MV-Werften und Genting Hongkong: Es endete im Desaster

  • Die Insolvenz der MV-Werften wirkt sich auch auf Ostasien aus.
  • Die Aktien des vorherigen Eigentümers Genting sind eingebrochen.
  • Der große Traum vom Schiffbau für den asiatischen Markt wurde von der Corona-Pandemie durchkreuzt.
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Peking. Nun setzt sich die Tragödie rund um die insolventen MV-Werften auch in Ostasien fort: Zunächst waren die Aktien des vorherigen Eigentümers Genting ausgesetzt, am Donnerstag folgte dann der tiefe Fall. Allein bis zur Mittagsstunde brachen die Kurse um gut 50 Prozent ein. Es ist der spektakuläre Widerhall eines spektakulären Bankrotts.

Ein Rückblick: 2016 kaufte Genting die Werften mit großen Plänen und Ambitionen. Der malaysische Casino-Magnat und Milliardär Lim Kok Thay sorgten für die nötige finanzielle Potenz. Riesige Kreuzfahrt­schiffe sollten gebaut werden, Luxusliner für die rasant wachsende Oberschicht des asiatischen Marktes.

Die Reise mit dem neuen Investor ging zunächst auch viel versprechend los: Den Vertrag für den Bau von zehn Schiffen führte Lim Kok Thay bei seinem Antrittsbesuch in Wismar bereits mit. Und die Wachstums­aussichten sahen zunächst blendend aus: Allein in China, einem der Hauptmärkte, kommen jedes Jahr mehrere Millionen Menschen zur Mittelschicht hinzu. Und doch endete die Kooperation zwischen Wismar und Hongkong unlängst im Desaster.

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Am Montag folgte der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Schwerin, und auch die Bremerhavener Lloyd-Werft – ebenfalls in Genting-Besitz – ereilte das gleiche Schicksal. Die Bundes­regierung hatte lange um die knapp 2000 Arbeitsplätze gerungen, sie wollte mit der vergleichs­weise hohen Summe von 600 Millionen Euro aushelfen.

Schuldfrage ist für Bundesregierung klar

Doch schlussendlich blockte der Eigentümer aus Hongkong, der kein klares Bekenntnis abgab: Nur 60 Millionen Euro hätte Genting auf den Tisch legen müssen. Offenbar glaubte das Unternehmen jedoch selbst nicht mehr an die Zukunft der Schiffbauer aus Deutschland. Für die Bundes­regierung ist die Schuldfrage klar.

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Doch ob den Ostasiaten ein moralischer Vorwurf zu machen ist, lässt sich nur schwerlich beantworten. Denn zum einen hat Genting seit der Pandemie mit enormen Verlusten zu kämpfen, allein 2020 waren es über 1,7 Milliarden US-Dollar. Zudem galt der Eigentümer lange Zeit als geradezu vorbildlich. Die deutschen Gewerkschafts­bünde zeigten sich weitgehend über die Investitions­summen von Genting für die struktur­schwache Region in Mecklenburg-Vorpommern begeistert. Das Unternehmen sicherte Arbeitsplätze, die sonst wohl verloren gegangen wären.

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MV-Werften melden Insolvenz an
1:52 min
Die Unternehmensgruppe MV-Werften, mit zuletzt knapp 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hat am Montag Insolvenz angemeldet.  © Reuters
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Genting ist in der Tat ein außergewöhnliches Unternehmen. Gegründet wurde es 1937 von einem chinesischen Flüchtling, der während der japanischen Invasion nach Malaysia auswanderte. Nur eine Generation später unterhält Genting das weltweit größte Resorthotel der Welt, betreibt riesige Palmöl­plantagen, eröffnet Casinos und baut vor allem zahlreiche Kreuzfahrt­schiffe. Doch diese werden in Zeiten der Pandemie natürlich kaum benötigt.

Gerade Hongkong, wo die Hauptzentrale Gentings ist, gilt derzeit mit seinen Quarantäne­regeln als eines der abgeschirmtesten Gebiete überhaupt. Wer möchte schon reisen, wenn man bei der Ankunft zurück in der Heimat erst einmal drei Wochen in zentralisierte Isolation muss? Dementsprechend folgte bei den Werften in Ostdeutschland ein starker Fall mit hartem Aufprall.

Ausstehende Löhne sollen ausgezahlt werden

Die ausstehenden Löhne der Belegschaft von 1900 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sollen am Montag ausgezahlt werden. Und das allerletzte Kapitel ist in der bislang tragischen Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben: Laut Minister­präsidentin Manuela Schwesig werde man an dem Ziel festhalten, die zu drei Vierteln fertig­gestellte „Global Dream“ zu Ende zu bauen. Sie wäre mit 9500 Passagieren das weltweit größte Kreuzfahrt­schiff.

Doch ob diese angesichts von Omikron und dem globalen Klimawandel tatsächlich benötigt wird, steht bislang in den Sternen. Vor allem gibt es derzeit wohl nur wenige Unternehmen, die das nötige Kleingeld für das in Wismar in der Werft stehende Schiff besitzen.

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