Neuer Lebensmittel-Bringdienst Jokr bekommt kräftige Finanzspritze

  • Der Erfolg von Gorillas und anderen Lebensmittel-Bringdiensten hat einen Klon geschaffen, der Jokr heißt.
  • Das Unternehmen soll zum Start von namenhaften Investoren mit 100 Millionen Dollar Startkapital ausgestattet worden sein, um die Branche aufzumischen.
  • Der Bringdienst will demnächst in verschiedenen Städten in Europa, den USA und Lateinamerika antreten. Unter anderem wird für den Standort Berlin schon Personal gesucht.
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Geschwindigkeit ist alles in diesem Geschäft – sie versprechen, innerhalb von zehn bis 15 Minuten das Bestellte vorbeizubringen. Und damit haben sie Erfolg. Innerhalb weniger Monate sind hierzulande zahlreiche Lebensmittel-Lieferdienste entstanden. Nun tritt ein Schwergewicht an, das sich mit namhaften Investoren im Rücken schnell breitmachen will: Jokr. Harte Kämpfe um Marktanteile sind programmiert. Nach dem Motto: Wer am schnellsten wächst, gewinnt.

Ralf Wenzel gibt sich unbescheiden: „Jokr erfindet den Einzelhandel neu, indem wir das Einkaufserlebnis intelligenter, schneller und angenehmer gestalten.“ Er ist der Chef und Gründer der Firma, die demnächst in verschiedenen Städten in Europa, den USA und Lateinamerika antreten will. Unter anderem wird für den Standort Berlin schon Personal gesucht. In New York soll es in jedem Fall zeitnah losgehen, mit der „Instant Retail Plattform“, die auf „hyper-lokaler“ Ebene agiert. Es geht um die Lieferung von Produkten des täglichen Bedarfs.

Konkurrenz heißt Gorillas, Flink, Frischepost oder Grovy

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Wenzel ist keineswegs der Erfinder dieses Konzepts. Schon vor etwa einem Jahrzehnt wurden die ultra-schnellen Lieferdienste unter anderem von Amazon-Managern durchgespielt: Kleine dezentrale Lager, wo die Produkte bereitliegen, die von den Kunden ständig gebraucht werden – von der Ananas bis zur Zahnpasta. Per App wird bestellt, und Kuriere auf Fahrrädern stellen die Ware zu. Die Idee wollte zunächst nicht so recht zünden und wurde fast vergessen. Doch mit der Pandemie sind plötzlich in wenigen Monaten eine ganze Reihe von Anbietern angetreten. Die heißen hierzulande Gorillas, Flink, Frischepost oder Grovy.

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Die Zahl dieser Start-ups ist mittlerweile schwer überschaubar, aber die Geschäftsmodelle ähneln sich wie ein frisches Ei dem anderen: Die kurzen Wege vom Lager zum Kunden bringen nicht nur kurze Lieferzeiten, sondern ermöglichen auch einen effizienten Einsatz der Fahrer, die heutzutage vielfach mit E-Bikes unterwegs sind. So ist Gorillas beispielsweise in Frankfurt auch nur in den dicht bewohnten Stadtteilen Nordend/Bornheim und Sachsenhausen unterwegs. Geliefert wird gegen eine Gebühr, die in der Regel unter 2 Euro liegt.

Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten

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Intelligente Software, die den Bedarf der Kundschaft vorhersagen kann, soll dafür sorgen, dass im Lager immer genau das vorhanden ist, was nachgefragt wird. Die Ware beschaffen sich die Start-ups möglichst ohne Zwischenhändler. Besonders beliebt sind „Local Heroes“, wie Wenzel es formuliert. Also Hersteller vor Ort. So, wie Grovy in Frankfurt mit der bekannten örtlichen Bäckerei Huck zusammenarbeitet.

Die hierzulande aktiven Start-ups lassen sich allesamt als Klone des US-Unternehmens Gopuff bezeichnen, das mittlerweile einen Marktwert von 4 Milliarden Dollar hat. Der hiesige Star sind die Gorillas aus Berlin. Das Start-up wurde erst voriges Jahr gegründet, ist inzwischen in einem Dutzend Städten aktiv und hat es geschafft in Rekordzeit auf eine Bewertung von einer Milliarde Euro zu kommen, was in der Gründerszene eine Art Ritterschlag bedeutet und den Titel des „Einhorns“ einbringt.

Hinter Jokr stehen namenhafte Investoren

Doch nun will Wenzel mit seinem Jokr angreifen. Er hat bereits einige Erfahrung mit Lieferdiensten. Einst gründete er die Firma Foodpanda, die später dann von Delivery Hero geschluckt wurde. Dort gehörte er zu den Vätern des schnellen Wachstums beim Ausfahren von Sushi und warmen Mahlzeiten – inzwischen gehört Delivery Hero zur ersten Börsenliga, die sich im Dax versammelt hat. Und hinter Jokr stehen namhafte Investoren wie HV Capital, Tiger Global und Softbank. Alle drei verfügen über reichlich Erfahrung mit Start-up-Firmen. Wenzel arbeite einst für den japanischen Techinvestor Softbank, der unter anderem auch am Fahrdienst Uber und an Gopuff beteiligt ist.

Jokr soll Medienberichten zufolge von dem Investorentrio mit 100 Millionen Dollar Startkapital ausgestattet worden sein. Auch das Managementteam hat laut Wenzel eigenes Geld investiert, das sich bald rentieren soll.

Online-Lebensmittelhandel wächst rasant

Der Gründer jedenfalls spricht von einem Wendepunkt im Handel mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Die nächste Generation des Einzelhandels sei „online, personalisierter und hochgradig lokalisiert“. Aktuelle Zahlen geben ihm Recht. So hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) gerade mitgeteilt, dass hierzulande die Kategorie Lebensmittel einen Umsatz von 666 Millionen im ersten Quartal erzielt hat. Das entspricht einem Plus von fast 85 Prozent zur Vorjahreszeit. „Somit ist diese Warengruppe im absoluten Wachstum wieder Spitzenreiter“, so der BEVH.

Trotz dieses enormen Wachstums stellen sich viele Fragen. Etwa: Wie wird sich der Hochgeschwindigkeitshandel nach der Pandemie entwickeln? Beobachter sehen schon Parallelen zu anderen Start-up-Booms wie dem Fahrrad- und dem E-Scooter-Verleih oder den Mahlzeiten-Lieferdiensten: Einer hektischen Gründerwelle folgten harte Konkurrenzkämpfe. Kleinere Anbieter wurden von größeren geschluckt oder gingen schlicht ein. Übrig geblieben sind wenige dominierende Anbieter.

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