• Startseite
  • Wirtschaft
  • Monopolbildung von Facebook: US-Behörde zieht vor Gericht und fordert Verkauf von Instagram und Whatsapp

Vorwurf Monopolbildung: US-Behörde zieht gegen Facebook vor Gericht

  • Die US-Wettbewerbsbehörde hat ein Verfahren gegen Facebook eingeleitet.
  • Der Vorwurf: Auf räuberische Art und Weise habe sich das Unternehmen eine Monopolstellung aufgebaut.
  • Konkret wird gefordert, dass die Töchter Whatsapp und Instagram wieder verkauft werden sollen – die Umsetzung dürfte schwierig werden.
|
Anzeige
Anzeige

Frankfurt am Main. Zuerst Google, jetzt Facebook. Die US-Kartellwächter haben Big Tech auf dem Kieker. 48 Bundesstaaten und die nationale Handels- und Wettbewerbsbehörde FTC haben ein Verfahren gegen den Facebook-Konzern auf den Weg gebracht. Das Management habe mit immens viel Geld und auf räuberische Art und Weise Rivalen übernommen und so eine Monopolstellung aufgebaut, teilte die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, Letitia James, mit.

Die Stoßrichtung ist klar: Die Übernahme von Instagram im Jahr 2012. Die App zum Teilen von Fotos kostete seinerzeit gerade einmal 715 Millionen Dollar. Und es geht um die Akquisition des Kommunikationsdienstes Whatsapp zwei Jahre später, wofür die von Mark Zuckerberg geführte Firma aber schon 22 Milliarden Dollar hinlegte.

Der hohe Betrag sorgte seinerzeit für mächtig viel Aufregung. Schließlich handelte es sich um eine relativ einfach gestrickte Chatplattform, die dem SMS-Dienst der Mobilfunker sehr ähnlich war, aber nicht über Mobilfunktechnik, sondern über das Internetprotokoll funktioniert. Inzwischen sind sich Branchenkenner einig, dass beide Deals zu den wichtigsten Transaktionen in der Geschichte der Internetökonomie gehören.

Anzeige

Facebook soll beide Töchter wieder verkaufen

Für die FTC-Experten ist indes klar, dass Facebook mit den Übernahmen „wettbewerbliche Bedrohungen zermalmt“ hat. Deshalb fordert die Behörde, dass Facebook die beiden Töchter wieder verkauft. Zuckerberg schrieb als Erwiderung der Vorhaltungen prompt einen Brief an die Beschäftigten: „Unsere Akquisitionen von Instagram und Whatsapp haben beide Dienste dramatisch verbessert und geholfen, dass diese nun erheblich mehr Menschen erreichen.“ Der Konzern stehe in hartem Wettbewerb und er kämpfe mit fairen Mitteln. „Darauf bin ich stolz.“ Sollte das Verfahren tatsächlich mit Vehemenz voran getrieben werden, dürfte es dennoch Jahre dauern, bis eine Entscheidung fällt. Denn klar ist: Facebook wird alle rechtlichen Mittel nutzen, um eine Zerschlagung zu verhindern.

Anzeige
Video
Verdacht auf unfairem Wettbewerb: Facebook muss vor Gericht
1:31 min
Sollte der Konzern seine Macht missbraucht haben, könnte er gezwungen werden, Instagram und WhatsApp zu verkaufen.  © Reuters

Gerichtlicher Beschluss könnte schwierig werden

Anzeige

Die US-Wettbewerbsgesetze machen zwar solch harte Maßnahmen möglich. Allerdings hat es sich in der Vergangenheit als äußerst schwer erwiesen, dies auch vor Gericht durchzudrücken. Zugleich zeigen die Beispiele der gescheiterten Zerschlagungen von Microsoft und IBM, dass Aktienkurse während der Verfahren massiv leiden. Im Oktober haben die US-Regierung und elf Bundesstaaten auch eine Wettbewerbsklage gegen Google auf den Weg gebracht. Das Unternehmen schütze seine dominierende Position bei der Internetsuche und der damit verknüpften Werbung auf eine unzulässige Weise, so der Vorwurf.

Big-Tech-Konzerne werden der Politik allmählich zu mächtig

Klar ist, dass vielen Politikern und Wettbewerbsexperten in den USA und in Europa die Big-Tech-Konzerne – also auch Apple, Amazon und Microsoft – zu mächtig geworden sind. Nicht nur in ökonomischer Hinsicht: Das soziale Netzwerk, das denselben Namen wie der Facebook-Konzern trägt, und seine Satelliten sind für Millionen Nutzer die mit weitem Abstand wichtigsten Kommunikationsinstrumente, mit ihnen erschließen sie ihre Welt. Desinformationskampagnen auf der Facebook-Plattform hatten vor gut vier Jahren einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA.

Die Pointe: Als seinerzeit die beiden Übernahmen eingefädelt wurden, erteilten die US-Behörden Genehmigungen für die Deals. Auch die EU-Kommission stimmte zu. Vieles spricht dafür, dass die Kartellexperten seinerzeit die Folgen der Transaktionen massiv unterschätzt hatten.

Anzeige

Facebook altert: Absicherung durch Instagram?

Aktuell verzeichnet Zuckerbergs Gruppe global mehr als 2,7 Milliarden aktive Nutzer, das entspricht in etwa einem Drittel der Weltbevölkerung. Das Unternehmen erwirtschaftet vor allem mit zielgenauer Werbung auf seinen Webseiten enorm hohe Renditen. Mit einem Umsatz von 21 Milliarden Dollar wurde im dritten Quartal ein Gewinn von gut 7,8 Milliarden Dollar eingefahren. Wobei der größte Teil des Umsatzplus inzwischen von Instagram erzielt wird, die Kernplattform stagniert hingegen auf vielen Märkten. Besonders für junge Nutzer ist die Facebook-Website inzwischen uninteressant. Dort sind zudem die Möglichkeiten, Werbung zu platzieren, vielfach ausgeschöpft. Genau diese Effekte soll Zuckerberg schon längere Zeit geahnt haben, weshalb die Übernahmen gewissermaßen Absicherungsgeschäfte waren.

Whatsapp soll Shoppingplattform werden

Whatsapp will das Management nun denn auch mit großem Einsatz zu einer E-Commerce-Plattform ausbauen: Das Zauberwort heißt: Conversational Commerce. Unternehmen können über automatisierte Chatfunktionen mit Kunden direkt Kontakt aufnehmen. Diese haben die Möglichkeit, nach Produkten zu fragen, sie zu bestellen und die Lieferung nachzuverfolgen. Hierzulande hat gerade das Start-up Charles eine Software dafür präsentiert.

Ein anderer Faktor für Zuckerbergs Festhalten an Whatsapp und Instagram ist die Beliebtheit der beiden Plattformen auf wichtigen wachsenden Märkten. In Indien etwa hat Whatsapp nach den Daten der Marktforscher von E-Marketer gut 100 Millionen Nutzer mehr als die Facebook-Website. Diese wird beispielsweise in Japan von Instagram deutlich überflügelt.

Werbung, Löschung von Kommentaren: Neuer Eigner hätte viel zu tun

Derweil profitiert der Chatdienst stark von den Ressourcen der Konzernmutter, was Verlässlichkeit und Verschlüsselung beim Datentransport angeht. Würde Instagram abgespalten, müsste es auch von der Technologie abgekoppelt werden, die Werbung zielgenau zu den Nutzern steuert – bei diesen Lösungen gilt Facebook als weltweit führend. Ein neuer Eigner müsste dies komplett selbst aufbauen. Das gilt auch für die Software, die automatisch Hasskommentare und andere unangemessene Posts aussortiert.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen