Freie Tage während der Tage: Ist Menstruationsurlaub auch in Deutschland denkbar?

  • Viele Frauen leiden unter starken Beschwerden während ihrer Periode. Diskutiert wird deshalb immer wieder ein sogenannter Menstruationsurlaub.
  • Auch die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther fordert menstruationsfreundlichere Arbeitsbedingungen.
  • Aus arbeitsrechtlicher Sicht sei das aber schwer umzusetzen, klärt die Berliner Arbeitsrechtlerin Ilka Schmitt auf.
Heidi Becker
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Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther spricht sich für menstruationsfreundlichere Arbeitsbedingungen aus. “Menstruation ist etwas ganz Normales, manche Frauen sind während ihrer Tage sogar leistungsfähiger, andere haben starke Schmerzen. Wenn sie starke Schmerzen haben, muss es für die Betroffenen möglich sein, ohne Stigmatisierung zu Hause bleiben zu können – genau wie bei anderen Schmerzen oder Krankheiten”, sagt Kappert-Gonther dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Dabei gehe es ihr nicht um zusätzlichen Urlaub, sondern um “flexible und unbürokratische Freistellung für diejenigen, die betroffen sind”. Kappert-Gonther sieht darin keinen Konflikt: Männer seien in keiner Weise benachteiligt, wenn eine Kollegin wegen starken Menstruationsschmerzen einen Krankentag nehme – “ebenso wenig, wie wenn sie wegen einer Zahn-OP einen Tag nicht arbeiten könnte”.

Gesetzesvorlage in Italien eingebracht

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Ein Menstruationsurlaub, also der rechtliche Anspruch für Frauen, jeden Monat einige Tage zusätzlich zu Hause zu bleiben, ist in Deutschland allerdings schwer durchzusetzen, sagt die Arbeitsrechtlerin Ilka Schmitt. “In einigen asiatischen Ländern gibt es bereits Menstruationsurlaub und in Italien liegt sogar schon eine Gesetzesvorlage über drei Urlaubstage pro Menstruation vor”, berichtet sie. “Bei uns in Deutschland existiert allerdings keine gesetzliche Grundlage für diesen speziellen Urlaub.”

Das Problem: Wenn so ein Gesetz eingeführt würde, könnte dies zur Diskriminierung anderer Mitarbeiter führen, gibt Schmitt zu bedenken. Außerdem könnten Arbeitgeber sich dann schwertun, Frauen einzustellen, da diesen mehr Urlaub zustehen würde und so höhere Lohnfortzahlungskosten als bei Männern entstünden.

Ilka Schmitt, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Berlin, erklärt, dass es bei Gewährung eines Menstruationsurlaub zu arbeitsrechtlichen Problemen kommen könnte. © Quelle: Yasmina Aust

Würden Männer benachteiligt?

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In Deutschland ist der gesetzliche Urlaubsanspruch im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt. Demnach haben deutsche Arbeitnehmer bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche von montags bis samstags mindestens 24 Werktage Urlaub. Es sei zwar durchaus möglich, Mehrurlaub vertraglich zu vereinbaren, sagt Schmitt. “Aus arbeitsrechtlicher Sicht raten wir jedoch, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln und auch gleich viel Urlaub zu gewähren.” Schließlich sei im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geregelt, dass niemand wegen des Geschlechts diskriminiert werden dürfe. Das könnte aber hier der Fall sein. “Führt ein Arbeitgeber arbeitsvertraglich Menstruationsurlaub ein, so setzt er sich der Gefahr aus, dass die männlichen Kollegen mit dem Argument der Gleichbehandlung eben denselben Urlaub einfordern.”

Mitarbeiterinnen, die unter schweren Menstruationsbeschwerden leiden, sollten sich lieber ordnungsgemäß krankmelden, empfiehlt Schmitt. Der Vorteil hierbei sei auch, dass der Arbeitgeber nicht erfahre, warum die Mitarbeiterin sich krankgemeldet habe.

Krankschreibung kann nötig werden

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, sagt, eine Krankschreibung könne im Einzelfall nötig werden, wenn “Schmerzen und Blutung während der Menstruation sehr stark werden, mit üblichen Heil- und Hilfsmitteln nicht beherrschbar sind und den Alltag beeinträchtigen”. Die meisten Frauen litten aber nicht so stark unter der Menstruation, dass ihr Alltag erheblich beeinträchtigt und eine regelmäßige Krankschreibung oder Urlaub nötig wäre, berichtet er.

Dennoch sollten Frauen mit starken Beschwerden diese ernst nehmen. “Wenn die Blutung sehr stark ist und einen normalen Alltag unmöglich macht, sollte dies von einem Arzt abgeklärt werden.” Leide eine Frau kontinuierlich unter sehr starken, auch zunehmenden Schmerzen während der Menstruation, sollte außerdem eine Endometriose ausgeschlossen werden, empfiehlt der Gynäkologe.

Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet

Dass einige Frauen mit sehr starken Menstruationsbeschwerden zu kämpfen haben, bestätigt Professor John Guillebaud vom Institut für Frauengesundheit des University College London. Er erklärt, dass die Menstruationskrämpfe in einigen Fällen sogar mit den Schmerzen bei einem Herzinfarkt zu vergleichen sind. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hatte gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Frauen unter körperlichen oder emotionalen Beschwerden leiden, die mit dem Menstruationszyklus einhergehen. Rund die Hälfte der Frauen greift aufgrund von Beschwerden demnach zu Medikamenten.

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