So können sich Verbraucher vor der Niedrigzinspolitik der EZB schützen

  • Die Inflation steigt, die Kritik an der Europäischen Zentralbank wird lauter.
  • Dabei wirkt sich die lockere Geldpolitik durchaus auch positiv aus, sie sorgt etwa für zusätzliche Arbeitsplätze.
  • Ein Überblick, wie die EZB den Alltag von Verbrauchern beeinflusst – und wie man sich wappnen kann.
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Erneut tritt an diesem Donnerstag der Rat der Europäischen Zentralbank zusammen – das Gremium, das im Euroraum über die Geldpolitik entscheidet. Zuletzt hatten die Notenbankerinnen und Notenbanker mit dem Aufkauf von Anleihen und niedrigen Zinsen viel Geld in den Markt gepumpt. Allerdings stieg auch die Inflation, was die EZB zumindest kurzfristig in Kauf nimmt.

RND.de erklärt, wie sich die aktuelle Geldpolitik insgesamt auswirkt. Und wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher vor unangenehmen Folgen schützen können.

Inflation: Die Preise steigen

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Einkaufen wird immer teurer: 3,9 Prozent Inflation wurden zuletzt in Deutschland gemessen, 3 Prozent in der Euro-Zone. Das könnte auch an der EZB liegen, sie pumpt mit dem Aufkauf von Anleihen und niedrigen Zinsen viel Geld in den Markt – was gemäß klassischer Wirtschaftstheorien die Inflationsrate erhöht. Für deren Anstieg könnten aus Sicht vieler Fachleute aber auch andere, nur zeitweise wirkende Faktoren verantwortlich sein, etwa steigende Rohölpreise, das Ende der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und der 2021 eingeführte Preis für das Klimagas CO₂.

„Die Inflation trifft besonders Menschen mit hohem Energieverbrauch, etwa Pendler“, sagt deshalb Herrmann-Josef Tenhager von „Finanztip“. Kurzfristig gibt es vor steigender Inflation indes kaum Schutz. „Jetzt ist ein besonders guter Zeitpunkt, um Einsparmöglichkeiten im Alltag zu suchen“, rät Tenhagen. Er empfiehlt etwa das Kündigen ungenutzter Abos und überteuerter Verträge.

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Arbeitsmarkt: Die Konjunktur zieht an

Die Kehrseite der EZB-Linie ist eine trotz Pandemie halbwegs robuste Konjunktur: Es ist so viel billiges Geld im Umlauf, dass Unternehmen und Staaten leicht an Kredite kommen und damit Arbeitsplätze schaffen. „Die relativ niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland ist nicht nur das Ergebnis der Krisenbekämpfung der Regierung, sondern insbesondere auch Folge der Stabilisierung durch die Europäische Zentralbank“, erklärt Silke Tober vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Geldpolitik (IMK).

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Ihr zufolge handelt die EZB derzeit durchaus im Rahmen ihres Auftrags, „aus heutiger Sicht wird das Inflationsziel der EZB von 2 Prozent selbst im Jahr 2023 noch nicht erreicht“. Zugleich hält Tober die lockere Geldpolitik aber keineswegs für alternativlos: „Eine Investitionsoffensive der Regierung könnte es der EZB ermöglichen, früher aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen.“

Konten und Lebensversicherungen lohnen sich kaum

Diejenigen, die aufgrund niedrigen Einkommens auf risikoarme Anlagen angewiesen sind, ringen aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts für Wirtschaft (IW) in Köln derzeit mit den niedrigen Zinsen. Denn Sparkonten und viele Lebensversicherungen werfen kaum noch Rendite ab, wie das Institut in einer am Dienstag erschienen Studie bilanzierte.

Das bestätigt auch Finanzexperte Tenhagen. Er glaubt nicht, dass unzufriedene Sparerinnen und Sparer in absehbarer Zeit eine Umkehr in der Geldpolitik bewirken können. „Da muss man ran und das Geld anders anlegen“, sagt der Finanzexperte. Das sei ohnehin sinnvoll, „seit 2004 gab es nur ein Jahr, in dem Zinsen bei Sparbüchern überhaupt die Inflation ausgeglichen haben.

Größere Anschaffungen: Immobilien sind lukrativ

Zugleich sind Kredite nicht nur für Staat und Unternehmen momentan sehr günstig, sondern auch für Privatleute – weshalb Tenhagen rät, größere Anschaffungen wie ein spritsparendes Auto oder sogar ein Eigenheim möglichst jetzt ins Visier zu nehmen. „Da viele Anleger auf der Suche nach Erträgen auf Immobilien ausweichen, steigen die Preise für Häuer und Eigentumswohnungen in Deutschland wie in vielen anderen Ländern des Euroraums stark an“, warnte aber Jörg Krämer.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank sieht darin vor allem eine Belastung für junge Familien. Gegenüber dem RND mahnte er zugleich an, einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vorzubereiten: „Wir brauchen die Aussicht auf eine Rückkehr zu positiven Leitzinsen, damit sich der starke Anstieg der Immobilienpreise nicht in ein paar Jahren zu einer Blase auswächst, deren Platzen die Volkswirtschaften stark schädigen würde.“

Aktienmärkte: Die Kurse sind hoch

„Hinzu kommt, dass die Negativzinsen der EZB maßgeblich dazu beitragen, die Kurse von Aktien in die Höhe zu treiben, weshalb deutsche Aktien verglichen mit den Gewinnen der DAX-Unternehmen hoch bewertet sind“, sagte Krämer. Er befürchtet, dass das viele vom Einstieg in Aktiengeschäfte abhalten könnte – was ausgerechnet für geschundene Kleinsparer der gangbarste Weg wäre, um niedrigen Zinsen zu entgehen.

Tenhagen rät trotzdem zu Geschäften mit Aktien und bei wenig Erfahrung mit Fonds. Schließlich hätten die solche Geldanlagen Anlegerinnen und Anlegern in der Vergangenheit auf lange Sicht stets Gewinne beschert.

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