Neuwagen online kaufen: Start-up MeinAuto will an die Börse

  • Bisher werden nur 2 Prozent der Neuwagen in Deutschland über das Internet verkauft.
  • Doch die Pandemie wirkt auch in diesem Bereich nach. Der Marktführer MeinAuto konnte seine Umsätze 2020 um 11 Prozent steigern.
  • Nun will das Unternehmen an die Börse und erwartet 150 Millionen Euro Erlöse.
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Der Gebrauchtwagenhandel ist längst ins Internet gewandert. Bei Neuwagen, die in Deutschland in einem Normaljahr im Gesamtwert von 70 Milliarden Euro verkauft werden, sieht das noch anders aus. Nur 2 Prozent davon haben zuletzt über das Internet ihren Besitzer gefunden. Aber die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt in einer Studie, dass dieser Anteil bis 2025 auf mindestens 15 Prozent steigen wird.

Die Pandemie hat auch diesem Bereich in die Karten gespielt. So sind die Umsätze der MeinAuto-Group aus Oberhaching bei München im Coronajahr 2020 um 11 Prozent auf 212 Millionen Euro gestiegen. „Wir sind Pionier bei der digitalen Transformation des deutschen Neuwagenmarkts“, sagt Firmenchef Rudolf Rizzolli und strebt jetzt auch an die Börse. Schon im Mai könnte es so weit sein. Offiziell heißt es vom Unternehmen, dass im zweiten Quartal in Frankfurt die Erstnotiz geplant sei.

Börsengang soll 150 Millionen Euro bringen

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Zu Jahresbeginn war bereits das Berliner Vorzeige-Start-up Auto1, das Gebrauchtwagen online verkauft, erfolgreich an die Börse gegangen und hat dabei eine Milliardensumme erlöst. Nun folgt MeinAuto. Mindestens 150 Millionen Euro wollen die Bayern beim Börsengang durch die Ausgabe neuer Aktien einnehmen. Bei einem geschätzten Börsenwert von gut 2 Milliarden Euro entspricht das ungefähr 8 Prozent der Anteile.

Eigene Aktien versilbern will aber auch der MeinAuto-Eigentümer und britische Finanzinvestor HG Capital. Der Umfang dieses Pakets ist noch geheim. Am Ende werde aber insgesamt weniger als die Hälfte aller alten und neuen Aktien auf den Markt kommen, schätzt ein Insider. Mehrere Hundert Millionen Euro dürfte das Gesamtvolumen in jedem Fall betragen.

Hersteller werden bald selbst online verkaufen

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„Man nutzt die Gunst der Stunde“, sagt ein Branchenanalyst. Die Pandemie habe den Onlineverkauf von Autos beflügelt. Das lasse MeinAuto gut dastehen. Zugleich warnt der Experte aber vor zu hohen Kursen zum Börsendebüt. Daran, dass hierzulande immer mehr Neuwagen online verkauft werden, zweifelt zwar auch er nicht. Aber es werde nicht mehr lange dauern, bis die Autohersteller das im großen Stil in Eigenregie tun werden. Dann werde das Geschäft, das MeinAuto als Onlinemarktführer derzeit noch fast allein für sich hat, rasch hart umkämpft sein.

So ähnlich sieht es auch Stefan Bratzel. „Den Herstellern sind solche Plattformen ein Dorn im Auge“, sagt der Autoexperte und Direktor des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Denn sie würden Neuwagen weit unter Listenpreis verkaufen und so das Markenimage belasten.

Ein Viertel unter Listenpreis

Ein Blick auf die Internetseiten von MeinAuto bestätigt das. Ein neuer und wie auf den Originalherstellerseiten voll konfigurierbarer 1er BMW wird dort rund ein Viertel unter dem offiziellen Preis angeboten. Beziehen würden Onlinehändler wie MeinAuto solche Modelle über große Autohäuser von Markenherstellern, die in der Pandemie noch mehr als zuvor zu kämpfen haben, aber beim Hersteller mit Mengenrabatt günstig einkaufen können, erklärt Bratzel.

Bei nur 2 Prozent Marktanteil des Onlinehandels für Neuwagen sei das noch relativ unproblematisch für die großen Autobauer VW, BMW und Co. Das ändere sich aber, wenn diese Art des Neuwagenverkaufs zunimmt. Billiganbieter wie MeinAuto würden dann spürbaren Preisdruck erzeugen. Deshalb werden Hersteller in den nächsten Jahren selbst immer stärker ins Onlinegeschäft einsteigen und ihre Autohäuser verpflichten mitzumachen, prophezeit der Experte. Die Autohäuser stünden dann Onlinehändlern wie MeinAuto immer weniger als Quelle zur Verfügung.

500 Neuwagenmodelle von 40 Marken

„Langfristig wird es schwieriger werden“, schätzt Bratzel für das Geschäft. Rizzolli vertraut indessen auf das markenübergreifende Angebot, die Auswahl und Vergleichsmöglichkeiten bei MeinAuto. „Wir bieten das einfachste und komfortabelste Neuwagenangebot am Markt“, wirbt er. Aktuell umfasst es über 500 Neuwagenmodelle von 40 Marken, die gekauft oder geleast werden können.

Über eine Zweitplattform wird auch das leasingähnliche Abonnieren von Neuwagen angeboten, das allerdings nur ausgewählten Kundengruppen wie Sportlern, Beamten oder Bundeswehrangehörigen offensteht. 44.000 aktive Abonnenten weist MeinAuto derzeit aus. Über 39.000 Neubestellungen habe man 2020 abgewickelt und wachse damit deutlich stärker als der Markt. Insgesamt waren Neuzulassungen in Deutschland 2020 um fast ein Fünftel rückläufig.

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