Mit dem Cybertruck zertrümmert Tesla sein Image – und zwar mit Bedacht!

  • Der neue Tesla Cybertruck sorgt für Spott – und tatsächlich zertrümmert der Elektroauto-Pionier mit dem Design sein Image.
  • Das dürfte dem Unternehmen aber kaum schaden, meint unser Autor. Denn Tesla inszeniert sich erneut als Vorreiter.
  • Und das in einer Zeit, in der VW und Co. gerade erst anfangen, normale E-Autos zu bauen.
|
Anzeige
Anzeige

Viel peinlicher kann es nicht werden: Als Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen auf der Bühne den Hammer schwang, um die Bruchfestigkeit der Scheiben am neuen Cybertruck zu beweisen, hinterließ er üble Risse in der Scheibe. Unternehmenschef Elon Musk musste die Präsentation vor einem ramponierten Auto fortsetzen.

Aber so schlimm ist das vielleicht gar nicht, denn das Auto sieht aus wie ein Wagen aus Science-Fiction-Filmen à la „Blade Runner“ – da gehören Kampfspuren quasi zum Designkonzept. Und so, wie die Tesla-Fangemeinde tickt, werden sich die ersten Kunden den Splitter-Look wahrscheinlich als Folie auf die Scheibe kleben. Denn seine Fans wird das buchstäblich schräge Auto finden, wenn es 2022 – oder, wie bei Tesla bisher üblich, später – auf den Markt kommen sollte. Käme es nicht, hätte es seinen Zweck trotzdem schon erfüllt: Musk zerschlägt damit das alte Tesla-Image – und zwar mit Bedacht.

Normale E-Autos können auch die anderen

Ob es der Spieltrieb des ewigen Kindes Musk oder der Weitblick des Visionärs Musk war: Ihm sind die Grenzen der Marke Tesla aufgefallen, bevor es der Rest der Welt gemerkt hat. Mit elegant, aber konventionell gezeichneten Autos hat der Elektropionier das Misstrauen der Autofahrer überwunden. Jetzt werden E-Autos so normal, dass aus konventionell schleichend langweilig wird. Also stellt er ein Auto hin, das gleichzeitig an Endzeit-Visionen, Siebzigerjahre-Designs von Giugiaro und Laubsägearbeiten erinnert. Nebenbei zielen die technischen Eigenschaften auf das lukrativste Modellsegment in vielen Automärkten der Welt: rustikale Pick-ups.

Anzeige

Tesla soll nicht zu brav, zu glatt, zu Mainstream werden, denn das sind im Elektromarkt schon bald Volkswagen und die anderen. Die Amerikaner werden bald nicht mehr der Marktführer im E-Geschäft sein, der Verzicht auf den Auspuff ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Wollen sie überleben, müssen sie die coolste Marke bleiben. Mit dem extremen Cybertruck ist das Signal dafür gesetzt. Den mag nicht jeder, aber das ist in Zukunft auch nicht mehr nötig. Musk hat das begriffen. Er kann mit Tesla noch an vielem scheitern. Aber an mangelndem Instinkt wird es nicht liegen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen