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Brauereien in Not

Warum Putins Krieg zu Engpässen beim Flaschenbier führt – und was Kunden tun können

Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier in der Flasche an.

Hannover. Die deutschen Brauereien schlagen Alarm. Sie befürchten in der warmen Jahreszeit einen Mangel an Bierflaschen. „Engpässe sehen wir spätestens im Sommer“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds, Holger Eichele, der „Bild“-Zeitung.

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Die Flaschenknappheit treffe vor allem kleine und mittelständische Brauereien, warnt der Vizechef des Brauereiverbands Berlin-Brandenburg, Stefan Fritsche. „Das bedroht die Vielfalt auf dem deutschen Biermarkt.“

Was also ist los auf dem Markt der Mehrwegflaschen?

Mehrweganteil sinkt

Zunächst einmal: Eine Mehrwegglasflasche kann bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Eine PET-Mehrwegflasche (aus „Polyethylenenterephthalat“) nur etwa 25 Mal. Dafür ist die wiederum leichter beim Transport – das ist positiv für ihre Ökobilanz.

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Der Anteil von Mehrwegflaschen ist in Deutschland bis 2019 – das ist der aktuellste zur Verfügung stehende Wert – kontinuierlich gesunken. Und zwar seit der Pfandeinführung für Einweggetränkeverpackungen im Jahr 2003.

2019 wurden 41,8 Prozent der in Deutschland verbrauchten Getränke in Mehrwegverpackungen abgefüllt, konstatiert eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag des Umweltbundesamtes.

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Bier mit höchstem Mehrweganteil

Das ist in dem Jahr zwar eine leichte Zunahme des Anteils von Mehrwegflaschen gegenüber 2018 um 0,6 Prozentpunkte gewesen. Gegenüber dem Vorjahr liegt der Wert 0,6 Prozentpunkte höher.

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Dies hatte jedoch vor allem mit der stärkeren Nachfrage nach Wasser in Mehrwegflaschen zu tun, so die GVM. In allen anderen Getränkesegmenten sank der Anteil von Mehrweg im Jahr 2019 – also auch beim Bier.

Bier bleibt laut Studie zwar das Getränkesegment mit dem höchsten Mehrweganteil, aber dieser sank 2019 weiter um 0,8 Prozentpunkte auf 78,7 Prozent. Grund: Bier in Einwegdosen wird wieder häufiger nachgefragt.

Die jetzige Situation hat etwas mit alten Kundengewohnheiten und dem Fachkräftemangel zu tun. Sie ist jedoch auch Resultat von Putins Krieg in der Ukraine.

Ukrainische Fahrer fallen aus

Fachkräfte fehlen vor allem in der Logistikbranche. Es fehlen beispielsweise Lkw-Fahrer. Zum einen spannt die Corona-Pandemie durch hohe Krankenstände die Lieferketten zum Zerreißen.

Zum anderen könnte dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) zufolge der Ukraine-Krieg dafür sorgen, dass mehr als 100.000 Lkw-Fahrer aus der Ukraine ausfallen und somit der internationale Warenverkehr erheblich gestört wird.

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Es sei möglich, dass Fahrer durch Einberufungsbefehle in die ukrainische Armee etwa polnischen oder litauischen Logistikdienstleistern nicht mehr als Arbeitskräfte zur Verfügung stünden, hieß es schon im März. Dazu kommen die explodierenden Kraftstoffkosten, die manche Unternehmen ins Wanken bringen.

Neue Flaschen kosten mehr

Die Energiekosten stehen auch im Zentrum derzeitiger Sorgen bei Glasflaschenproduzenten. Die industrielle Fertigung ist wegen des Hitzebedarfs energieintensiv. Außerdem gab es etliche Produktionsausfälle bei ukrainischen Herstellern, die für den deutschen Markt produzieren.

Energieträger in der Glasindustrie sind vor allem Erdgas und Strom. „Die Preise für Erdgas haben sich jetzt innerhalb eines Jahres verzehnfacht“, sagt Lukas Neubauer von der Unternehmensgruppe Wiegand-Glas, die im bayerischen Steinbach am Wald zu Hause ist.

Die Kosten für den Kauf neuer Flaschen, klagen die Brauer, seien zuletzt stark gestiegen. „Wer keine langfristigen Verträge hat, muss für neue Glasflaschen zurzeit 80 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr“, berichtet Brauerbund-Chef Eichele. „Einigen Brauereien droht der Leerlauf, sie stehen vielleicht bald ohne Flaschen da.“

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Neubauer kann diese Zahlen gegenüber dem RND nicht bestätigen. „Würden wir unsere Kosten 1:1 durchreichen, würde heute eine Flasche zwei Euro teurer sein.“ Das tue jedoch niemand, denn alle Kunden würden ebenfalls unter heftigen Kostensteigerungen leiden.

Doch was ist mit den privaten Kunden los? Wo lassen die ihre Mehrwegpfandflaschen?

Altbekanntes Problem

Hier taucht ein altbekanntes Problem auf: So ein Kasten Bier ist schnell geholt – doch viele geben ihn erst nach langer Zeit zurück.

Klar, die meisten warten, bis der Kasten voll leerer Flaschen ist. Viele horten jedoch leere Flaschen in Kellern und bringen dann irgendwann in einem Schwung zig Kästen zum Getränkemarkt ihres Vertrauens.

Jedes Jahr, spätestens seit den langen Hitzeperioden, richten die Brauer Appelle an die Kunden, doch bitteschön das Leergut zurückzubringen. So wie jetzt wieder die niedersächsische Privatbrauerei Herrenhausen, die zu großen Räumungsaktionen aufruft.

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Aufmerksamkeit hatte vor drei Jahren schon die Bochumer Brauerei Fiege mit einem Facebook-Hilferuf erregt. Die Branche wies vor allem auf leere Kästen hin, die während der Urlaubszeit ungenutzt in den Kellern stünden.

Folgerichtig also der Aufruf der Bochumer Brauerei: „Erst Pfand, dann (P)ferien“.

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