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Stress und kein Zugang zu Toiletten: November-Lockdown erschwert Arbeit von Lieferando-Kurieren

  • Die Arbeitsbedingungen der Fahrradkuriere von Lieferando verschlechtern sich im Corona-Lockdown.
  • Wegen des erhöhten Auftrags­aufkommens haben sie kaum eine freie Minute.
  • Einige Restaurants verwehren ihnen außerdem unter Verweis auf behördliche Vorgaben den Zutritt zu den Toiletten.
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Die Restaurants in Deutschland sind im November geschlossen – und die Fahrradkuriere des Bringdiensts Lieferando haben besonders viel zu tun. Denn die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung für Restaurants fließen auch dann, wenn weiter Außerhaus­geschäft betrieben wird. Das lohnt sich für die Restaurants. Und die Deutschen bestellen in Zeiten von Corona gern.

So ist die Zahl der bestellten Speisen bei Lieferando im ersten Halbjahr 2020 auf rund 49 Millionen gestiegen, ein Zuwachs von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahres­zeitraum. Der Umsatz verdoppelte sich sogar – von 80 Millionen Euro auf 161 Millionen Euro.

Kein Zugang zu Toiletten

Für die Fahrradkuriere von Lieferando bedeutet das viel Arbeit. „Früher hatten die Kuriere auch mal Leerlauf, jetzt bekommen sie einen Auftrag nach dem nächsten. Das ist Stress“, sagt Christoph Schink von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Außerdem werde den Kurieren unter Verweis auf die Corona-Bestimmungen immer wieder der Zutritt zu den Toiletten der Restaurants verwehrt. „Es kann nicht sein, dass ein Kurier während seiner Schicht nicht auf die Toilette gehen kann. Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, das sicherzustellen“, kritisiert Schink.

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Die sogenannten Rider werden bei Lieferando alle sozial­versicherungs­pflichtig angestellt, sie bekommen 10,50 Euro pro Stunde. Wer besonders viele Bestellungen ausfährt, erhält einen Bonus, den das Unternehmen für den Monat November noch mal angehoben hat, wie das Magazin „Business Insider“ berichtet. Wer mehr als 100 Bestellungen im Monat ausfährt, bekommt demnach pro Auftrag 1,50 Euro extra. Bei mehr als 200 Bestellungen sind es sogar 3 Euro.

Anreizsystem birgt Gefahren

„Ein Aufschlag von 1,50 Euro oder sogar 3 Euro pro Bestellung ist ordentlich. Das zeigt die Personalnot bei Lieferando“, sagt Gewerkschafter Schink. Er sieht das Anreizsystem bei Lieferando kritisch. Das Unternehmen suche händeringend nach neuen Kurieren, um die Auftragsflut zu stemmen. Und weil diese nicht leicht zu finden seien, werden die Mitarbeiter angehalten, noch schneller noch mehr auszufahren. Das könne zum Problem für die Gesundheit der Kuriere werden. „Außerdem sollten keine Anreize geschaffen werden, sich gefährlich im Straßenverkehr zu verhalten“, so Schink.

Er bemängelt auch den Umgang des Unternehmens mit Betriebsräten oder Mitarbeitern, die kandidieren wollen: „Wir haben in der Vergangenheit häufiger gesehen, dass die Arbeitsverträge von Betriebsräten oder Kandidaten einfach nicht verlängert wurden.“ Betriebsräte haben normalerweise einen besonderen Kündigungsschutz. Da es bei Lieferando aber hauptsächlich befristete Arbeitsverträge gibt, greift dieser Schutz nicht.

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