Nutri-Score: Wann kommt er, und wie wird er berechnet?

  • Der Nutri-Score soll Verbrauchern helfen, die Nährwerteigenschaften von Lebensmitteln auf einen Blick zu erfassen.
  • Die Bewertungsskala wird voraussichtlich ab Mitte 2020 auf Produktverpackungen in deutschen Supermärkten erscheinen – allerdings ist die Kennzeichnung freiwillig.
  • Fragen und Antworten zur Lebensmittelampel Nutri-Score im Überblick.
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Hannover. Das Interesse an einer gesunden Ernährungsweise ist in Deutschland hoch. Im aktuellen Ernährungsreport der Bundesregierung gaben 91 Prozent der Befragten an, dass ihnen gesundes Essen wichtig sei. Damit einher geht der Wille, beim Einkaufen auf gesunde Produkte zu achten. Eine große Mehrheit (84 Prozent) hält Lebensmittelkennzeichnungen, etwa zu Inhalts- und Zusatzstoffen, für bedeutend. Allerdings sind Verbraucher oft mit den Angaben auf Lebensmittelverpackungen überfordert oder nehmen sich nicht die Zeit, sie zu lesen.

Die Einführung einer Nährwert- oder Lebensmittelampel, wie es sie bereits in Frankreich und einigen anderen EU-Ländern gibt, soll das ändern. Das als Nutri-Score bezeichnete System soll in Deutschland Mitte des Jahres eingeführt werden, auf manchen Produktverpackungen kommt die Ampel bereits zum Einsatz. Was Verbraucher über den Nutri-Score wissen müssen, haben wir hier zusammengestellt.

Was ist der Nutri-Score?

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Der Nutri-Score ist ein System zur Kennzeichnung des Nährwertinhaltes eines Lebensmittels. Dabei weisen Buchstaben (A bis E) und Farben (Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb, Orange, Rot) Verbraucher darauf hin, wie gut oder schlecht das Lebensmittel im Hinblick auf ihre Nährstoffe und ihren Kaloriengehalt abschneidet. Der Nutri-Score soll es einfacher machen, die Nährwerteigenschaften eines Produktes auf einen Blick zu erfassen und mit denen anderer Produkte zu vergleichen.

Produkte mit günstigen Nährwerteigenschaften erhalten eine grüne Einordnung und den Buchstaben A oder B, weniger vorteilhafte Produkte werden gelb, orange oder rot und mit den Buchstaben C, D oder E versehen.

Wie funktioniert der Nutri-Score?

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Für den Nutri-Score werden die Mengen verschiedener Nähr- und Inhaltsstoffe in einem Lebensmittel miteinander verrechnet. Als Portionsgröße dienen 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter eines Produktes. Für günstige Bestandteile wie Obst, Gemüse, Ballaststoffe oder Proteine gibt es Minuspunkte, Pluspunkte erhalten Produkte, wenn sie viel Zucker, Salz, Kalorien oder gesättigte Fettsäuren beinhalten. Je weniger Punkte ein Lebensmittel erhält, desto besser sein Nutri-Score.

Angaben zu einzelnen Bestandteilen macht der Nutri-Score nicht. Das neue Logo ist daher eher als Ergänzung für die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle sein, die meist auf der Rückseite von Produktverpackungen steht.

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So berechnet sich der Nutri-Score für feste Lebensmittel:

Punkte Nutri-Score
-15 bis 1 A (Dunkelgrün)
0 bis 2 B (Hellgrün)
3 bis 10 C (Gelb)
11 bis 18 D (Orange)
19 und mehr E (Rot)

So berechnet sich der Nutri-Score für Getränke:

Punkte Nutri-Score
Wasser A (Dunkelgrün)
-15 bis 1 B (Hellgrün)
2 bis 5 C (Gelb)
6 bis 9 D (Orange)
10 und mehr E (Rot)

Wer hat den Nutri-Score entwickelt?

Das Nutri-Score-System wurde in Frankreich entwickelt und ist als Unionsmarke in allen EU-Mitgliedsstaaten geschützt. Für die wissenschaftliche Expertise sind Ernährungswissenschaftler aus Großbritannien und Frankreich zuständig. Als Vorlage dient ein ähnliches Ampelsystem aus Großbritannien.

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Ab wann gibt es den Nutri-Score auf Produkten in Deutschland?

Laut dem zuständigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist mit der Einführung des Nutri-Scores in Deutschland frühestens ab Sommer 2020 zu rechnen. Bevor die Nährwertampel auf Produkten in deutschen Supermärkten erscheint, braucht es die Zustimmung von Kabinett und Bundesrat. Auch die EU-Kommission muss grünes Licht geben.

Ist der Nutri-Score für Hersteller verpflichtend?

Nein. Die Kennzeichnung von Produkten mit dem Nutri-Score ist freiwillig, da geltendes EU-Recht eine national verpflichtende Nährwertkennzeichnung, die über die existierende Kennzeichnungspflicht hinausgeht, nicht vorsieht. Eine vereinfachte, erweiterte Kennzeichnung, wie sie der Nutri-Score darstellt, ist daher nur als staatliche Empfehlung erlaubt.

Nutri-Score: Welche Hersteller kennzeichnen ihre Produkte?

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Einige Lebensmittelhersteller haben bereits angekündigt, ihre Produkte mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen oder tun dies bereits. Dazu gehören etwa Bonduelle, Danone, Iglo, Agrarfrost und Harry-Brot. Auch die Supermarktketten Aldi, Lidl und Rewe wollen die Nährwertampel für einige Eigenprodukte einführen.

Wo gibt es den Nutri-Score bereits?

In Frankreich, wo es den Nutri-Score bereits seit 2017 gibt, wird das Nährwertlogo überwiegend positiv aufgenommen. Auch in Belgien ist der Nutri-Score auf Produktverpackungen teilnehmender Hersteller zu finden. Als erstes EU-Land führte Großbritannien 2013 eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel ein, allerdings auf Grundlage eines anderen Bewertungssystems.

Wie sinnvoll ist der Nutri-Score?

Die Reaktionen auf den Nutri-Score fallen in Deutschland unterschiedlich aus. Skeptisch bis ablehnend zeigen sich vor allem der Lebensmittelverband Deutschland und Teile der Lebensmittelindustrie. So hat der Lebensmittelverband „Zweifel, dass bewertende Systeme geeignete Modelle für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung sind“. Eine „sinnvolle Bewertung“ könne nur unter Berücksichtigung „auf das gesamte Ernährungsverhalten am Tag, nicht aber für ein einzelnes Produkt erfolgen“. Erwartbare Kritik kommt zudem von Herstellern von Süßwaren und Softdrinks, darunter Coca Cola, Pepsi und Mondelez, deren Produkte überwiegend schlechte Noten bekämen.

Demgegenüber gibt es breite Zustimmung von Verbraucherschützern und Medizinverbänden. Gerade vor dem Hintergrund zunehmenden Übergewichts, Fettleibigkeit und Diabeteserkrankungen in der Bevölkerung erscheine eine zusätzliche Kennzeichnung gesunder Lebensmittel sinnvoll. Nicht zuletzt Kinder und Jugendliche würden von einer simplen Bewertung profitieren. Zudem belegen französische Studien, dass der Nutri-Score tatsächlich zu einem veränderten Kaufverhalten führt.

Laut Statistischem Bundesamt ist mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland übergewichtig, ein Anstieg um 3 Prozent seit der letzten Erhebung im Jahr 2005. Auch die Zahl der Diabetiker hat zugenommen. Laut aktuellem Diabetes Atlas der International Diabetes Foundation (IDF) wird die Zahl der an Diabetes erkrankten Erwachsenen in Deutschland auf 9,5 Millionen geschätzt. Damit gehört Deutschland zu den zehn Ländern mit der höchsten absoluten Zunahme der Diabetesprävelenz.