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Kräftiger Kinderbonus und höheres Kurzarbeitergeld hätten die Wirtschaft auch stabilisiert

  • Die Deutschen haben in den vergangenen Monaten wieder ordentlich eingekauft – das hat selbst erfahrene Volkswirte überrascht.
  • Die Bundesregierung schließt dies auf die Mehrwertsteuersenkung zurück.
  • Um auch den Schwächeren zu helfen, hätte dieses Geld aber etwa in einen höheren Kinderbonus investiert werden müssen, meint RND-Korrespondent Frank-Thomas Wenzel.
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Der Konsument, das unbekannte Wesen: Selbst für die ganz pfiffigen Ökonomen ist es schwer, deren, also unser Verhalten vorherzusagen. Wer Absichten der Verbraucher erkunden will, bekommt immer nur eine Momentaufnahme. Absichten können sich aber sehr schnell ändern. So waren viele Volkswirte überrascht, wie bereitwillig wir in den vergangenen Monaten Geld ausgegeben haben und damit den Unternehmen geholfen haben, die Corona-Krise zu überwinden.

In den vergangenen Monaten haben viele erworben, was sie im Lockdown nicht kaufen konnten

Befragungen und Berechnungen weisen zugleich immer stärker auf noch einen ganz anderen Mechanismus hin: Die von der Bundesregierung so heftig gefeierte Mehrwertsteuersenkung für sechs Monate verpufft weitgehend. Wenn jetzt mehr Autos als vor einem Jahr von Privatleuten gekauft werden, dann hat das vor allem damit zu tun, dass nachgeholt wird, was in den vergangenen Monaten wegen des Lockdowns einfach kaum möglich war: der Besuch eines Autohauses, die Probefahrt, und so weiter. Dass wir mehr Möbel und Haushaltsgeräte kaufen, ist einer Umorientierung geschuldet. Reisebudgets werden für Projekte zur Verschönerung des Zuhauses umgeschichtet.

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Die Mehrwertsteuersenkung ist nicht sehr zielgenau

Plausibel? Zugegeben: Auch dies lässt sich selbst von den pfiffigsten Ökonomen nicht sicher nachweisen. Was aber klar ist: Die Mehrwertsteuersenkung ist eine extrem teure Angelegenheit. Sie kostet den Staat etwa 20 Milliarden Euro. Und es handelt sich um eine Art Schrotschussstrategie. Sie ist nicht besonders zielgenau. Was auch zweifelsfrei bewiesen ist: Menschen, die wegen geringen Einkommens auf Konsum verzichten müssen, setzen so gut wie jeden Cent ein, um diesen Mangel zu beheben. Deshalb wäre es sinnvoller gewesen, den Schwachen spürbar zu helfen. Ein wirklich kräftiger Kinderbonus von 1000 Euro oder mehr hätte zielgenau gewirkt. Genauso wie ein Kurzarbeitergeld, das schon von Anfang an deutlich höher ausfällt als die 60 Prozent des letzten Nettogehalts. Es braucht keine pfiffigen Volkswirte, um zu erkennen: Mit solchen Programmen wäre die Bundesregierung bei der Stabilisierung der Wirtschaft auf Nummer sicher gegangen.

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