Nervöser Stillstand in Spanien – Kommt der Tourismus wieder in Schwung?

  • Spanien ist von der Covid-19-Krise doppelt hart getroffen.
  • Mit außergewöhnlich hohen Fallzahlen – und einer besonders sensiblen Industrie, dem Tourismus.
  • Lobbyverbände schätzten den Kreditbedarf auf über 400 Millionen Euro, um das Sorgenkind der EU zu retten.
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Madrid. “Die Hotels können zurzeit nicht arbeiten”, sagt Jorge Marichal, “es ist unmöglich.” Die Worte des Präsidenten des spanischen Hotelverbandes Cehat im Gespräch mit der Netzzeitung El Confidencial geben die Lage der Dinge ganz gut wieder. Der Tourismus steht seit zwei Monaten still, seit der Ausrufung des Alarmzustandes wegen der Covid-19-Epidemie am 14. März.

Für Spanien ist das eine besondere Katastrophe. Das Land lebt vom Tourismus, es ist – vor dem Autobau – seine größte Industrie, die 12,3 Prozent zum BIP beiträgt und 12,7 Prozent zur Beschäftigung. Deswegen gehört Spanien zu den besonderen Sorgenkindern der EU-Kommission in dieser Krise. Sie rechnet für das Land im laufenden Jahr mit einem Einbruch des BIP um 9,4 Prozent. Der EU-Finanzkommissar Paolo Gentiloni meinte bei Bekanntgabe dieser Zahlen vergangene Woche: “Es ist nicht üblich, dass die Europäische Union die Staaten zum Ausgeben auffordert, aber die Folgen des Nichteingreifens wären schlimmer als Defizit und Schulden.”

Kreditbedarf wird auf 40 Milliarden Euro geschätzt

Spaniens Tourismusindustrie liegt am Boden, und der Staat greift ein. 400 Millionen Euro Kredit, zu 60 bis 80 Prozent staatlich verbürgt, stellte die Regierung den Unternehmen der Branche noch zwei Tage vor der Ausrufung des Alarmzustandes in Aussicht. Der Lobbyverband Exceltur setzt den Kreditbedarf in einem Ende April veröffentlichten Papier höher an: mit dem Hundertfachen, 40 Milliarden Euro. Noch traut sich die Regierung nicht, die ganz großen Finanzwaffen herauszuholen, zumal ihr eine solide Mehrheit im Parlament fehlt. Neben den bescheidenen Kreditbürgschaften bietet sie als zweite große Staatshilfe das Kurzarbeitergeld für die Millionen Beschäftigten an, die jetzt zu Hause bleiben müssen, aber gebraucht werden, sobald der Tourismus wieder in Schwung kommt.

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Hotels dürfen wieder öffnen – Gäste fehlen

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Wann er das tun wird, ist Glaubenssache. Die Lockerung der Totalquarantäne hat gerade begonnen, im halben Land dürfen seit diesem Montag Straßencafés und Hotels öffnen – allein es fehlen die Gäste. Reisen über die Provinzgrenzen hinweg sind grundsätzlich noch nicht möglich, Reisen aus dem Ausland sowieso nicht. Im vergangenen Jahr kamen 83,7 Millionen ausländische Besucher nach Spanien, so viele wie noch nie, 11,2 Millionen von ihnen waren Deutsche.

Ab Juni will die Lufthansa wieder nach Mallorca fliegen, wo das Virus eher wenig gewütet hat. Aber alle Pläne für eine langsame Öffnung der inneren und äußeren Grenzen werden hinfällig, wenn die Infiziertenzahlen in Europa wieder steigen sollten. Wie lange der Stillstand noch anhält, ist nicht absehbar.

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