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Munich Re: Katastrophen lassen das Geschäft wachsen

Vor der Münchner Zentrale der Munich Re steht die Statue „Walking Man“.

Vor der Münchner Zentrale der Munich Re steht die Statue „Walking Man“.

München. Etwa eine halbe Milliarde Euro muss der Versicherungskonzern Munich Re voraussichtlich für die jüngste Flutkatastrophe in Deutschland und Nachbarstaaten zahlen. Dennoch bleibt es beim Ziel, 2021 den Jahresüberschuss von 2,1 auf 2,8 Milliarden Euro zu steigern, wie Konzernchef Joachim Wenning zur Vorlage eines Zwischenberichts in München betonte. Das wären 100 Millionen Euro mehr als 2019 im Jahr vor Ausbruch der Pandemie.

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Vertragsrunde mit Preis­erhöhungen

Munich Re ist der größte Rückversicherer der Welt, nimmt also anderen Versicherungs­unternehmen einen Teil ihrer Risiken ab. Eine Zunahme der Großschäden vor allem auch durch den Klimawandel haben für die Branche geschäftlich zwei Seiten: Sie müssen beglichen werden, aber gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Versicherungs­schutz, und höhere Prämien werden durchsetzbar. So haben die Münchner bei einer Erneuerungs­runde für Versicherungs­verträge gerade Preis­erhöhungen von 2 Prozent durchgesetzt.

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Die Munich Re nutzt die Gunst der Stunde zur Ausweitung des Geschäfts. Inklusive der Tochter Ergo peile der Konzern nun dieses Jahr einen Rekord­umsatz von 58 Milliarden Euro an, erklärte Finanzchef Christoph Jurecka. Das ist eine Milliarde Euro mehr als ursprünglich geplant.

Um wie viel die Prämien für Elementar­schäden, Gebäude oder Hausrat in Deutschland voraussichtlich steigen werden, wollte Wenning nicht abschätzen. Das sei vor allem von der Nachfrage abhängig, die speziell bei Policen gegen Elementar­schäden bislang überschaubar sei.

Nur solche Policen decken auch Fluten wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ab. Aber weniger als die Hälfte der Hausbesitzerinnen und ‑besitzer sind entsprechend versichert. Sollte die Politik nun Elementar­schaden­policen bundesweit zur Pflichtversicherung machen, könne die Munich Re und wohl auch die Branche damit leben, sagte Wenning.

Er bevorzugt aber einen anderen Weg. Der könne darin bestehen, dass die Versicherer selbst künftig standardmäßig Elementarschäden in Gebäude­versicherungen integrieren – die Versicherungs­nehmerinnen und Versicherungsnehmer aber das Recht haben, diesen Baustein aktiv abzuwählen. Aktives Abwählen geschieht aber erfahrungs­gemäß eher selten.

Wenning fordert aber gleichzeitig mehr Vorbeugung. Bund, Länder und Kommunen müssten dafür sorgen, dass in Hochrisiko­gebieten nicht mehr gebaut werden dürfe und an besonders gefährdeten Stellen auch rückgebaut werde. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich Bauherren auf eine Pflichtversicherung verlassen und weiter in massiv überschwemmungs­bedrohten Lagen neue Häuser hochziehen. Dann wären künftige Schäden programmiert.

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Joachim Wenning, Vorstandschef der Munich Re.

Joachim Wenning, Vorstandschef der Munich Re.

Der Versicherer ist gegen eine Einheitsprämie

Wenning plädiert auch dafür, dass die Prämien bei einer Pflichtversicherung individuell für das jeweilige Risiko kalkuliert werden. Eine Einheitsprämie könnte die Vorsorge in den gefährdeteren Gebieten ersticken. Dieses Prinzip führt allerdings jetzt schon zu relativ hohen Preisen in Risikolagen.

Auch im Flutgebiet hat der Versicherungs­schutz gegen Elementar­schäden große Lücken. So werden die volkswirtschaftlichen Schäden dort mittlerweile auf 30 Milliarden Euro geschätzt, die Versicherungen müssen nach Schätzung ihres Branchen­verbands GDV aber nur rund 5 Milliarden Euro begleichen.

Hoffnung auf mehr Klimaschutz

Mit Blick auf den jüngsten Bericht des Welt­klimarats hält der Versicherungs­manager auch mehr Tempo beim Klimaschutz für dringend nötig. Gefragt sei kein Aktionismus mit größeren Versprechungen, sondern effektives Handeln mit einer Ablösung fossiler durch erneuerbare Energien und einem höheren Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid im Verbund aller Industrieländer. Derzeit tue die Bundesregierung noch zu wenig gegen den Klimawandel. „Ich hoffe auf die Zukunft“, sagte Wenning.

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