Neue Vorwürfe der „Financial Times“ senden Wirecard auf Talfahrt

  • Die britische Finanzzeitung „Financial Times“ lässt nicht locker. Erneut stellt sie das Bilanzgebaren des Dax-Konzerns Wirecard infrage.
  • Der Kurs des Finanzdienstleisters bricht um fast ein Viertel ein, weil die Bilanzen aufgehübscht worden sein könnten.
  • Wirecard dementiert aber vehement – und legt sich erneut mit der „Financial Times“ an.
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Die Reaktion der Börse ist klar und eindeutig. Um zeitweise fast ein Viertel ist die Aktie des Dax-Konzerns Wirecard am Dienstag eingebrochen. Auslöser dafür ist ein neuerlicher Artikel der angesehenen britischen Finanzzeitung „Financial Times“ (FT), der zum wiederholten Male die Bilanzierungspraktiken des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim bei München infrage stellt. Weniger klar ist, ob die dort geäußerten Vorwürfe, Umsätze und Gewinne in großem Stil erfunden und den Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY getäuscht zu haben, auch wirklich zutreffen. Der Konzern jedenfalls dementiert heftig. „Wirecard weist diese Anschuldigung von Fehlverhalten kategorisch zurück“, erklären die Aschheimer, ohne auf Details einzugehen.

An der Börse hat das für die Wirecard-Aktie dessen ungeachtet schwerwiegende Folgen. Das Papier konnte sich auch nach dem Dementi von Wirecard kaum erholen und notierte im späteren Verlauf des Tages immer noch mit rund 18 Prozent im Minus. Rechnerisch sind damit 3 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet.

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Wirecard greift die Wirtschaftszeitung nun an: Der „FT“-Artikel sei verleumderisch sowie eine Zusammenstellung falscher und irreführender Behauptungen, die Wirecard bereits früher widerlegt habe. Bereits Anfang Februar hatte das Blatt eine Reihe von Artikeln mit ähnlichen Vorwürfen veröffentlicht, was ebenfalls Kursstürze verursacht hatte. Sowohl die deutsche Finanzaufsicht Bafin als auch Staatsanwälte in München hatten daraufhin Ermittlungen aufgenommen. Bafin hatte zwei Monate lang Spekulationsgeschäfte auf fallende Wirecard-Kurse verboten.

Wirecard wiederum hat sowohl die „FT“ als auch deren Reporter Dan McCrum vor Gericht gezerrt. Der Dax-Konzern verdächtigt McCrum, illegal mit Spekulanten kooperiert und die Finanzmärkte manipuliert zu haben, was wiederum dieser und die „FT“ bestreiten. Der Streit dauert an und erhält nun neue Nahrung.

Erfand ein Wirecard-Partner Buchungen?

Im Zentrum der neuen „FT“-Vorwürfe steht der selbst in Fachkreisen so gut wie unbekannte Wirecard-Partner Al Alam aus Dubai. Dazu muss man wissen, wie das Geschäft von Zahlungsdienstleistern funktioniert. Sie sorgen dafür, dass Zahlungen zwischen Verbrauchern und Unternehmen bargeldlos und elektronisch abgewickelt werden. Dafür erhalten sie Gebühren, die sich bei Wirecard und Co. als Umsätze niederschlagen. Die Aschheimer wickelt solche Zahlungen für Fluggesellschaften, Handelsfirmen und andere Branchen nicht immer direkt selbst, sondern auch über Partnerunternehmen ab.

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Wirecard erhebt Vorwürfe: Machte „Financial Times“ mit Investoren gemeinsame Sache?

Als einen wesentlichen Partner will die „FT“ Al Alam identifiziert haben. Der sei zumindest auf dem Papier so bedeutend gewesen, dass Wirecard über diesen Dritten 2016 die Hälfte aller konzernweiten Gewinne und 2017 ein Viertel aller Konzernumsätze sowie erneut mehr als die Hälfte aller operativen Profite vermittelt bekommen habe. Mit internen Wirecard-Dokumenten, E-Mails und Chatprotokollen will die „FT“ aber belegen können, dass über Al Alam vermittelte Transaktionen und damit große Teile des Wirecard-Geschäfts schlichtweg erfunden worden sind. All das „scheint auf Versuche hinzudeuten, Umsätze und Gewinne von Wirecard betrügerisch aufzublähen“, schreibt die „FT“.

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Das Blatt hat die angeblich 34 Firmenkunden von Al Alam kontaktiert. 15 davon wollen noch nie von Al Alam gehört haben. Nur sechs haben bestätigt, Wirecard-Kunden zu sein. Al Alam wolle unter anderem 2016 für einen Firmenkunden Umsätze vermittelt haben, der bereits 2012 liquidiert worden sei, sagt die „FT“. In einem anderen Fall seien Geschäfte für 2017 behauptet worden, obwohl die betreffende Firma nach eigenen Angaben Mitte 2016 die Zusammenarbeit mit Al Alam beendet habe.

Wurden Wirtschaftsprüfer in die Irre geleitet?

Geschäfte seien einfach erfunden und Scheinumsätze verbucht worden, folgert die „FT“. Auf diese Weise könnten auch die Wirecard-Wirtschaftsprüfer in die Irre geleitet worden sein. EY hat dieses Frühjahr nach einigem Zögern den Wirecard-Geschäftsbericht für das Jahr 2018 testiert.

Mit dem postwendenden Dementi von Wirecard zu den neuen Vorwürfen steht nun wie schon im Februar Wort gegen Wort. Wirecard und dessen Anleger stehen erneut vor unruhigen Zeiten.

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