Nach historischem Absturz: Preis für US-Öl steigt wieder leicht an

  • Der Ausnahmezustand am Ölmarkt zeigt, wie stark Angebot und Nachfrage derzeit auseinanderklaffen.
  • Am US-Ölmarkt zeichnet sich am Dienstag im frühen Handel nach dem historischen Verfall eines Terminkontrakts eine Beruhigung ab.
  • Die Trump-Regierung will nun den extrem niedrigen Ölpreis für sich nutzen.
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Singapur. Am US-Ölmarkt zeichnet sich nach dem historischen Verfall eines Terminkontrakts und allgemein hohen Verlusten zum Wochenauftakt eine Beruhigung ab. So zog der Preis für amerikanisches Leichtöl (WTI) zur Auslieferung im Juni in den frühen Handelsstunden am Dienstag um 75 Cent oder knapp vier Prozent auf 21,18 Dollar an, nachdem er am Vortag noch um fast ein Fünftel gefallen war.

Auch der Mai-Terminkontrakt, der am Dienstag ausläuft und am Montag bis auf minus 40,32 Dollar gefallen war, drehte zumindest wieder ins Plus und kostete zuletzt etwas mehr als einen Dollar. Erstmals seit Aufnahme des Future-Handels im Jahr 1983 hatten am Montag Käufer bei der Abnahme von Öl Geld erhalten. Zudem war der Preisunterschied zwischen zwei aufeinanderfolgende Terminkontrakte noch nie so hoch.

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US-Ölpreis erstmals im Minus
1:23 min
Die Coronapandemie hat massive Auswirkungen auf den Ölpreis in den USA. Erstmals in der Geschichte ist der Ölpreis im Minus.  © Reuters
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Den Turbulenzen am US-Ölmarkt konnte sich auch der Handel mit der Nordseesorte Brent nicht entziehen - hier hatte der Wechsel von den Mai- auf den Juni-Kontrakt schon vor einiger Zeit stattgefunden. Dieser verlor am Montag 2,51 Dollar oder knapp neun Prozent auf 25,57 Dollar und gab am Dienstag in den ersten Handelsstunden leicht nach.

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Der Ausnahmezustand am Ölmarkt zeigt einerseits, wie stark Angebot und Nachfrage derzeit auseinanderklaffen. Die Corona-Pandemie legt die ohnehin schon in billigem Öl schwimmende US-Wirtschaft lahm - der Bedarf an dem Rohstoff sinkt dadurch kräftig. Andererseits handelt es sich auch um ein spezielles Phänomen, bedingt durch den am Dienstag verfallenden Terminkontrakt auf US-Öl:

US-Regierung will ihre strategischen Reserven auffüllen

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Bei solchen Verträgen verpflichtet sich der Verkäufer, eine Menge Öl zu einem festen Preis und Termin zu liefern. Doch Verwendung für den Rohstoff haben viele am Finanzmarkt gar nicht, sie spekulieren nur auf Preisschwankungen - und mussten zum Kontraktende diesmal teuer dafür bezahlen.

Die US-Regierung will nun den extrem niedrigen Ölpreis nutzen, um ihre strategischen Reserven aufzufüllen. Es sei geplant, bis zu 75 Millionen Fässer Rohöl zu kaufen, sagte US-Präsident Donald Trump am Montagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Er werde den Kongress um die nötigen Mittel bitten, damit sich die Regierung den “Niedrigpreis-Rekord” am Ölmarkt zunutze machen könne, sagte er. “Es ist eine tolle Zeit, Öl zu kaufen”, sagte der Präsident. Dem jüngsten Jahresbericht zufolge kann die strategische US-Ölreserve rund 700 Millionen Barrel Rohöl fassen.

Trump zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass der Ölpreis schon bald wieder bei etwa 25 bis 28 US-Dollar (etwa 23 bis 26 Euro) pro Barrel stehen würde. Das Abrutschen in den negativen Bereich sei vor allem ein Effekt von Transaktionen am Finanzmarkt, sagte Trump.

RND/dpa

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