Mehr Aktien im Dax? Deutsche Börse stellt Indexregeln auf den Prüfstand

  • Die strafrechtliche Aufarbeitung des Wirecard-Skandals ist am Laufen. Der tiefe Fall des Zahlungsdienstleisters und dessen Dax-Rauswurf hat auch Konsequenzen für die deutsche Börsenlandschaft.
  • Die Deutsche Börse will noch dieses Jahr neue Regeln für ihre gesamten Aktien-Indizes aufstellen.
  • Forderungen für eine Dax-Reform gibt es viele. Zum Beispiel, die Anzahl der derzeit 30 Dax-Konzerne zu erweitern.
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Frankfurt/Main. Bilanzfälschung, Betrugsvorwürfe, Insolvenz - der tiefe Fall von Wirecard hat auch die Deutsche Börse aufgeschreckt. Nicht einmal zwei Jahre nach dem rasanten Aufstieg des damals als Börsenstar gefeierten Zahlungsdienstleisters bis in die erste deutsche Börsenliga folgte der jähe Absturz und der Rauswurf aus dem Deutschen Aktienindex (Dax).

Regeln stehen auf dem Prüfstand

Der beispiellose Fall soll auch an der Frankfurter Börse nicht ohne Konsequenzen bleiben - die Regeln für den Dax sowie die Nebenwerteindizes MDax, TecDax und SDax stehen auf dem Prüfstand. Noch im laufenden Jahr will die Deutsche Börse Änderungen vorstellen. Ende Juni hatte der Frankfurter Marktbetreiber angekündigt, “die Regeln für die Zugehörigkeit zur Dax-Familie einer vertieften Prüfung zu unterziehen und zu überarbeiten”. Es gelte, “das Vertrauen in den Kapitalmarkt zu stärken”.

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In diesen Tagen berät der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse über Reformvorschläge, anschließend bekommen die Marktteilnehmer üblicherweise vier Wochen Gelegenheit zur Stellungnahme. Der Arbeitskreis besteht aus Mitarbeitern der Börse sowie Vertretern von Finanzinstituten, aktuell sind beteiligt: Allianz, Blackrock, Commerzbank, Deka, Goldman Sachs, HSBC Trinkaus & Burkhardt, MEAG Asset Management, UBS Deutschland, Union Investment.

Forderungen für die Dax-Reform gibt es einige

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Forderungen für die Dax-Reform gibt es aus diesem Kreis bereits einige. Zum Beispiel jene, die Anzahl der derzeit 30 Dax-Konzerne zu erweitern. “Im MDax und TecDax gibt es auf jeden Fall 10 bis 20 Unternehmen, die das Zeug haben, in den Leitindex aufgenommen zu werden”, sagte Jürgen Hackenberg, Fondsmanager bei Union Investment, Mitte September dem “Handelsblatt”. “Auf diese Weise könnten auch mehr hoffnungsvolle Technologiefirmen in den Dax einziehen, die dort auch im Vergleich zu ausländischen Indizes unterrepräsentiert sind.”

Bei Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer dürften solche Vorschläge auf Gegenliebe stoßen. Zum 30. Jubiläum des Dax im Juli 2018 brachte der Manager eine Erweiterung des wichtigsten deutschen Börsenbarometers ins Spiel: "Von der Größenordnung der deutschen Wirtschaft her wäre es durchaus gerechtfertigt, dass man mal perspektivisch darüber nachdenkt, den Dax auch etwas breiter aufzustellen", sagte Weimer damals auf dem Börsenparkett in Frankfurt. Er halte es für denkbar, dass der Dax auch mehr als 30 Werte abbilde.

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Der Dax ist das Börsen-Aushängeschild

Für die Deutsche Börse ist der Dax das Aushängeschild: Allabendlich flimmern die Kurse aus dem Frankfurter Handelssaal zur besten TV-Sendezeit in Deutschlands Wohnzimmer. Wer es in die erste Börsenliga geschafft hat, dem ist die Aufmerksamkeit der Investoren gewiss. Über Auf- und Absteiger entscheidet die Börse regulär alle drei Monate. Maßgebliche Kriterien bisher: Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens.

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Dass nur diese beiden Kennzahlen betrachtet werden, hält Ingo Speich vom Fondsanbieter Deka nicht mehr für zeitgemäß. "Die Deutsche Börse sollte bei der Aufnahme in den Dax (...) künftig Governance-Themen, also die Prinzipien guter Unternehmensführung, berücksichtigen", forderte Speich jüngst im "Handelsblatt".

Schärfere Sanktionen für Unternehmen bei Fehlverhalten

Deutsche-Börse-Chef Weimer sprach sich bei einer Tagung für schärfere Sanktionen aus, wenn Unternehmen Finanzberichte zu spät veröffentlichen, wie das bei der inzwischen aus dem Dax geflogen Wirecard AG geschehen war. “Wir werden auf der öffentlich-rechtlichen Seite die Sanktionsverfahren beschleunigen und alles daran setzen, dass die Sanktionshöhen dramatisch ausfallen”, sagte Weimer.

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Zudem will der Börsenchef Unternehmen bei Verstößen öffentlich an den Pranger stellen: "Wir werden sicherlich in Richtung naming and shaming gehen." Wenn Quartalsberichte nicht rechtzeitig vorgelegt werden, "dann wird das öffentlich gemacht werden", drohte Weimer.

Dax bald mit anderer Mischung?

Braucht das wichtigste deutsche Börsenbarometer auch eine andere Mischung? 12 der 30 Konzerne sind seit dem Dax-Start 1. Juli 1988 ununterbrochen in dem Index gelistet: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Daimler (vorher als Daimler-Benz), Deutsche Bank, Eon (vorher Veba und Viag, die sich im Juni 2006 zu Eon zusammenschlossen), Henkel, Linde, RWE, Siemens und Volkswagen.

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"Eine Erhöhung der Zahl der Unternehmen im Dax hielte ich für sinnvoll, da so die deutsche Unternehmenslandschaft besser abgebildet würde", sagt die Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger. "Das Gewicht einzelner Branchen wie der Automobilindustrie nähme zugunsten heute unterrepräsentierter Sektoren ab. Mehr Vielfalt und Breite stünden dem Dax, dem Aushängeschild der deutschen Volkswirtschaft, gut zu Gesicht."

RND/dpa

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