Munich Re rechnet mit steigenden Prämien und mehr Cyberpolicen

Das Schwergewicht Munich Re musste wegen der Pandemie ein Branchen-Treffen absagen, was für sich schon richtungsweisend ist.

Das Schwergewicht Munich Re musste wegen der Pandemie ein Branchen-Treffen absagen, was für sich schon richtungsweisend ist.

München. Rückversicherer, bei denen sich andere Assekuranzkonzerne versichern, um Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen, haben im Allgemeinen einen guten Marktüberblick. Das gilt vor allem für das Schwergewicht Munich Re, das sich um diese Zeit normalerweise mit der Branche in Baden-Baden trifft, um Trends zu diskutieren. Wegen der Pandemie wurde das Treffen gestrichen, was für sich schon richtungsweisend ist. Denn was Munich-Re-Vorstand Doris Höpke für die nahe Zukunft vorhersagt, ist durchweg pandemiegetrieben. „Versicherungsprämien werden vielfach steigen, Cyberpolicen noch stärker wachsen und Zinsen auf absehbare Zeit extrem niedrig bleiben“, schätzt die Assekuranzmanagerin.

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Letzteres hat mit dem enormen Anstieg von Staatsschulden im weltweiten Maßstab zu tun, der aus staatlichen Pandemiehilfen für Wirtschaft und Bevölkerung resultiert. Zentralbanken sind deshalb praktisch dazu verdammt, Zinsen im Keller einzufrieren, um es Staaten zu ermöglichen, ihre Schulden ohne zusätzliche Zinslast stemmen zu können. Das sind anhaltend schlechte Perspektiven für Vorsorgesparer aber auch für Versicherungskonzerne, die als große Kapitalanleger enorme Summen auf den Kapitalmärkten anlegen.

Höhere Prämien verlangt – die Kunden akzeptieren

Weil damit 2020 so wenig Geld zu verdienen ist, wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten, kann die Assekuranz praktisch nur noch durch den Verkauf von Policen profitabel wirtschaften. Deshalb würden Versicherer nun höhere Prämien verlangen, sagt Höpke. Im Unterschied zu früheren Jahren könnten das ihre Kunden auch akzeptieren. Denn Höpke rechnet mit einem gestiegenen Risikobewusstsein in Folge der Pandemie. Vor allem bei Cyberpolicen für Firmen erwartet sie zudem eine enorme Zunahme des Bedarfs.

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Cyberangriffe haben in Corona-Zeiten zugenommen

Solche Deckungen werden dieses Jahr weltweit im Umfang von schätzungsweise sieben Milliarden Dollar verkauft. Binnen fünf Jahren soll das Marktvolumen nun beschleunigt auf über 25 Milliarden Dollar zulegen. Durch die Pandemie sind weltweit Homeoffice-Arbeitsplätze aus dem Boden geschossen, Firmen haben ihre Geschäftsprozesse wo es geht ins Internet verlagert. Die IT-Sicherheit konnte dabei nicht immer mithalten. Cyberangriffe haben sich deshalb seit Ausbruch der Pandemie Monat für Monat vervielfacht, was den Versicherungsbedarf nun ankurbelt. Mit rund zehn Prozent Weltmarktanteil ist Munich Re bei Cyberpolicen einer der Marktführer und will diese Position verteidigen.

Versicherung zahlt im Fall einer Pandemie nicht

Für beherrschbar hält Höpke das Risiko, weil es dafür in den Verträgen Limits gibt, die in der Regel 50 und höchstens 100 Millionen Dollar nicht übersteigen. Munich Re will aber andererseits auch leisten, wenn ein einzelner Computervirus pandemisch Zigtausende Maschinen oder Fabriken lahmlegt, betonte Höpke. Selbstverständlich ist das nach den Erfahrungen mit dem Coronavirus nicht. Denn die größten finanziellen Schäden verursachen durch das Herunterfahren von Volkswirtschaften erzwungene Betriebsunterbrechungen. Dafür gibt es zwar grundsätzlich Policen. Eine Pandemie ist darin aber ausgeschlossen. Die Versicherung zahlt also in dem Fall nicht.

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Betriebsschließungspolicen beschäftigen Gerichte

Auch ohne diesen Ausschluss rechnet die Assekuranz weltweit damit, durch die Pandemie 30 bis 107 Milliarden Dollar unter anderem für Veranstaltungsausfall an Kunden auszahlen zu müssen. Die Spanne ist so groß, weil die Pandemie erstens noch längst nicht beendet ist und es zweitens teils heftig umstritten ist, ob Versicherungen in bestimmten Fällen wirklich nicht zahlen müssen. So tobt in Deutschland vor Gerichten ein Disput um Betriebsschließungspolicen vor allem für Gastwirte. Insgesamt werden die volkswirtschaftlichen Schäden durch die Pandemie auf die schwer vorstellbare Summe von zwölf Billionen Dollar geschätzt. Das heißt zugleich, dass selbst im günstigsten Fall nur ein verschwindender Bruchteil davon versichert ist.

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