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Pekings Fünfjahresplan: China ist weit mehr als die „Werkbank der Welt“

  • Die Kommunistische Partei arbeitet derzeit den neuen Fünfjahresplan der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aus.
  • Auf lange Sicht möchte die Volksrepublik China autarker werden.
  • Für ein weiteres Wachstum braucht es allerdings wichtige Reformen, kommentiert Fabian Kretschmer.
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Für China folgt der Moment der Wahrheit: Gestern hat die Führungselite der Kommunistischen Partei damit begonnen, den 14. Fünfjahresplan auszuarbeiten. Nun wird konkretisiert, welchen Kurs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einschlagen wird. Auch von der internationalen Gemeinschaft werden die Signale aus Peking mit großem Interesse verfolgt – schließlich ist die Weltordnung im Corona-Jahr in einem tiefgreifenden Umbruch.

China ist längst nicht mehr die „Werkbank der Welt“

Die Volksrepublik möchte sich unabhängiger vom Rest der Welt machen, ihre Wirtschaft stärker auf den heimischen Markt von 1,4 Milliarden Menschen fokussieren. China ist längst mehr als die „Werkbank der Welt“ mit günstigen Arbeitskräften. Stattdessen durchläuft China derzeit eine ähnliche Transformation zu einer Dienstleistungsgesellschaft, wie es andere Staaten bereits getan haben.

Deutsche Unternehmen, die unter allen europäischen Vertretern in China nach wie vor dominieren, müssen sich wohl oder übel an neue Spielregeln gewöhnen: Niemand zweifelt daran, dass China angesichts des sich verschärfenden Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten Ernst macht mit seinen Plänen, künftig autarker in den Bereichen Technologie und Forschung zu werden. Wenn etwa Konzerne wie Huawei und Tencent keine Computerchips und Halbleiter aus Amerika mehr kaufen dürfen, setzt China derzeit mit seiner staatlichen Hand sämtliche Hebel in Bewegung, um diese künftig selbst herstellen zu können.

Expertise aus Deutschland wird weiterhin in China gefragt sein

China reagiert mit seinem Fünfjahresplan vor allem auf die Entkoppelungsstrategie von US-Präsident Donald Trump, der mit Strafzöllen, Unterbrechungen von Lieferketten und Exportverboten die Volksrepublik in ihre wirtschaftlichen Schranken weisen möchte. Jener Konflikt wird weiterhin der bestimmende der nächsten Jahre sein – auch falls mit Joe Biden ein diplomatischerer Präsident ins Weiße Haus einziehen sollte. Die geopolitische Neuordnung bietet für europäische Unternehmen jedoch zumindest kurzfristig ungemeine Chancen. Chinas Staatsführung will dessen Öffnung für Investitionen aus dem Ausland vorantreiben und auch gegen den globalen Trend des Protektionismus vorgehen. Spezialbauteile und Expertise aus Deutschland werden also auch weiterhin gefragt sein.

In Peking rechnet man weiter mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als 6 Prozent. Dafür braucht es aber Reformen, die Parteichef Xi Jinping bislang nicht angestoßen hat: Der private Konsum hinkt aufgrund der hohen Sparquote und der zu niedrigen Einkommen der Bevölkerung noch immer hinter dem der meisten OECD-Nationen hinterher. Zudem wird die Volkswirtschaft nach wie vor von ineffizienten, bürokratisch aufgeladenen Staatsunternehmen dominiert. Der Fünfjahresplan könnte diese Missstände korrigieren.

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