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“Night of Light”-Initiator schlägt Alarm: “Wir sind kurz vor dem Untergang”

  • Die Veranstaltungswirtschaft befürchtet wegen der Corona-Krise eine Pleitewelle.
  • Auf ihre schwierige Lage wollen die Firmen am Montag mit einer bundesweiten Lichtaktion hinweisen: 6700 Gebäude sollen rot angestrahlt werden.
  • Im RND-Interview spricht Initiator Tom Koperek über die Not der Branche.
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Hannover. In der Veranstaltungswirtschaft geht die Angst um: Durch Corona ist das Geschäft seit März praktisch eingebrochen. Am Montagabend wollen die Unternehmen aus der Branche in der “Night of Light” bundesweit Spielstätten und andere Gebäude rot anstrahlen.

Beteiligen wollen sich unter anderem Betreiber von Eventlocations, Hallen, Kinos und Kleinkunst-Theatern sowie Technikausstatter, Messebauer, Zeltverleiher oder Tagungshotels. Wir haben mit Initiator Tom Koperek, Geschäftsführer des “Grand Hall Zollverein”, einer Eventlocation in Essen, gesprochen.

Herr Koperek, Sie rufen heute Abend symbolisch die “Alarmstufe Rot” aus. Wie dramatisch ist die Lage Ihrer Branche?

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Wie dramatisch kann eine Situation sein, wenn ein Unternehmen vier Monate lang keine Umsätze mehr macht, also keine Einnahmen mehr hat und trotzdem alle Kosten weiterlaufen? Die Situation ist hochdramatisch und alarmierend, wir sind kurz vor dem Untergang.

Tom Koperek ist Initiator der "Night of Life", die auf die Nöte der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam machen will. © Quelle: Night of Light

Der deutsche Staat pumpt Milliarden in die Wirtschaft. Was kommt davon bei Ihnen an?

So gut wie nichts bis jetzt. Die Soforthilfeprogramme sind nicht für alle Unternehmen geeignet. Wir haben - wenn ich für mein eigenes Unternehmen spreche - die Soforthilfe nicht erhalten, weil wir von der Struktur nicht in Frage kommen. Wir sind als eine Art Holding aufgestellt und daher von der Soforthilfe ausgeschlossen. Das zuletzt beschlossene Konjunkturpaket sieht zwar die Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen vor. Wir wissen aber bisher nicht, wie das umgesetzt werden soll. Da ist also noch gar kein Antrag gestellt. Die einzige Hilfe, die es bisher gab, waren die Kreditprogramme der KfW. Aber Darlehen empfinden wir nicht als probates Mittel, um unsere Probleme zu lösen.

Was wünschen Sie sich stattdessen von der Politik?

Die Politik muss jetzt aufwachen. Sie muss sehen, dass die Veranstaltungswirtschaft in ihrer Gesamtheit ein Wirtschaftszweig ist, der 130 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt. Wir haben bis zu 2,5 Millionen Beschäftigte. Da ist riesengroßes Ungemach im Anmarsch. Es braucht jetzt direkte Hilfen, um diesen Wirtschaftszweig zu retten.

Was glauben Sie, wo Ihre Branche in einem Jahr steht?

Wenn das so weitergeht, dann wird unsere Branche die nächsten 100 Tage nicht überleben. Da muss man sich auch Gedanken machen, was das für einen Effekt auf die kulturelle Vielfalt in unserem Land hat. Die Veranstaltungswirtschaft stellt einen ganz, ganz großen Teil des kulturellen Angebots bereit und wenn 70 bis 80 Prozent dieses Wirtschaftszweigs wegbrechen, weil die Unternehmen in die Insolvenz gehen, dann haben wir auch da ein großes Vakuum. Der soziale Kitt in unserer Gesellschaft, unsere Kultur, wird den Bach runtergehen.

Gibt es etwas, das Ihnen Hoffnung macht?

Zur Zeit ehrlich gesagt nicht. Wobei: Ein kleines Fünkchen Hoffnung habe ich. Wir haben 8000 Unterstützer gewonnen, die heute Nacht bei der “Night of Light” ab 22 Uhr bundesweit in über 300 Städten Gebäude und Bauwerke rot anstrahlen werden. Das ist ein flammender Appell, ein leuchtendes Signal, dass wir noch am Leben sind - aber eben nicht mehr lange. Hier ist Alarmstufe Rot, wir brauchen jetzt Hilfe. Das muss von der Politik wahrgenommen werden.

RND/fh







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