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Mangelware Mikrochips: USA wollen 50 Milliarden Dollar investieren, vor allem Autobranche leidet unter Lieferengpässen

In den Vereinigten Staaten haben die Autobauer aufgrund des Chipmangels in vielen Werken die Fertigung verlangsamt oder sogar komplett gestoppt.

In den Vereinigten Staaten haben die Autobauer aufgrund des Chipmangels in vielen Werken die Fertigung verlangsamt oder sogar komplett gestoppt.

Frankfurt am Main. US-Präsident Joe Biden scheut sich nicht, viel Geld in die Hand zu nehmen. Gerade hat er angekündigt, mit 50 Milliarden Dollar die Computerchiphersteller zu unterstützen. Die USA sollen damit unabhängiger von Zulieferungen für die äußerst raren Bauteile aus dem Ausland werden. Kurzfristige Engpässe lassen sich damit aber nur bedingt beheben. Darunter leiden vor allem Autobauer, auch hierzulande. Und langfristig sind die Perspektiven für die hiesige Industrie ebenfalls nicht gerade rosig.

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In den Vereinigten Staaten haben die Autobauer in vielen Werken die Fertigung verlangsamt oder sogar komplett gestoppt. Es wird erwartet, dass alle Autobauer zusammen im ersten Halbjahr rund 500.000 Autos weniger produzieren, als sie eigentlich wollten. Das drückt die Gewinne von General Motors, Ford und Chrysler mutmaßlich um deutlich mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die Lage ist für die Konzerne auch deshalb so fatal, weil die Nachfrage nach SUV, Pickups und Limousinen so hoch ist wie schon lange nicht mehr. Doch es fehlt an Halbleiterkomponenten für die Bordcomputer der Fahrzeuge.

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Volkswagen hätte 100.000 Pkw mehr bauen können

Marktforscher gehen davon aus, dass fehlende Mikro-Chips in diesem Jahr die Erlöse der Autokonzerne weltweit um 51 Milliarden Dollar schrumpfen lassen könnten. Volkswagen-Chef Herbert Diess musste kürzlich einräumen, dass die Versorgung mit den elektronischen Bauteilen nach wie vor „unübersichtlich“ sei. Sein Unternehmen müsse vermutlich das gesamte Jahr noch mit den Folgen kämpfen. Daimler und BMW geht es ähnlich.

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Volkswagen hätte im vorigen Jahr 100.000 Autos mehr bauen können, wenn es den Chipmangel nicht gegeben hätte. Und auch andere Branchen sind betroffen. So hat die jüngste Umfrage des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) ergeben, dass ein Viertel der Firmen unter Produktionsbehinderungen aufgrund von Engpässen bei Lieferketten leide – die fehlenden Chips sind dabei ein wichtiger Faktor.

Lockdown und hohe Nachfrage ließ Produktion einbrechen

Der Grund für den Mangel: Die globale Pandemie hat das Geschäft mit den Chips so heftig wie seit vielen Jahren nicht mehr durcheinandergewirbelt. Als vor gut einem Jahr die ersten Lockdowns verhängt wurden, fuhren die Autobauer die Produktion von einem Tag auf den anderen massiv zurück. Zugleich stornierten sie Aufträge für die Komponenten der Bordcomputer in großem Stil. Mit Homeoffice, Homeschooling und Homeentertainment wuchs zugleich die Nachfrage nach Halbleitern für Computer, Smartphones und Spielekonsolen gewaltig.

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Preise für begehrte Chips steigen massiv an

Die Chipkonzerne stellten ihre Fertigungen entsprechend um, ihre Umsätze schossen laut der Marktforschungsfirma Gartner 2020 so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr in die Höhe: um gut 10 Prozent. Gartner-Experte Andrew Norwood geht davon aus, dass sich dieser Trend im ersten Halbjahr noch verstärken wird, weil die Nachfrage nach den Geräten für zu Hause weiter hoch bleibe.

Bei besonders begehrten Speicherchips würden die Preise massiv steigen, was die Umsätze für die Zeit von Januar bis Juni um 25 Prozent in die Höhe treiben werde – was die Chipbranche erfreut, könnte zu einem zunehmenden Problem für die Autobauer werden, die ebenfalls Speicherchips in gigantischen Mengen brauchen.

Tausende Zulieferer, komplexe Lieferketten

Die Verwerfungen sind so heftig, weil das Geschäft mit den Halbleitern extrem komplex ist. Die Lieferketten sind mit Tausenden von Zulieferern enorm lang, die Fixkosten extrem hoch, was zur Folge hat, dass die Fabriken permanent mit einer sehr hohen Auslastung gefahren werden müssen. Es gibt inzwischen eine kleinere Zahl von spezialisierten Auftragsfertigern, sie produzieren derzeit unter Volllast, können aber dennoch die Nachfrage nicht befriedigen. Darunter leiden Hunderte von Konzernen, auch alle Autobauer.

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Weltweit erhöhte Kapazitäten geplant

In den USA hat sich deshalb Intel-Chef Pat Gelsinger bei einem Treffen mit Managern der Tech- und der Autobranche, Biden und hohen Beamten des Weißen Hauses bereit erklärt, in Intel-Fabriken Anlagen für Hersteller von Autochips bereitzustellen.

Hierzulande will der Auftragsfertiger Globalfoundries in Dresden seine Kapazitäten so schnell wie möglich ausbauen. 450 Millionen sollen investiert werden, ein Drittel davon kommt von Kunden, zu denen neben Bosch auch Infineon gehört – die Münchner lassen die eigenen Chips bei Globalfoundries fertigen. Zudem haben verschiedene andere Hersteller und auch der Branchenprimus TSMC aus Taiwan zugesagt, die Fertigung effizienter zu machen, um schlimmste Engpässe zu beseitigen. Analysten bezweifeln gleichwohl, dass mit all diesen Maßnahmen kurzfristig Abhilfe geschaffen werden kann.

USA will unabhängig werden - besonders von China

Biden denkt indes schon weiter. Er will Forschung und Entwicklung massiv fördern und mehr Fertigung in die USA holen. TSMC hat laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg seine Unterstützung zugesichert. Der Konzern will ohnehin schon in Arizona für 12 Milliarden Dollar eine Fabrik bauen, für die es massive staatliche Subventionen gibt.

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Bei dem Treffen im Weißen Haus soll es auch um den geostrategischen Kontext gegangen sein: Chinas Regierung plane, die Lieferketten der Halbleiterbranche zu dominieren, und mache dafür so viel Geld wie nur möglich locker, heißt es. Chips gelten als extrem wichtiger moderner Rohstoff für die Industrie – Biden will die 50 Milliarden Dollar für mehr Unabhängigkeit der US-Wirtschaft einsetzen.

Warnung vor Highend-Chipfertigung in der EU

Auch die EU-Kommission hat sich mehr „digitale Souveränität“ vorgenommen: Bis 2030 soll eine Highend-Chipfertigung in der Union aufgebaut werden. Doch es gibt bereits viele warnende Stimmen. Um dies zu erreichen, müssten erst einmal 15 Jahre technologischer Rückstand aufgeholt werden, warnt die Unternehmensberatung McKinsey.

Auch die Stiftung Neue Verantwortung kommt in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass dahinter kein tragfähiges Geschäftsmodell stehe. Staatliche Investitionen in Höhe einer zweistelligen Milliarden-Euro-Summe seien nötig. Doch sei damit noch nicht gesichert, dass TSMC oder andere Highend-Fertiger nach Europa kämen. Denn dafür fehle es an Chipdesignern, die Halbleiter entwickeln. Das viele Geld könne besser in andere Bereiche der Hochtechnologie investiert werden.

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