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Nachhaltig wirtschaften: Wie sich das Topmanagement in der Corona-Krise verändert

  • Die Corona-Krise zeigt, dass es im Topmanagement einige Veränderungen braucht, mein Kerstin Lopatta in einem Gastkommentar der Serie „Wie wollen wir leben?“.
  • Sie ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an der Universität Hamburg
  • Noch müssen Unternehmen ihren Einfluss auf die Umwelt nicht offenlegen – in Zukunft werde das laut Lopatta aber immer mehr der Fall sein.
Kerstin Lopatta
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Corona hat tiefe Einschnitte in der globalen Wirtschaft hinlassen. Obwohl in Deutschland aufgrund zahlreicher unterstützender Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld oder Konjunkturprogramme die Erholung schneller abläuft als in anderen Regionen der Welt, werden auch hier disruptive Veränderungen unternehmerischen Handelns konzipiert und umgesetzt.

Empirische Ergebnisse zeigen, dass jene Unternehmen gut durch die Krise gekommen sind, die sich durch hohe Innovationen auszeichnen. Daher wird es auch künftig eine Balance aus Flexibilisierung zur Förderung von Innovationen und struktureller Kontinuität geben müssen.

Kerstin Lopatta ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an der Universität Hamburg. © Quelle: Privat
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Die abrupte Veränderung von Arbeitsabläufen durch Homeoffice stellt einige grundsätzliche Gewohnheiten infrage. Hierarchische und strukturelle Prozesse stellen Artefakte dar, die durch Corona offengelegt wurden. Die Konsequenzen hieraus sind nicht nur neue Abläufe in Unternehmen, sondern auch massive externe Effekte, wie etwa der geringe Bedarf an Büroimmobilien, aber auch geringe Reisetätigkeit.

Komplexe Lieferketten

Ein weiterer kurzfristiger Effekt mit langfristigen Auswirkungen zeigt sich in den globalen Lieferketten. Deren Komplexität hat sie aufgrund des Zusammenbruchs der globalen Transportwege besonders anfällig gemacht. Hier werden zur Zeit Alternativen geprüft, die Wertschöpfungstiefe der Unternehmen wieder zu erhöhen und damit die Abhängigkeit von Lieferanten zu verringern.

Allerdings wird auch dieses ein Aushandlungsprozess sein müssen, denn gerade Länder, die häufig Zulieferer deutscher Unternehmen sind, würden unter einer Reduzierung der dortigen Produktion besonders leiden, was die Armut noch erhöhen würde. Grundsätzlich zeichnet sich ab, dass es im Topmanagement der Unternehmen eine veränderte Wahrnehmung für die gesellschaftliche Relevanz und die Verantwortung des eigenen Handelns gibt.

Untersuchungen des World Economic Forums unter Topmanagern zeigen bereits heute, dass Umweltrisiken für sie die Top 5 der wahrscheinlichsten Risiken sind. Durch Corona wird sich diese Einschätzung noch festigen. Es bedeutet auch, dass sich alle Topmanager der Wirkung der eigenen Tätigkeit auf die Gesellschaft noch bewusster werden müssen.

Einfluss auf die Umwelt vergleichen

Dass es diese Effekte gibt, ist allen klar, wie diese Effekte ausgestaltet und gemessen werden können, bleibt aber häufig im Dunkeln. Gerade die Messung dieser Wirkung steht im Mittelpunkt der zahlreichen Reformen der Unternehmensberichterstattung. Es geht darum, sogenannte nicht finanzielle Informationen verpflichtend offenzulegen. Bisher ist dieses nur für große, kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen verpflichtend, wobei kein einheitlicher Standard besteht und die Vergleichbarkeit somit sehr eingeschränkt ist.

Derzeit werden Maße und Standards dafür entwickelt, wie diese Wirkung gemessen und vereinheitlicht werden kann. Wir werden in Zukunft sehr viel besser sehen, welche positiven und negativen Beiträge Unternehmen zu Umweltzielen leisten. Hieran können wir unser eigenes Konsum- und Anlageverhalten ausrichten und so eigene Schlüsse aus der Pandemie ziehen.

In unserer Serie „Wie wollen wir leben?“ stellen wir Ihnen vom 7. bis zum 14. November Ideen für eine nachhaltige Welt vor.

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