Monsanto soll heimlich Studien zu Glyphosat finanziert haben

  • Einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Pestizidwirkstoffe ist Glyphosat – es gehört wohl auch zu den umstrittensten.
  • Vermeintlich neutrale Studie belegten in der Vergangenheit den Nutzen des Wirkstoffs.
  • Nun gibt es Belege, dass Monsanto diese Studien selbst finanziert hat.
David Sander
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Hannover. Unkrautvernichter sind in der Landwirtschaft nicht unüblich. Dennoch wird stetig über Nutzen und Schaden der Pestizide diskutiert. Unweigerlich im Mittelpunkt dieser Debatte: der Wirkstoff Glyphosat. Dabei geht es auch um viel Geld. Ein Verbot würde den Glyphosat-Hersteller Monsanto und den jetzigen Eigentümer Bayer empfindlich treffen. Wie „tagesschau.de“ berichtet, ist bekannt, dass Monsanto in der Vergangenheit immer wieder Studien mitgeschrieben oder finanziert hat – allerdings ging es um Fälle aus den USA, nicht aus Deutschland. Nun sollen Recherchen von Lobbycontrol erstmals zeigen, dass auch in Deutschland heimlich Studien finanziert wurden.

Dabei sind mindestens zwei Studien des Agrarökonomen Michael Schmitz in den Fokus gerückt. Schmitz lehrte bis 2015 an der Universität Gießen, war lange Sachverständiger für das Bundeslandwirtschaftsministerium sowie Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Unterstützung von Monsanto wurde verschwiegen

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Die betroffenen Studien aus den Jahren 2011 und 2015 warnten laut Lobbycontrol vor Milliardenschäden durch ein mögliches Glyphosat-Verbot und bekräftigten den ökologischen Nutzen von dem Pestizid für die Landwirtschaft. Diese Studien seien aus eigenem Forschungsinteresse und ohne Finanzierung durch Dritte entstanden, hieß es gegenüber Lobbycontrol auf Nachfrage, ob Monsanto die Studien finanziert hätte.

Das ist laut Lobbycontrol aber falsch. Beide Studien weisen demnach eine finanzielle Förderung seitens Monsanto auf.

Bayer (Monsanto-Eigentümer) soll inzwischen eingeräumt haben, dass die Studien von Monsanto mitfinanziert und in Auftrag gegeben wurden. Aus dem Bericht von Lobbycontrol geht aber hervor, dass Bayer nicht an den Methoden, Inhalten oder Ergebnissen der Studien zweifelt. Auch wenn der fehlende Hinweis auf die Förderung durch Monsanto nicht den Grundsätzen von Bayer entspreche.

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Glyphosat-Studien: Abhängigkeiten offenlegen

Dass die verdeckte Finanzierung kein Kavaliersdelikt ist, betont Ulrich Müller von Lobbycontrol gegenüber „tagesschau.de“. Die Studien würden den Glyphosat-Herstellern zentrale Argumente liefern, die sie in ihrer Lobbyarbeit verwendet hätten. „Wenn diese Argumente als scheinbar neutrale Botschaften unhinterfragt in den Medien und in der Politik auftauchen, dann wird es natürlich problematisch“, heißt es weiter.

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Bis zuletzt nutzte auch Bayer eine der Studien für seine Öffentlichkeitsarbeit. Diese verschwand jedoch von der weltweiten Infoseite zu Glyphosat, nachdem das ARD-Magazin „Monitor“ dazu anfragte. Gegenüber „tagesschau.de“ fordert Müller, dass Bayer nun offenlegen müsse, welche Studien zu Glyphosat von Monsanto in Deutschland und in Europa finanziert wurden.

Das Unternehmen müsse sicherstellen, dass in der weiteren Glyphosat-Debatte nicht noch einmal vermeintlich unabhängige Studien verwendet werden – die in Wirklichkeit von Industrieseite finanziert wurden.

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