Ob das Geld abwirft? Uber testet Fahrdienst auf dem Land

  • New York und Berlin haben neuerdings eine Gemeinsamkeit mit Kirchheim und Poing in Oberbayern.
  • Denn auch in den ländlichen Regionen können Bürger bald den Fahrdienstleister Uber nutzen.
  • Es ist ein Versuch, bei dem niemand weiß, ob es sich lohnen wird.
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Kirchheim/München. In sechs deutschen Großstädten ist der Fahrdienstvermittler Uber bereits unterwegs - jetzt wagt er sich zum ersten Mal auch aufs Land: In fünf Kleinstädten östlich von München bietet der US-Konzern nun Fahrten zum Festpreis von 5 Euro an, auch in den Nachbarort. Und nachts fahre Uber für 15 Euro nach München oder zurück, kündigte Deutschlandchef Christoph Weigler am Montag in Kirchheim an.

Ist das nur ein "Feigenblatt-Test fürs Image", wie der Bundesverband Taxi kritisiert? Nein, sagte Weigler. Es sei vielmehr ein Test für ein neues Geschäftsfeld außerhalb der Metropolen: "Mit dem Pilotprojekt wollen wir verstehen, wie ein On-Demand-Fahrservice auch in weniger dicht besiedelten Regionen (...) funktionieren kann." Damit die Bürger das Angebot ausprobieren, gibt's Schnäppchenpreise: "Zum Start investieren wir dafür quasi in Marktforschung", sagt der Manager. "Wie eine wirtschaftliche Kalkulation im Regelbetrieb aussehen könnte, wollen wir bei dem Projekt lernen." Öffentliche Zuschüsse bekommt das Vorhaben nicht.

Unterwegs im Speckgürtel

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Kirchheim liegt im Speckgürtel der bayerischen Landeshauptstadt, direkt am Autobahnkreuz München-Ost. Die fünf Test-Orte haben zusammen 51 000 Einwohner, zwei S-Bahn-Stationen, Bushaltestellen und ein Taxiunternehmen. Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl sagt, der Fahrdienstleister könne für manche eine Alternative zum eigenen Auto sein oder Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), für "eine Fahrt zum Facharzt in der Nachbarschaft für die Älteren oder die Heimkehr von der Partynacht in München für die Jüngeren."

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, wie Modellprojekte im Harz und im Bayerischen Wald zeigen. "Im Prinzip hat hier jeder sein Auto vor der Tür", sagt Markus Linkenheil, im niederbayerischen Freyung für den Klimaschutz zuständig. Seit gut einem Jahr ist ein Kleinbus auf Abruf in der 7000-Einwohner-Stadt unterwegs. Per App gibt der Kunde sein Ziel ein, der "Freyfahrt"-Bus holt ihn ab und fährt hin, für 2,90 Euro, auch bis Ahornöd oder Hinterschmiding. "Wir haben etwa 40 Personen, die das regelmäßig buchen", sagt Linkenheil. Kein Geschäft: Ohne Förderung läge das "Defizit im Bereich von 10 000 Euro pro Monat".

Vorerst kein lukratives Geschäft

Im Gegensatz zum Uber-Auto sammelt der "Freyfahrt"-Bus unterwegs gelegentlich weitere Fahrgäste mit gleicher Zielrichtung ein - Pooling heißt das. Pooling senkt die Betriebskosten, kann aber neue Probleme schaffen, wie Michael Patscheke, Nahverkehrsexperte am Max-Planck-Institut für Dynamik in Göttingen, erklärt. Der im Harz getestete On-Demand-Ecobus hat Fahrgäste wegen der Umwege auch mal zu spät zum Bahnhof gebracht.

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Kann man damit auch Geld verdienen? "Nein", sagt Patscheke. "Dass das ein profitables Geschäftsmodell wird, würde ich ausschließen. Schon gar nicht auf dem platten Land." Zumal Pooling bis heute verboten und nur mit Sondergenehmigung möglich ist.

Allerdings erwägt die Bundesregierung gerade, das Gesetz zu ändern. Und wenn Autos in 15 Jahren fahrerlos unterwegs sind, schaut eh alles ganz anders aus: "Dann kann man damit reich werden", sagt der Max-Planck-Experte. Uber plant bereits weitere Tests auf dem Land.

RND/dpa

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