 nicht mehr. Das für Deutschland maßgebliche Brent-Öl kostete am Dienstagnachmittag zweitweise fast 78 Dollar – ein solches Niveau wurde zuletzt im Herbst 2018 erreicht.

Das Zerwürfnis in der Opec+ hat mehrere Gründe: Die Großförderer Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) sind sich seit Monaten nicht mehr grün. Das Öl wird auch benutzt, um einen Machtkampf um die Dominanz unter den arabischen Staaten auszufechten. Ferner liegt das Hauptinteresse der Saudis in stabilen Preisen.

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Einen Einbruch der Notierungen wie im vorigen Frühjahr auf nur noch 21 Dollar pro Fass wollen sie mit aller Macht verhindern. Deshalb ist ihr Ziel, die restriktive Förderpolitik beizubehalten, die nach dem Absturz eingeleitet wurde und äußerst erfolgreich war. Die Saudis waren nun aber immerhin bereit, ein moderates Förderplus festzuzurren, allerdings über einen längeren Zeitraum gestreckt, und zwar bis Ende 2022. Das war den Mächtigen in den VAE zu lang. Als Bedingung für eine Zustimmung verlangten sie deshalb, dass ihre eigene Förderquote erhöht wird. Was abgelehnt wurde.

Hinter dem Gefeilsche steckt aber auch die Frage, ob die Nachfrage tatsächlich so stark steigt, wie Barkindo es prognostiziert hat. Denn die Delta-Variante des Covidvirus macht sich breit, was neue Restriktionen für Bürger und Unternehmen bringen könnte – mit geringerer Ölnachfrage und fallenden Preisen als Folgeeffekt. Barkindos Hinweis zielt hingegen darauf ab, mögliche größere ökonomische Verwerfungen zu verhindern: wenn die globale Konjunktur trotz Delta-Variante zunächst einmal weiter anzieht und der fossile Kraftstoff teurer wird.

Industrieländer befürchten steigende Inflation

Das würde die ohnehin schon grassierende Inflation in vielen Industrieländern befeuern, was die Notenbanken dazu zwingt könnte, ihre ultralockere Geldpolitik aufzugeben. Die Folge: Das Zinsniveau steigt, wodurch der Konjunkturmotor abgewürgt wird. So etwas würde auch den Ölförderern nicht gefallen. Dieses Szenario wurde am Dienstag jedenfalls von den Finanzprofis antizipiert. Deshalb gaben die Aktienkurse durch die Bank nach.

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Autofahrer müssen indes auch hierzulande mit kurzfristig steigenden Spritpreisen rechnen. Die Aufschläge fürs Rohöl der vergangenen Tage machen sich an den Tankstellen in der Regel mit einem Abstand von drei bis vier Tagen bemerkbar – das zeigt auch die Erfahrung der vergangenen Monate. Bleibt das Angebot dauerhaft knapp, wird es weitere Aufschläge geben.

Dabei war schon der Juni nach den Daten des Verbraucherportals Clever Tanken der teuerste Tankmonat in diesem Jahr. Super E10 kostete im bundesweiten Schnitt rund 1,50 Euro. Für den Liter Diesel zahlten Autofahrer 1,36 Euro. Am Dienstag war der Sprit bereits zwei bis drei Cent teurer. Binnen Jahresfrist ist Benzin laut Clever Tanken um 27 Cent und Diesel um 28 Cent teurer geworden.

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