Massive Umsatzeinbrüche: MAN zieht Traton in die roten Zahlen

  • In der Corona-Pandemie leiden alle Lkw-Hersteller.
  • Aber bei der VW-Tochter Traton ist es vor allem die Münchner MAN.
  • Bis zu 6000 Arbeitsplätze stehen beim Fahrzeughersteller auf der Kippe.
|
Anzeige
Anzeige

München. Zwei Jahre hat Matthias Gründler nicht mehr gemanagt und sich seiner Familie gewidmet. Nun springt er ins eiskalte Wasser. “Die Zeiten könnten einfacher sein für meinen Start”, sagt der neue Chef der VW-Lastwagenholding Traton in München. Er hat sein Amt vor zwölf Tagen von Andreas Renschler übernommen, der wegen Unstimmigkeiten vor allem im menschlichen Bereich kurzfristig gehen musste.

Stellenabbau bei MAN schon vor Pandemie geplant

Dem Konzern hat die Pandemie im ersten Halbjahr 2020 rund 220 Millionen Verlust beschert, nachdem voriges Jahr um diese Zeit noch 1,1 Milliarden Euro Gewinn erzielt wurden. Zwar läuft es mittlerweile wieder besser, aber die Angst vor erneuten Einschränkungen für die Wirtschaft ist präsent. “Operative Verluste am Jahresende sind nicht ausgeschlossen”, stellt Gründler klar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Diese Gefahr beschwört vor allem eine der drei Traton-Marken herauf und das ist MAN. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie standen die Münchner vor einer schmerzhaften Sanierung mit möglichem Abbau von 6000 Stellen.

Renschler wollte die Verhandlungen dazu mit Gewerkschaft und Betriebsrat auch in der Corona-Krise vorantreiben und radikal Forschung und Entwicklung zentral konzentrieren, was die Eigenständigkeit von MAN und der schwedischen Schwestermarke Scania beschnitten hätte. Das ist in allgemein von Solidarität geprägten Pandemiezeiten nicht gut angekommen. Renschler musste gehen. Die Probleme sind geblieben.

Anzeige

Gespräche zum Stellenabbau sollen im September folgen

Nun wurde erst einmal der Abbau von 5000 Stellen bei Scania beschlossen, obwohl sich die Schweden in der Pandemie relativ gut schlagen. Bei ihnen ist das operative Ergebnis zum Halbjahr “nur” um drei Viertel auf 221 Millionen Euro eingebrochen. Bei MAN dagegen ging es mit 387 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Das brasilianische Lkw-Geschäft mit der Marke VW ist mit zehn Millionen Euro nur knapp in die Verlustzone gerutscht.

Anzeige

Es war also MAN, die Traton als Ganzes in die Verlustzone gestürzt hat. Ob das neue Management bei MAN nun mehr als die bisher angepeilten 6000 Jobs streichen will, oder ob gar ein ganzer Standort gefährdet ist, wollte Gründler nicht sagen. Intensive Gespräche dazu wolle man nach der Sommerpause im September beginnen und sie seien auch Sache des neuen MAN-Chefs Andreas Tostmann, dessen Vorgänger Joachim Drees vor wenigen Tagen ebenfalls seinen Hut nehmen musste.

Aufträge um ein Viertel zurückgegangen

Damit müssen die neuen Manager an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen. Markiert werden die durch die Pandemie, den drängenden Sanierungsbedarf bei MAN und das Heben von Synergien zwischen den Konzernmarken. “Das Ausrollen einer Modulstrategie ähnlich wie im Pkw-Bereich des VW-Konzerns ist zwingend notwendig”, findet Branchenanalyst Frank Schwope von der Nord-LB.

Durch gemeinsame Entwicklung und Einkauf könnten Milliardensummen eingespart werden, speziell wenn man noch die US-Beteiligung Navistar einschließt. Zumindest operativ könnte die Talsohle für die Lkw-Bauer mittlerweile durchschritten sein, die bei Traton zum Halbjahr auch einen Absatzrückgang um 37 Prozent auf noch knapp 78.000 Lastwagen brachte. Schnell und deutlich besser dürfte es allerdings nicht werden. Das signalisiert ein zeitgleich um gut ein Viertel auf gut 87.000 Fahrzeuge eingebrochener Auftragseingang.

Ausgelastet sind die inzwischen wieder laufenden Lkw-Werke von Traton deshalb aktuell auch nur zu maximal zwei Dritteln. Falls es an der Pandemiefront doch wieder schlimmer wird, ist die VW-Tochter zumindest finanziell gewappnet. Sie sitzt auf 2,6 Milliarden Euro an Barmitteln und verfügt über offene Kreditlinien von 5,6 Milliarden Euro. Einen Horrormonat wie den April mit einem Absatzeinbruch von zwei Dritteln braucht aber dieses Jahr niemand mehr.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen