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  • Neuer Lieferdienst Gorillas: Lebensmittel in zehn Minuten - Berliner Startup macht Delivery Hero Konkurrenz

Gorillas auf Expansionskurs: So will das Start-up den Kampf der Lebensmittel-Lieferdienste gewinnen

  • Das Berliner Start-up Gorillas wächst rasant: Nur ein Jahr nach seinem Markteintritt wird der Lieferdienst bereits mit einer Milliarde Dollar bewertet.
  • Das Erfolgsrezept: Gorillas verspricht, den Supermarkteinkauf in zehn Minuten zu liefern – und setzt dafür auf seine Warenlager und seine Fahrradkurierinnen und Fahrradkurriere.
  • Doch schon bald wollen dem jungen Unternehmen mit Delivery Hero und Lieferando zwei Lieferdienstriesen Konkurrenz bei der Zustellung von Supermarktartikeln machen.
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Lieferdienste werden in Deutschland immer beliebter. Spätestens in der Corona-Pandemie hat sich der Wettbewerb im Geschäft mit der Lieferung von Lebensmitteln aufgeheizt. Bereits etablierte Anbieter wie Rewes Lieferservice und Edekas Bringdienst müssen sich somit zunehmend auf neue Konkurrenz gefasst machen. Vor allem das Berliner Start-up Gorillas erlebte in der Pandemie einen Boom: Das junge Unternehmen verspricht, den Supermarkteinkauf innerhalb von zehn Minuten zu liefern. Damit will sich Gorillas von anderen Lieferdiensten abheben, bei denen Kundinnen und Kunden teilweise Tage im Voraus bestellen müssen. Doch wie kann Gorillas dieses Versprechen halten?

Lieferung in zehn Minuten: Gorillas’ Warenlager machen es möglich

Gorillas bietet nach eigenen Angaben über tausend Produkte zu „Supermarktpreisen“ an. Interessierte können sich frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch sowie Tiefkühlware und Getränke liefern lassen. Von einem bestimmten Artikel gibt es jedoch nur eine begrenzte Auswahl. Kundinnen und Kunden bezahlen über Paypal oder mit Kreditkarte. Für Bestellungen gibt es keinen Mindestbestellwert, allerdings verlangt Gorillas eine Liefergebühr von 1,80 Euro. Anders als andere Anbieter liefert der Versand nicht aus Supermärkten, sondern aus eigenen Lagerräumen. Nach der Bestellung suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Einkauf zusammen, und anschließend fahren Kurierinnen und Kuriere mit den Produkten auf einem Elektrofahrrad zu den Kundinnen und Kunden.

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Gorillas’ Erfolgsrezept: Start-up erreicht vor Börsengang Milliardenbewertung

Aufgrund der begrenzten, höherpreisigen Produktauswahl richtet sich das Angebot an eine bestimmte Zielgruppe, wie Stephan Stubner, Rektor der Handelshochschule Leipzig, betont: „Gorillas wird wahrscheinlich gut genutzt von Menschen, die wenig freie Zeit haben, weil sie zum Beispiel viel arbeiten – und die sich für den Preis der Liefergebühr ein Stück dieser Zeit zurückkaufen“, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“. Zudem könne Gorillas vor allem in der Generation erfolgreich sein, die bereits regelmäßig Onlineanbieter wie Amazon oder Lieferando nutze.

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Der Lieferdienst war erst im März 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie an den Start gegangen – doch das Unternehmen wird bereits ein Jahr später mit einer Milliarde Dollar bewertet. Gorillas gilt damit als sogenanntes „Unicorn“, also als Unternehmen, das schon vor seinem Börsengang eine Milliardenbewertung erreicht hat. Der Versand setzt zunächst auf schnelles Wachstum und will damit die Konkurrenz vom Markt drängen. Inzwischen zählt das Start-up bereits 16 Liefer­gebiete in Deutschland – darunter Berlin, Hamburg und seit Kurzem auch Leipzig, Hannover und Bremen. Gorillas ist zudem auch in Paris, Mailand, London, Manchester sowie neun Städten in den Niederlanden aktiv.

Delivery Hero und Lieferando weiten Geschäft auf Zustellung von Lebensmitteln aus

Mit seinem Geschäftsmodell tritt das Unternehmen gegen Dienste wie Flink an, die ebenfalls eine Lieferung binnen zehn Minuten versprechen. Mit Delivery Hero und Lieferando wollen zudem bald zwei neue Anbieter in den Wettbewerb einsteigen. Delivery Hero kündigte rund zwei Jahre nach dem Verkauf seines deutschen Geschäfts die Rückkehr in den Heimatmarkt an und will Gorillas und Flink bei den Lieferzeiten noch unterbieten: Essen und Produkte sollen in sieben Minuten beim Kunden sein. Damit das klappt, richtet die Firma kleinere Lagerhäuser in den Innenstädten ein. Weltweit zählte der Konzern in den ersten drei Monaten des Jahres 600 solcher Standorte. Auch Lieferando, klarer Marktführer bei Essenslieferungen, will sein Geschäft bald auf die Zustellung von Lebensmitteln ausweiten. Der Lieferdienst will den Supermarkteinkauf nach eigenen Angaben in 20 bis 30 Minuten liefern – und würde somit in Sachen Lieferzeit hinter seinen Konkurrenten liegen.

Fahrradkurierinnen und -kuriere klagen auf Twitter über Arbeitsbedingungen

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Stubner rechnet aktuell nicht damit, dass Gorillas schon profitabel ist – doch das könne sich künftig ändern. Denn je größer das Unternehmen werde, desto günstiger könne es einkaufen. Laut dem Experten hängt der Erfolg aber maßgeblich von den „Ridern“, also den Fahrradkurierinnen und Fahrradkurieren ab. „Als Kunde entscheiden drei Fragen darüber, ob sie Gorillas nutzen oder nicht. Erstens: Haben die alles, was Sie brauchen? Zweitens: Sind die so schnell wie versprochen? Drittens: Sind die nett?“, sagte Stubner.

Doch gerade die „Rider“ klagen – ähnlich wie die Kurierinnen und Kuriere von Lieferando – über schlechte Arbeits­bedin­gungen. Auf dem Twitter-Account Gorillas Workers Collective beschweren sie sich unter anderem über körperliche Belastung durch schwere Einkäufe, psychische Belastung durch Stress und ausbleibende Bezahlung von Wochenend- und Nachtschichten. Im Laufe dieses Jahres soll immerhin ein Betriebsrat gegründet werden. Gorillas sorgte zudem bei vielen Berlinern und Berlinerinnen für Unmut: Anwohnerinnen und Anwohner ärgerten sich über den ständigen Lärm der Laster, die im Gorillas-Lager stets mit Waren befüllt werden. Das Unternehmen musste aufgrund dieses Drucks bereits ein Waren­lager schließen.

Mit Material von dpa

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