„Noch schneller, noch radikaler“: VW legt digital nach

  • Der Autobauer VW beschleunigt den Umbau.
  • Vernetzte Fahrzeuge sollen nun neues Geschäft bringen.
  • Reichweite gibt es auf Knopfdruck.
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VW will mitten in der E-Offensive den nächsten großen Schritt machen: Die Digitalisierung des ganzen Geschäfts steht auf dem Programm, die Vernetzung der Fahrzeuge soll neue Produkte möglich machen. Vor allem aber soll die Veränderung schneller werden. „Accelerate“ – beschleunigen – heißt das neue Programm, mit dem die größte Marke des Konzerns in die Zukunft finden soll.

„Das Umfeld verändert sich rasant“, sagt Ralf Brandstätter, der die größte Marke der Wolfsburger führt, seit sich Herbert Diess auf die Rolle als Konzernchef beschränkt. „Von allen großen Herstellern hat VW die besten Chancen, das Rennen zu gewinnen“, sagt Brandstätter. Ob er Tesla schon zu den Großen zählt, lässt der VW-Markenchef offen. Klar ist aber, dass die US-Marke in Wolfsburg als der wichtigste Herausforderer gesehen wird.

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Ralf Brandstätter führt seit dem Sommer 2020 die Marke VW. © Quelle: Swen Pförtner/dpa

„Noch schneller, noch radikaler“ müsse sich VW verändern. Brandstätter kündigte in einer Pressekonferenz den nächsten Komplettumbau an. So werden die Ziele für die Elektromobilität noch einmal drastisch heraufgesetzt. Im Jahr 2030 sollen 70 Prozent aller neuen Pkw mit VW-Logo in Europa einen Elektroantrieb haben – doppelt so viele wie bisher geplant. Hintergrund sind die Klimaschutzpläne der EU, die der Autoindustrie deutlich schärfere CO₂-Vorschriften bringen werden. „Wir werden die geplante EU-Regulierung weit übererfüllen“, sagte Brandstätter.

Verbrenner sollen Geld bringen

Gleichzeitig sollen die Verbrennermodelle weiterentwickelt werden, denn „nur so lassen sich die nötigen Gewinne realisieren“. VW verdiene zwar mit dem E-Auto ID.3 vom ersten Tag an Geld, sagt Brandstätter, aber der Gewinn liegt weit unter den klassischen Modellen. „Wir müssen uns die Transformation verdienen“, sagte Brandstätter und verwies auch auf die laufenden Kostensenkungsprogramme.

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Das Geld wird vor allem für die Digitalisierung gebraucht. Was den klassischen Autobauern noch fehlt, hat VW in den vergangenen Monaten bitter erfahren: Die ersten ID.3 konnten nicht selbst vom Band fahren, weil die Software nicht wie geplant am Band aufgespielt werden konnte. Mehrere angekündigte Funktionen kommen später als geplant. Die Golf-Produktion wurde wegen Softwareproblemen zeitweise gestoppt. Nun sind – ebenfalls mit Verspätung – Updates „over the air“ möglich. Für neue Funktionen müssen die Autos also nicht mehr in die Werkstatt.

Das ist die Mindestvoraussetzung für Brandstätters große Vision: Ein „softwaredefiniertes Produkt“ soll das Auto werden. Dazu gehört autonomes Fahren, das ebenfalls bis 2030 in großem Stil eingeführt werden soll. Schon in den nächsten Jahren will VW die neuen Autos in einem neuronalen, also selbstlernenden Netz verknüpfen. So sollen sie ständig aus der Ferne optimiert werden können – zum Beispiel könnte man die Reichweite über ein besseres Batteriemanagement steigern. Außerdem erwartet Brandstätter „zusätzliche Erlöse in der Nutzungsphase“. Ein Beispiel nennt Klaus Zellmer, Vertriebschef der Marke: Wenn die Software feststelle, dass ein Fahrzeug oft auf Langstrecken unterwegs ist, könne sie durch zusätzliche Komfortfunktionen und Assistenzsysteme oder durch anderes Energiemanagement die Reichweite erhöhen – gegen Zahlung. Dreistellige Millionenumsätze im Jahr hält Zellmer so für möglich.

Die Zusatzeinnahmen werden gebraucht, weil die Gewinnmarge bei den E-Autos wohl auf Dauer kleiner sein wird als bei den aktuellen Modellen. Deshalb werden weiter Wege gesucht, die Kosten zu drücken. Die Fertigungszeit müsse deutlich sinken, sagt Produktionschef Christian Vollmer. Deshalb wird die Zahl der Modellvarianten deutlich reduziert. Unter den heute teilweise möglichen Millionen Ausstattungsvarianten würden viele nie bestellt. Bei einem künftigen Elektromodell, das in Wolfsburg gebaut werden soll – Projektname „Trinity“ – werde „die Varianz sehr klein“ sein, sagt Vollmer. „Wenn nicht gar eins.“ Das hieße: eine Standardausstattung für das Auto. Wie einst beim Käfer.

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