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So wirbelt Corona die Preise für Lebensmittel durcheinander

  • Egal ob Fleisch, Milch, Gemüse oder Kartoffeln: Die Preise an den Agrarmärkten sind durch Corona unter Druck geraten.
  • Der Bauernverband sieht die landwirtschaftliche Logistik “gehörig unter Stress”.
  • Eine Übersicht über die Produkte, die nun billiger werden könnten.
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Die Supermärkte sind geöffnet, die Regal gefüllt: Die Corona-Krise ist zwar ein Stresstest für Wirtschaft und Gesellschaft, die Lebensmittelversorgung aber ist gesichert - und bleibt es auch. Das versichert Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bei jeder Gelegenheit. Allerdings stehe die landwirtschaftliche Logistik “gehörig unter Stress”, wie der Deutsche Bauernverband unumwunden zugibt.

Das Corona-Virus macht auch vor den Agrarmärkten nicht halt. Einerseits sind Restaurants und Imbisse geschlossen, andererseits aber steigt die Nachfrage im Handel - mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Preise. Engpässe drohen bisher jedoch nicht. "Bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Zucker haben wir einen hohen Selbstversorgungsgrad, die Ernte erfolgt maschinell – ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier zu Schwierigkeiten kommt“, sagte der Göttinger Agrarökonom Achim Spiller der Tageszeitung “Die Welt”.

Kartoffeln werden billiger

Wie der Deutsche Bauernverband in einem aktuellen Statusbericht zur Lage der Agrarmärkte mitteilt, befindet sich insbesondere der Preis für Kartoffeln im freien Fall. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Marktpreis um 15,3 Prozent. Ein Grund für den Rückgang: Die bei Großveranstaltungen, in Betriebskantinen und Imbissen beliebten Pommes Frites werden nicht mehr stark nachgefragt. Von den vier Millionen Tonnen Kartoffeln, die etwa jährlich in Niedersachen geerntet werden, geht allein ein Drittel in die Pommes-Produktion, wie der NDR berichtet.

Nachfrage nach Lamm und Rind sinkt

Auch beim Lammfleisch ist die Nachfrage rückläufig. Noch bis Anfang März waren die Preise auf bis zu 6 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht gestiegen. Innerhalb der letzten Woche ist der Preis um 30 Cent (pro Kilo) gesunken. Auch der Markt für Rindfleisch ist unter Druck geraten. Die weggebrochene Nachfrage aus Restaurants, wo Rind beliebt ist, könnte den Preis weiter drücken. Die rund um Ostern übliche Marktbelebung, so der Bauernverband, sei jedenfalls ausgefallen. Trotzdem: Noch liegt der Preis für Rindfleisch mit 1,7 Prozent knapp über dem Wert des Vorjahres.

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Obst und Gemüse nach Preissprüngen stabil

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Die Verbraucher decken sich aktuell im Supermarkt nicht nur mit Konserven, Toilettenpapier und Nudeln ein - auch Obst und Gemüse stehen hoch im Kurs. Das zumindest lassen die Preissteigerungen vermuten. Für Obst müssen die Deutschen laut Bauernverband 12,5 Prozent mehr zahlen als noch im letzten Jahr, Gemüse ist um 8,2 Prozent teurer geworden. Die Nachfrage nach frischen und gesunden Lebensmitteln habe sich nach den ersten Hamsterkäufen aber inzwischen wieder beruhigt - wozu auch größere Importmengen nicht nur aus Italien und Spanien, sondern zunehmend auch aus den Niederlanden und Belgien beigetragen hätten.

Milchpreis fällt

Die Erzeugerpreise für Milch in Deutschland liegen stabil bei 33 Cent pro Kilogramm. Die Nachfrage nach Butter und Käse ist laut Bauernverband sogar so stark angestiegen, dass der Ausfall von Großabnehmern überkompensiert werden könne. Es gibt allerdings ein großes Problem: Unter anderem wegen des gesunkenen Interesses an Milchpulver in China sinkt der Milchpreis demnächst: Der Börsenmilchwert für die kommenden Monate ist mittlerweile auf 26,1 Cent abgesackt.

Klar ist, dass die Lebensmittelindustrie auch in den nächsten Wochen vor großen Herausforderungen steht. “Es ist nicht absehbar, wo wir mit den Preisen landen werden”, sagte Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Jetzt also doch: Erntehelfer aus dem Ausland dürfen einreisen

Allerdings zeichnet sich an einer Stelle Entspannung ab. Um Ernteausfälle - etwa beim Spargel - zu verhindern, haben sich die Regierungsparteien in Berlin darauf verständigt, Erntehelfer aus dem Ausland doch einreisen zu lassen. Jeweils 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa sollen in diesem und im kommenden Monat in die Bundesrepublik einreisen dürfen - vorausgesetzt sie bestehen eine vorherige Gesundheitsprüfung. Außerdem hofft die Regierung, rund 10.000 zusätzliche Helfer, etwa Studierende, Arbeitslose oder Asylbewerber, für die Landwirtschaft gewinnen zu können.

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