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  • Neue Kfz-Versicherung: „Das diesjährige Wechselgeschäft wird spannend“

Kfz-Police: Nachholbedarf beim Versicherungswechsel

  • Im Herbst suchen viele Deutsche einen neuen Kfz-Versicherer.
  • Weil dies 2020 wegen Lockdowns nicht so leicht war, hat sich einiges aufgestaut.
  • Das könnte sich nun entladen.
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München. Für die nächsten Wochen erwartet Jörg Rheinländer einen lebhaften Wettbewerb. „Das diesjährige Wechselgeschäft wird spannend, es besteht Nachholbedarf“, sagt der Vorstand von Deutschlands größtem Kfz-Versicherer Huk-Coburg.

Voriges Jahr um diese Zeit haben hierzulande rund zwei Millionen Autohalterinnen und ‑halter ihre Kfz-Police gewechselt. Das war ein Zehntel weniger als 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie. Auch zunehmende Onlinegeschäfte konnten nicht ausgleichen, dass Maklerbüros und Zulassungsstellen lange geschlossen waren. Das hat auch den Versicherungswechsel gedämpft. Parallel kam der Markt in Bewegung, weil pandemiebedingt weniger mit dem Auto gefahren wurde. Die Folge waren weniger Versicherungsschäden. Einige Konzerne haben deshalb Beiträge zurückerstattet, andere die Prämien gesenkt.

Wie stark das Pandemie­geschehen die Kfz-Beiträge verfallen ließ, hat das Onlinevergleichs­portal Check 24 ermittelt. Stand Ende August lagen sie im Marktschnitt um 6 Prozent unter dem Vergleichsmonat 2019. Um bis zu 5 Prozent niedriger sieht das aktuelle Prämienniveau auch Rheinländer. Das könnte das Wechselgeschäft dieses Jahr in der Tat vor allem bei denen anheizen, die sich 2020 nicht nach einer günstigeren Police umgesehen haben.

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Erwartungen an neuerliche Vergünstigungen dämpft Rheinländer indes. „Eine neue Beitrags­rückerstattung für 2021 ist auch wegen der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unwahrscheinlich“, schätzt der Manager. So hätten sich die Kosten aus Elementarschäden bei der Huk schon nach neun Monaten dieses Jahres verglichen mit dem gesamten Vorjahr auf rund eine halbe Milliarde Euro verfünffacht.

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Auch beim größten Konkurrenten Allianz glaubt man deshalb nicht an eine neue Senkung des Prämienniveaus durch die Kfz-Versicherer. „Die bleiben ohne große Schwankungen ungefähr wie im Vorjahr“, vermutet der Chef der Allianz Versicherungs AG, Frank Sommerfeld. Klar ist aber auch, dass die Kfz-Prämien derzeit marktweit sinken. Das ist allerdings jedes Jahr um diese Jahreszeit so, bis sie kurz vor dem 30. November, dem allgemeinen Stichtag für einen Versicherungswechsel, ihren saisonalen Tiefpunkt erreichen und bald danach wieder spürbar ansteigen.

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Einigen Orientierungsbedarf dürften diesmal vor allem auch solche Wechsler haben, die auf ein Elektroauto umgestiegen sind, und das werden immer mehr. „Die Konditionen bei der Versicherung von Elektroautos sind am Markt noch sehr uneinheitlich“, räumt Rheinländer ein. Das gilt vor allem auch für Schäden an der sehr teuren Hochvoltbatterie.

Der Neupreis wird dort im Fall eines Totalschadens je nach Versicherer oft nur erstattet, wenn das Fahrzeug nicht älter als ein oder zwei Jahre ist. Nicht alle Anbieter verzichten auf eine zeitliche Beschränkung, was für Versicherte bedeuten kann, dass sie im Schadensfall auf hohen Kosten sitzen bleiben. Einen Gebrauchtmarkt für Hochvoltbatterien gibt es praktisch noch nicht, und neu kosten sie bis zu 20.000 Euro.

Rabatte für E‑Autos

Dennoch haben Versicherer erkannt, dass Elektroautos die Zukunft gehört. Deshalb werden die Versicherungs­prämien dafür rabattiert. Bei der Allianz sind es bis zu 20 Prozent, bei der Huk 10 Prozent. Das ist marktüblich und führt dazu, dass Elektroautos in der Kfz-Police bis zu ein Drittel billiger sind als vergleichbare Verbrenner­modelle, hat Check 24 ermittelt. Beim Vergleich von 28 Elektro- und Verbrennermodellen sei in 20 Fällen der Stromer günstiger gewesen. Allerdings versichert nur ein Drittel aller Kfz-Tarife die Hochvoltbatterie eines Elektroautos ausreichend mit, warnen die Experten des Vergleichsportals.

Noch größere Veränderungen in der Kfz-Versicherung dürften autonom fahrende Autos bringen. „Autos mit Assistenzsystemen haben im Schnitt ein Fünftel weniger Schadenaufkommen“, sagt Rheinländer. Konkurrent Allianz sieht deshalb eine technikbasierte Autoversicherung kommen. Mit zunehmender Automatisierung würden bisherige Versicherungs­merkmale wie Typklasse, Fahrleistung oder persönliche Daten des Halters gegenüber moderner Sicherheitstechnik im Auto in den Hintergrund treten.

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„Wir werden bald mehr und mehr Computerfahrer mit geringer Fahrerfahrung auf unseren Straßen sehen“, sagt Klaus Peter Röhler, Chef der Allianz Deutschland. Sein Konzern werde diese Roboter am Steuer erst einmal wie einen autonomen Fahranfänger einstufen und sehen, wie sie sich in der Praxis schlagen. Auch Technik muss sich einen Schadensfreiheits­rabatt erst einmal erfahren.

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