Nach Paudar-Start bei Netto: Die Löwenhöhle ist kein Erfolgsgarant

  • Bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ hat am Dienstag das Bratpulver-Start-up Paudar gepunktet.
  • Seit heute ist das pflanzliche Bratpulver auch bei Netto erhältlich.
  • Für Gründer lohnen sich derartige Auftritte, sie bergen aber auch Risiken.
|
Anzeige
Anzeige

Köln. Am Dienstagabend war es für die Paudar-Gründer so weit: Das pflanzliche Bratpulver, an dem sie eigenen Angaben zufolge anderthalb Jahre getüftelt haben, kam ins Fernsehen. Bei der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ buhlten die Jungunternehmer Deniz Schöne und Johannes Schmidt um die Gunst der Investoren um Carsten Maschmeyer.

Sie hatten Erfolg: Paudar, ein pflanzliches Bratpulver mit geringem Fettanteil, beeindruckte die Löwen derart, dass sie sich einen regelrechten Bieterwettstreit lieferten. Am Ende erhielt Investor Ralf Dümmer den Zuschlag. Er stieg mit 200.000 Euro ein und erwarb eine 20-prozentige Beteiligung. Doch genauso ausschlaggebend wie das Geld dürfte das „Rundum-sorglos-Paket“ gewesen sein, das Dümmer den Jungunternehmern versprach.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das Versprechen hat er offenbar gehalten: Am Mittwochmorgen verkündete der Discounter Netto den Verkaufsstart von Paudar. „Netto ist dafür der ideale Partner“, so Dümmer. Schließlich hätten die Gründer nun die Chance, wöchentlich 21 Millionen Verbraucher von ihrem Produkt zu überzeugen.

Und auch für Netto dürfte der Deal nicht schlecht sein: Immerhin bis zu 3,15 Millionen Zuschauer schauten nach Angaben von Vox am Dienstagabend „DHDL“ – und kennen nun das neue Produkt. Branchenkenner schätzen, dass ein zehnminütiger Fernsehauftritt mit vergleichbar vielen Zuschauern üblicherweise eine sechs- bis siebenstellige Summe kostet.

Fast in die Insolvenz geschlittert

Die Gründer von Paudar sind nicht das erste Start-up, das sich vom Auftritt bei „DHDL“ neben Investorengeldern auch einen PR-Schub erhofft hat. Doch das ist nicht immer gut gegangen: Zwei Gründerinnen aus Hannover sind im vergangenen Jahr beinahe in die Insolvenz geschlittert, als die „DHDL“-Produktionsfirma Sony Pictures kurzfristig ihren Auftritt aus der Sendung strich.

Anzeige

„Das kann nicht wahr sein“, sei damals ihr erster Gedanken gewesen, schildert Jungunternehmerin Vázquez Bea. Sie und ihre Partnerin Annette Rieger hatten zwei Jahre zuvor begonnen, Lebkuchen mit edlen Zutaten und stylischen Verpackungen herzustellen und zu verkaufen. Dann bewarben sie sich bei „DHDL“, traten im Studio auf. Zwar stieg keiner der Investoren ein, aber den PR-Effekt glaubten die Gründerinnen mit der Ausstrahlung trotzdem zu bekommen – und produzierten für den Tag danach sicherheitshalber 35000 Schachteln Lebkuchen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte

Anzeige

Dementsprechend groß war der Schock, als ihr Unternehmen doch nicht im Fernsehen zu sehen war. Am Ende hätten sie die Hälfte des Lebkuchens weggeworfen, schildern die beiden Gründerinnen.

Bei TV-Shows will sich das Duo nicht mehr bewerben – obwohl ihnen das Risiko hätte bewusst sein können. Die Produktionsfirma behält sich in ihren Verträgen vor, auch kurzfristig Beiträge aus der Sendung zu streichen. Vox und Sony Pictures betonen außerdem, vor der Show mit den Teilnehmern offen über diese „TV-Gepflogenheit“ zu sprechen.

Auch das Start-up Studyflix war davon eigenen Angaben zufolge betroffen. „So kurzfristig bei ‚DHDL‘ nicht ausgestrahlt zu werden war zunächst ein Rückschlag für uns.“ so Reinhard Blech, einer der Gründer. Doch offenbar geht es auch ohne den Gratis-Fernsehauftritt. Die Gründer der Lernplattform berichten, im Vergleich zum Vorjahr Umsatz und Zahl verdoppelt zu haben – was längst nicht alle ‚DHDL‘-Kandidaten aus der vergangenen Staffel von sich behaupten können.

Kritik von Verbraucherschützern

In der Vergangenheit hatten auch Verbraucherschützer die „Höhle der Löwen“ im Visier. Einerseits hielten laut der Verbraucherzentrale NRW längst nicht alle Produkte, was sie versprechen. Und andererseits seien die Waren kurz nach der Ausstrahlung oft teuer, wenig später folge ein Preissturz.