Milliardenhilfe für Tui in Corona-Krise: Geld gegen Strategie

Der Staat spannt der Tui noch einmal ein Sicherheitsnetz. Doch mit Geld allein ist es nicht getan. Der Reisekonzern braucht eine klarere Strategie, meint Stefan Winter.

|
Anzeige
Anzeige

Es war nur eine Frage der Zeit. Dass die erste Milliardenhilfe für den Tui-Konzern nicht reichen würde, ahnte man schon, als sie Anfang April gezahlt wurde. Nun kommt eine weitere Milliarde hinzu, beruhigend als “Sicherheitsnetz” bezeichnet – nur für den Fall der Fälle. Doch dieser Fall wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Wenige Branchen hat das Coronavirus so umgehauen wie die Touristik, und Tui traf es mitten in der strategischen Findungsphase.

Der Preis der Hilfe wäre allerdings hoch. Denn der Bund hat aus der Finanzkrise und seiner verlustreichen Commerzbank-Beteiligung gelernt. So lässt er sich, wie schon bei der Lufthansa, den Notkredit hoch verzinsen und würde letztlich zu sehr günstigen Konditionen Großaktionär. Niemand wird hinterher sagen können, dass hier Aktionäre mit Steuergeld rausgehauen worden seien. Die Kehrseite: Als Unternehmen fällt man nicht weich in dieses Sicherheitsnetz. Doch es ist die einzige Chance, in dieser Lage den Geldhaien der unangenehmeren Art zu entgehen. Deren Fantasie würde sich wohl in der Zerschlagung des Unternehmens erschöpfen.

Anzeige

Kommt es zum Staatseinstieg, stehen beide Seiten in der Pflicht, es besser zu machen: Konzernchef Fritz Joussen – ausgestattet mit einem frischen Fünfjahresvertrag – muss klarer machen, welche Tui er eines Tages hinterlassen will. Die Hannoveraner gehören zu den Erfindern des integrierten Reisekonzerns. Aber was das heute eigentlich ist, weiß niemand so genau. Nicht mehr der alte Pauschalanbieter mit dem blauen Flughafenshuttle, aber auch nicht nur die Internetplattform – irgendwo dazwischen liegt das Ziel, mitten in einer großen Nebelbank. Dieses Ziel muss klar sein und jede Staatshilfe den Weg dahin ebnen. Mit ein bisschen kurzlebiger Rettung ist es nicht getan.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen