Stiftung Warentest: Luftreiniger filtern auch Aerosolpartikel

  • Coronaviren werden über feinste Tröpfchen in der Luft übertragen, die sogenannten Aerosole.
  • Um die Verbreitung in geschlossenen Räumen zu verhindern, können herkömmliche Luftreiniger helfen. Das hat die Stiftung Warentest herausgefunden.
  • Die drei getesteten Geräte kosten zwischen 250 und 350 Euro.
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Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, ist in geschlossenen Räumen am größten. Deshalb zielen etliche Lockdown-Regeln darauf ab, genau diese Treffen zu verhindern. Und dennoch: Ob beim Bäcker, in der Schule oder in öffentlichen Toiletten, an vielen Orten kommen mehrere Menschen in einem Raum zusammen. Können in diesen Fällen herkömmliche Luftreiniger helfen, die Konzentration an Viren in der Luft zu senken?

Drei Testsieger wurden untersucht

Die Stiftung Warentest hat drei Luftreiniger dahingehend überprüft. Die drei Geräte hatten in einem Test vom März 2020 am besten abgeschnitten – in diesem ging es darum, ob sie Verunreinigungen wie Pollen, Zigarettenrauch oder den Schadstoff Formaldehyd aus der Luft filtern können. Die Nachtestung aus dem Dezember zeigt nun: Mit neuen Filtern können die Luftreiniger auch einen Großteil der Aerosolpartikel binden.

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20 Minuten auf Maximalstufe

Die drei Luftreiniger mussten im Prüflabor schwebende Tröpfchen mit einem Durchmesser von 0,12 bis ein Millionstel Meter aus der Raumluft filtern. Ein Mensch stößt beim Atmen etwa 100 solcher Aerosolpartikel pro Sekunde aus, beim Sprechen sind es 200 und beim Niesen etwa 20.000. Das Coronavirus misst laut den Warentestern circa 0,12 Millionstel Meter, es gehört also zu den kleinsten Partikeln.

In dem Versuch standen die Luftfilter in einem 16 Quadratmeter großen Raum mit einer Deckenhöhe von 2,5 Metern. Insgesamt hatten sie also 40 Kubikmeter Raumvolumen zu bearbeiten.

Das Ergebnis: Nach 20 Minuten auf Maximalstufe hatten der Philips AC2889/10 und der Rowenta Intense Pure Air Connect PU6080 (beide kosten etwa 350 Euro) ganze 95 Prozent der Aerosolpartikel mit 0,12 Mikrometer Durchmesser aus der Luft gefiltert. Das dritte Gerät, der Soehnle Airfresh Clean Connect 500, schaffte 90 Prozent (etwa 250 Euro).

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Alte Filter schwächeln

Ein gutes Ergebnis, allerdings änderte sich das Bild mit steigender Nutzungsdauer. Die Tester simulierten die Beanspruchung der Filter, indem sie sie den Rauch von 100 Zigaretten aufnehmen ließen. Anschließend konnte das Gerät von Philips in 20 Minuten immer noch 90 Prozent der kleinsten Aerosolpartikel aus der Raumluft filtern, das Gerät von Rowenta schaffte 80 Prozent, der Luftreiniger von Soehnle allerdings nur noch 46 Prozent. Der Filter von Letzterem müsste deshalb deutlich häufiger gewechselt werden als vom Anbieter ursprünglich vorgesehen, wenn das Gerät zur Virenabwehr eingesetzt werde, so die Warentester. Ein Wermutstropfen: Die Filter sind bei Soehnle mit 39 Euro pro Set vergleichsweise günstig.

Maske und Abstand bleiben das Gebot der Stunde

Sie weisen außerdem daraufhin, dass trotz Luftfilter ein Restrisiko bleibt. Außerdem sei der Versuch in einem mit 16 Quadratmetern eher kleinen Raum gemacht worden. In einem größeren Wohnzimmer, in dem sich bei einem geselligen Abend mehrere Leute aufhalten, wäre das Risiko, sich trotz Luftreinigers mit dem Coronavirus anzustecken, noch deutlich höher.

„Wenn hier ein Infizierter atmet, spricht oder gar singt, liefert er ständig neue Virenpartikel nach. Ein Luftreiniger kann das darin liegende Risiko zwar reduzieren, aber zusätzliche Maßnahmen wie Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind weiterhin nötig“, schreiben die Autoren der Stiftung Warentest in ihrem Bericht. Sie empfehlen außerdem regelmäßiges Stoßlüften. Auch die Verbraucherzentrale und das Umweltbundesamt warnen davor, im Kampf gegen das Coronavirus ausschließlich auf Luftfilter zu setzen.

Noch schwieriger ist die Virenabwehr bei einem 50 Quadratmeter großen Klassenzimmer mit rund 30 Schülern. Dafür würden die getesteten Luftreiniger nicht ausreichen, so die Prüfer. Hier sind größere Geräte nötig, die deutlich teurer sind.

Gut gegen Pollen, schlecht bei Formaldehyd

Luftreiniger können auch für Allergiker eine Hilfe sein. In der Untersuchung von Stiftung Warentest aus dem März 2020 filterten die Geräte von Philips, Rowenta und Soehnle in einem 16 Quadratmeter großen Raum 95 Prozent der Pollen heraus – und das in nur zehn Minuten.

Ebenso stark schnitten die Geräte ab, wenn es darum ging, Zigarettenrauch aus der Luft zu bekommen. Nach 20 Minuten hatten die drei Geräte 93 bis 96 Prozent des Rauchs geschluckt. Im Verschleißtest blieb der Philips auch nach 100 Zigaretten stark, der Soehnle hingegen konnte nach 100 Zigaretten nur noch etwa ein Fünftel des Rauchs absorbieren.

Schlecht war das Ergebnis, wenn es darum ging, die chemische Verbindung Formaldehyd aus der Luft zu filtern. Dieser Schadstoff kann aus verklebten Holzspänen in Möbeln oder aus Tabakrauch freigesetzt werden. Er kann die Schleimhäute reizen und ist krebserregend. Der beste Luftreiniger – in diesem Fall der Soehnle Airfresh Clean Connect 500 – schaffte es in 20 Minuten lediglich, 45 Prozent des Gases aus der Luft zu ziehen.

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