Grüne Geldanlage hat keine Erfolgsgarantie

  • Das Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten ist stark gestiegen.
  • Doch viele Sparer sehen bei den Risiken nicht genau genug hin.
  • In den vergangenen zehn Jahren verloren Anleger Milliarden mit Ökoinvestments.
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München. Grüne Anlagen sind in Mode gekommen. Das hat allerdings auch viele zweifelhafte Anbieter auf den Plan gerufen. Magdalena Senn macht die Schadensbilanz der vergangenen zehn Jahre auf: „Knapp zwei Milliarden Euro Verluste auf dem grauen Kapitalmarkt allein mit Ökoinvestments – zu viele Anbieter nutzen ökologisches Anlegerbewusstsein perfide aus“, sagt die Referentin Nachhaltige Finanzmärkte der Verbraucherschutzorganisation Finanzwende.

Viele Problemfälle noch in der Pipeline

Der Verein hat als ökologisch angepriesene Anlagen unter die Lupe genommen, mit denen gutmeinende Anlegerinnen und Anleger in Deutschland zuletzt auf die Nase gefallen sind. Allein bei den größten Fällen ist eine Milliardensumme zusammengekommen. Senn spricht von einer konservativen Schätzung: Bei einigen Fällen stehe der Schaden noch nicht zur Gänze fest und andere große Problemfälle seien noch in der Pipeline.

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Prokon kostete die Anleger 600 Millionen

Größter Einzelfall bislang ist der Windkraftanlagen-Investor Prokon, wo Anlegerinnen und Anleger rund 600 Millionen Euro verloren haben. Danach kommt die aktuelle Pleite von Gesellschaften der Nürnberger UDI-Gruppe, wo Anfang November erste Gläubiger­versammlungen anstehen. Hier geht es um schätzungsweise 150 Millionen Euro, die vorwiegend für ostdeutsche Biogasanlagen eingesammelt wurden.

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Manches sei anfangs gut gemeint gewesen, dann aber aus dem Ruder gelaufen, wie das bei Kapitalanlagen immer wieder vorkomme, sagt Senn. Andere Flops waren Folge von Managementfehlern. Und dann gebe es noch Kriminalfälle wie beim Windparkentwickler Windreich. Dort sind rund 100 Millionen Euro weg und Verantwortliche zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Bei UDI sieht Finanzwende bislang keine Hinweise für kriminelles Zutun, Betroffene sehen das aber teils anders. Der UDI-Insolvenzverwalter will sich noch auf kein abschließendes Urteil einlassen.

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Vorsicht bei hohen Renditeversprechen

Senn fürchtet, dass oft auch die Anlegerinnen und Anleger selbst zu sorglos sind. „Viele Menschen lassen sich durch ökologische Versprechen täuschen und sehen dann beim Finanziellen nicht so genau hin“, vermutet die Verbraucherschützerin. Hinzu kämen teils sehr hohe Renditeversprechen von bis zu 11 Prozent jährlich, die Gier wecken. Aber gerade dann sei besondere Vorsicht angebracht. Manchem Investment werde auch nur ein grünes Mäntelchen umgehängt, um gezielt wohlmeinende und gutgläubige Klientel anzusprechen.

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Um das zu verhindern, hat der Gesetzgeber vor kurzem sogenannte Blind-Pools verboten. Das heißt, dass Anbieter künftig ein konkretes Anlageprojekt benennen müssen, wenn sie bei Anlegern um grüne Geldanlagen werben. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, war es aber lange nicht. Nun wissen Anleger zumindest, wo ihr Geld angelegt ist, und können selbst beurteilen, ob sie damit einverstanden sind.

Schärferes Gesetz genügt noch nicht

Aber auch diese Gesetzesverschärfung könne nur ein erster Schritt sein, findet Senn. Ein anderes Beispiel findet sie bei der UDI-Gruppe, die ihre Investmentprojekte mit dem Titel Festzins versehen habe. Das klinge für Anleger wie eine sichere Sache, „aber es waren hochriskante Nachrangdarlehen, wo bei einer Schieflage alles Geld weg sein kann“. Wer in Nachrangdarlehen investiert hat, kommt bei einer Pleite als Gläubiger erst ganz am Ende dran und sieht dann oft nichts. Insbesondere müsse die Finanzaufsicht Bafin darauf achten, dass Anleger nicht über den Tisch gezogen werden, fordert Senn.

Die Finanzaufsicht hat Nachholbedarf

In jüngerer Vergangenheit hat sich die Aufsicht nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Kontrolle des sogenannten Grauen Markts ging. Grau heißt dieses Segment, weil relativ wenig gesetzlich geregelt ist und sich manches in einer Grauzone abspielt. Nun ist eine Bafin-Reform auf den Weg gebracht, die auch für mehr Anlegerschutz sorgen soll. Bei UDI ist es auch dem Eingreifen der Bafin zu verdanken, dass nicht noch mehr Anlegergeld die Vernichtung droht. Das seien positive Signale, sagt Senn.

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„Wenn mit grünen Investments gehäuft Schindluder getrieben wird, schadet das dem gesamten Markt für nachhaltige Anlagen“, warnt sie. Doch der brauche dringend Kapital, um eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft zu stützen. „Wer aber einmal viel verloren hat, lässt dann in der Regel die Finger davon“, sagt die Expertin und fürchtet anhaltenden Vertrauensverlust gerade bei ökologisch orientierten Anlegergruppen.

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