Nach „Ever Given“-Unglück: Ägypten gibt Suezkanal-Ausbau bekannt

  • Noch immer liegt das Containerschiff „Ever Given“ nach der tagelangen Blockade des Suezkanals beschlagnahmt in Ägypten.
  • Die Kanalbehörde fordert 742 Millionen Euro Schadenersatz vom japanischen Eigentümer des Schiffs.
  • Währenddessen plant das Land den Ausbau des Kanals: Er soll breiter und tiefer werden.
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Kairo. Nach der tagelangen Blockade des Suezkanals durch ein havariertes Frachtschiff Ende März hat Ägypten einen Ausbau des südlichen Kanalabschnitts angekündigt. Der Kanal solle dort verbreitert und vertieft werden, sagte der Leiter der Kanalbehörde, Osama Rabie am Dienstag während einer Zeremonie in Ismailia, an der Präsident Abdel-Fattah al-Sisi und ranghohe Regierungsmitglieder teilnahmen.

Der Plan sieht vor, den Kanal an seinem südlichen Ende um etwa 40 Meter nach Osten zu verbreitern, auf der Seite der Halbinsel Sinai, wie Rabei erklärte. Der 30 Kilometer lange Abschnitt werde außerdem von derzeit 20 Metern auf 22 Meter vertieft. Eine 2015 eröffnete zweite Fahrrinne soll um zehn Kilometer verlängert werden. Dann könnten Schiffe auf dem Kanal auf einer Strecke von 82 Kilometern gleichzeitig in beide Richtungen fahren.

Nach Blockade: Die „Ever Given“ liegt derzeit noch beschlagnahmt in Ägypten

Das Containerschiff „Ever Given“ war im März im Suezkanal auf Grund gelaufen und hatte eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt fast eine Woche lang blockiert. Viele Frachter mussten tagelang warten oder einen gewaltigen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen.

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Die „Ever Given“ liegt noch immer in Ägypten. Rabie sagte, der rund 400 Meter lange Frachter sei jetzt offiziell beschlagnahmt und dürfe das Land nicht verlassen, bis die Schadenersatzansprüche mit dem japanischen Eigentümer geklärt sind. Die Schuld für die Havarie liege „natürlich“ beim Eigentümer, mit dem verhandelt werde. „Die wollen gar nichts zahlen“, kritisierte Rabie. Der Eigentümer Shoei Kisen Kaisha äußerte sich zunächst nicht.

Kanalbehörde fordert 742 Millionen Euro für Havarie – komplizierter Rechtsstreit droht

Ein Rechtsvertreter der Kanalbehörde bezifferte die Forderung auf umgerechnet mindestens 742 Millionen Euro. Er sagte, ein Gericht in Ismailia habe die Beschlagnahme der „Ever Given“ verfügt und ein Ermittlungsverfahren zur Unglücksursache eröffnet. Die Schadenersatzforderung bezieht sich auf die Bergungskosten und während der Blockade ausgebliebene Gebühren für die Kanaldurchfahrt. Das Schiff hatte Güter im Wert von rund 2,9 Milliarden Euro geladen. Ein Rechtsstreit könnte kompliziert werden, denn der Frachter gehört einer japanischen Firma, wird von einer taiwanischen Spedition betrieben und fährt unter panamaischer Flagge.

RND/AP

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