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Nach Gamestop: Reddit-Nutzer zocken jetzt mit Aktie von Kinokette

Die US-Kinokette AMC hat unter dem Lockdown gelitten.

Die US-Kinokette AMC hat unter dem Lockdown gelitten.

Die amerikanischen Hobbyzocker im Internetforum Reddit haben eine neue Spielwiese entdeckt: Innerhalb weniger Tage hat sich der Kurs des Kinokonzerns AMC vervielfacht, bevor er am Donnerstag zum Handelsbeginn in den USA wieder abrutschte. Zum Jahreswechsel kostete das Papier rund 2 Dollar, in der vergangenen Woche waren es 20 Dollar und am Mittwoch vorübergehend mehr als 70 Dollar. Zeitweise wurde der Handel mit der Aktie wegen der extremen Kursschwankungen gestoppt.

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Unternehmen warnt vor sich selbst

Am Donnerstag sorgte das Unternehmen dann selbst für einen Kursrutsch. In den ersten Stunden des US-Handels fiel der Preis um knapp ein Drittel. Denn AMC macht nach dem Kursboom offenbar selbst Kasse. In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC kündigte das Unternehmen an, in absehbarer Zeit rund 11 Millionen eigene Aktien zu verkaufen. In den vergangenen Tagen ging bereits ein ähnliches Paket an den Hedgefonds Mudrick Capital, der es nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg bereits an der Börse verkauft haben soll. Der aktuelle Kurs und seine starken Schwankungen seien durch das Geschäft des Unternehmens oder andere Fundamentaldaten nicht zu erklären, heißt es es in der Mitteilung an die SEC. Anleger werden darin ausdrücklich vor dem Risiko eines Totalverlusts bei Investitionen in AMC-Aktien gewarnt.

Kurz zuvor klang das noch ganz anders. Am Dienstag kündigte AMC ein eigenes Programm an, um den Kontakt zu den neuen Kleinaktionären zu pflegen. Unter anderem sollten sie bei einem künftigen Kinobesuch eine Gratisportion Popcorn bekommen. Unternehmenschef Adam Aron hatte bei einer Präsentation im Mai ausdrücklich die „lautstarken, enthusiastischen und begeisterten“ Kleinanleger und ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens gelobt.

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Mit den Wirren um AMC setzt sich das Gamestop-Phänomen fort, das Anfang des Jahres die Finanzmärkte in Atem gehalten hatte. Damals trieben Kleinanleger den Kurs von Gamestop, einer Handelskette für Computerspiele, in die Höhe. So wollten sie einen Shortsqueeze erzwingen: Sogenannte Leerverkäufer, die auf fallende Kurse gesetzt haben, müssen dann schnell Aktien kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen – und treiben den Kurs damit noch höher. Auch im Januar spielte AMC schon eine Rolle und vervielfachte für kurze Zeit den Wert. Doch danach wurde es um die Aktien wieder ruhiger.

Leerverkäufe häuften sich – Hedgefonds verloren Milliarden

Das Spiel begann offenbar von vorn, als sich die Leerverkäufe auf AMC-Aktien wieder häuften. Die Kinokette galt schon länger als angeschlagen und hat durch die Schließungen in der Pandemie massive Probleme. So rechneten viele Profianleger mit einem Kursverfall und wetteten darauf mit Leerverkäufen. Dabei werden Aktien verkauft, die man selbst nur geliehen hat und erst später kauft – in der Hoffnung, dass sie dann billiger geworden sind. Bewegt sich der Kurs in die andere Richtung, wird es teuer.

Bei Gamestop und nun auch bei AMC sollen Hedgefonds Milliarden verloren haben. Denn die Leerverkäufe riefen wieder die Gegenbewegung auf den Plan. Im Forum Wallstreetbets, einem Teil der Reddit-Plattform, kochte die Diskussion erneut hoch, und die Hobbyzocker trieben sich gegenseitig in die AMC-Aktie. Der Kurs explodierte förmlich.

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Meme-Aktien werden zum Trend

Papiere wie Gamestop oder AMC werden inzwischen Meme-Aktien genannt – nach Bildern und Videos, die sich im Internet verbreiten. Denn der Kern der Szene sammelt sich in Internetforen, wo die Kleinanleger unter üppiger Verwendung von Memes ihre Geschäfte diskutieren. Dabei stacheln sie sich gegenseitig an und können einzelne Kurse erheblich bewegen.

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