Nach der US-Wahl: Keine Panik an den Finanzmärkten

  • Bei einem unklaren Wahlausgang in den USA waren heftige Schwankungen an den Börsen erwartet worden.
  • Doch davon ist bis jetzt nicht viel zu spüren.
  • Die Finanzmärkte hätten nichts gegen eine weitere Amtszeit von Donald Trump. Denn der hat weitere Deregulierungen und Steuersenkungen für die Wirtschaft angekündigt.
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Die vielfach beschworene „blaue Welle“ ist bei den US-Präsidentschaftswahlen ausgeblieben. Gemeint ist ein Erdrutschsieg der Demokraten. Die Akteure an den Finanzmärkten erwarten nun Stagnation in der Wirtschaftspolitik und eine Fortführung des Status quo. Darin steckt auch eine positive Nachricht: Von der vielfach erwarteten Panik unter Börsianern bei einem unklaren Ausgang des Urnengangs war am Mittwoch nichts zu spüren.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte ähnlich wie zahlreiche andere wichtige Börsenbarometer mit einigen Schwankungen zunächst zögerlich, dann aber kräftiger zu. Bis zum Nachmittag notierte der Dax mit 1,4 Prozent im Plus, nachdem er bereits am Tag zuvor deutlich gestiegen war. An der New Yorker Börse startete der Dow-Jones-Index mit den US-Standardwerten ebenfalls im Plus.

Heftige Abschläge bei erneuerbaren Energien

In den USA und in Europa gab es aber bei Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien heftige Abschläge. Beobachter erklärten das damit, dass Investoren zuvor auf einen klaren Sieg von Joe Biden und seine Demokraten gesetzt hatten – der Kandidat hatte sich im Wahlkampf immer wieder für einen massiven Ausbau der regenerativen Energieerzeugung starkgemacht. Das ist nun in weite Ferne gerückt. Entsprechend gingen die Ölpreise deutlich nach oben. Trump hat sich in seiner ersten Amtszeit als großer Freund der fossilen Energien profiliert und unter anderem dafür gesorgt, dass Abgasvorschriften für Autos gelockert wurden.

Nun hat der Amtsinhaber beim Urnengang besser als erwartet abgeschnitten. Dass Biden als Präsident und mit einer demokratischen Mehrheit im Senat durchregieren kann, wurde man Mittwoch von vielen Experten als äußerst unwahrscheinlich beschrieben. „Einen Neuanfang wird es demnach nicht geben, was große Teile der US-Wirtschaft und Anleger freuen dürfte“, sagte Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Fondsgesellschaft DWS. Nach seiner Ansicht wird es „im Wesentlichen auf eine Fortsetzung des Status quo hinauslaufen“. Das bedeute auch keine Rücknahme von Trumps Steuerreform, die US-Unternehmen hohe Zusatzgewinne beschert hatte.

Für Trump ist die Stimmung an der Börse ein Kriterium

Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, betonte: Die Finanzmärkte könnten mit einer zweiten Amtszeit Trumps, „in der weitere Deregulierungen und Steuersenkungen für die Wirtschaft geplant sind, gut leben“. Trump wird nachgesagt, dass eine gute Stimmung an den Börsen für ihn ein wichtiges Kriterium beim Regierungshandeln ist. Allerdings warnt Kreuzkamp auch, dass gerade ein „Weiter so“ mittelfristig für die Aktienmärkte eine Belastung werden könnte: „Die Phantasie für Veränderungen könnte schwinden.“

Unsicherheit ist Gift für die Aktienmärkte

Derweil bereiten zwei Szenarien vielen Investoren auf kurze Frist arge Kopfschmerzen. Erstens: eine angefochtene Wahl, die wochenlange Unsicherheit über die künftige Regierung bringen kann. Immerhin hat Trump bereits angekündigt, zwecks Anfechtung der Auszählung vors Oberste Gericht zu ziehen. Heftige Berg-und-Tal-Fahrten an den Aktienmärkten könnten in den nächsten Wochen die Folge sein.

Zweitens: eine sogenannte geteilte Regierung. Also ein Präsident – gleichgültig ob Biden oder Trump –, der im Kongress mit seinen beiden Kammern (Senat und Repräsentantenhaus) keine Mehrheit hat. Dies sei derzeit das wahrscheinlichste Szenario, sagte am Mittwochnachmittag der Aktienstratege Peter McCallum der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Eine geteilte Regierung könnte zu partiellen Lähmungen bei wichtigen Entscheidungen wie einem weiteren Corona-Hilfsprogramm führen, zumal Demokraten und Republikaner heftig verfeindet sind. Oder Anfang nächsten Jahres wird ein Paket für die Wirtschaft gepackt, das erheblich kleiner als die 2 Billionen Dollar ausfällt, die viele Analysten erwartet haben.

Mit Trump sind niedrige Zinsen sicher

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Trump und seine Partei sind bei staatlichen Hilfen prinzipiell zurückhaltend. Stattdessen setzen sie auf geldpolitische Stimuli der Notenbank Fed. Der Präsident hatte sie in den vergangenen vier Jahren mehrfach zu expansiveren Schritten aufgefordert. So betont auch Kreuzkamp: „Allein das Niedrigzinsumfeld scheint weiter sicher zu sein.“

Das Schwanken zwischen Hoffen und Bangen äußerte sich am Mittwoch auch in einem stärkeren Dollar, der von Investoren in stürmischen Zeiten immer als sicherer Hafen genutzt wird. Die gleiche Funktion haben Staatsanleihen. Der Kurs des deutschen Papiers mit zehn Jahren Laufzeit, es gilt weltweit als Maßstab, legte spürbar zu, was dazu führte, dass seine Rendite am Mittwoch bis auf fast minus 0,7 Prozent herunterging. Das war der niedrigste Wert seit dem Corona-Schock Anfang März.

Handelskrieg könnte ein Thema bleiben

Bei alldem spielten auch Mutmaßungen über die künftige Handelspolitik eine Rolle. Sollte Trump im Amt bleiben, rechnet Kreuzkamp damit, dass „schwelende Konflikte an Schärfe gewinnen, etwa mit China“. Und auch für Kater ist klar, „Themen wie Handelskrieg und Geopolitik“ werden für die Finanzmärkte bald wieder an Bedeutung gewinnen. Schon gestern lagen die hiesigen Autowerte zeitweise am unteren Ende des Dax. Trump hatte in seiner ersten Amtszeit immer wieder mit Strafzöllen für Pkw aus Europa gedroht.

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