• Startseite
  • Wirtschaft
  • Lufthansa will durchstarten - Rückzahlung der Staatshilfen dank Kapitalerhöhung

Jetzt will die Lufthansa durchstarten

  • Deutschlands größte Fluggesellschaft sammelt bei Investoren Geld für eine Kapitalerhöhung.
  • Mit den Einnahmen sollen Staatshilfen zurückgezahlt werden.
  • Der Vorstand sieht eine deutliche Erholung der Nachfrage – auch für die kommenden Monate.
|
Anzeige
Anzeige

Frankfurt. Das wurde auch langsam Zeit: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte versprochen, milliardenschwere Hilfen vom Staat noch vor der Bundestagswahl zurückzuzahlen. Knapp eine Woche vor dem Urnengang hat Deutschlands größte Airline angekündigt, bei Investoren Geld einzusammeln, um das finanztechnische Manöver auf den Weg zu bringen.

Aktionäre können vom 22. September bis 5. Oktober neue Anteilsscheine für 3,58 pro Stück erwerben. Das soll rund 2,1 Milliarden Euro in die Kasse des Konzerns spülen, um mit den Einnahmen die sogenannte Stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zurückzuzahlen. Diese ist ein maßgebliches Element der komplexen Rettungsaktion für die Airline-Gruppe mit einem Gesamtvolumen von rund 9 Milliarden Euro.

Neben dem deutschen Staat haben sich auch Österreich, die Schweiz und Belgien an dem Hilfsprogramm beteiligt – in den drei Ländern sind Töchter der Fluggesellschaft aktiv. Ohne das Geld wäre die Lufthansa schon im vergangenen Jahr geradewegs in die Pleite geflogen. Damals wurde der weltweite Flugverkehr wegen diverser Corona-Lockdowns monatelang fast vollständig eingestellt.

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Der WSF habe der Lufthansa ermöglicht, die Arbeitsplätze von mehr als 100.000 Beschäftigten zu erhalten, sagte Spohr. Er betont: „Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir das Stabilitätspaket nur so lange in Anspruch nehmen werden, wie es notwendig ist. Wir sind stolz darauf, unser Versprechen nun einzulösen.“

Möglich wird die Kapitalerhöhung, weil es mit der Luftfahrt wieder bergauf geht. So geht Spohr davon aus, dass wegen der erhöhten Auslastung in den Ferienmonaten Juli und August im gesamten dritten Quartal in der operativen Tätigkeit wieder ein Gewinn eingeflogen werden kann – nach vielen Monaten mit roten Zahlen.

Die aktuellen Zahlen deuteten auf eine „anhaltende Nachfrageerholung“ hin, teilt das Unternehmen mit. Die Passagierzahlen würden in den kommenden Monaten wieder „rund die Hälfte des Niveaus von 2019“ erreichen – wegen eines weltweiten Impffortschritts und der Aufhebung von Reisebeschränkungen.

Anzeige
Video
Corona-Krise: Lufthansa erholt sich
1:37 min
Erst seit Mai hoben mit den Lockerungen der Reisebeschränkungen allmählich wieder mehr Passagierflugzeuge ab.  © Reuters

Zudem profitieren die fliegenden Hanseaten von einer Entwicklung bei der Luftfracht, die einzigartig ist. Weil es im globalen Güterverkehr massiv Engpässe bei Schiffen, Schiffsmannschaften und Containern gibt, weichen viele Firmen beim Verschicken ihrer Güter auf die Frachter mit Flügeln aus.

Anzeige

Der Vorstand betont aber auch, dass man mit einem „spürbaren Anstieg von Geschäftsreisen“ rechne. Das ist der Sektor, mit dem die Lufthansa in normalen Zeiten die höchsten Gewinne erzielt. Die wichtigsten Verbindungen sind die Routen über den Atlantik nach Nordamerika. Hier gibt es aber nach wie vor starke Einreiserestriktionen.

Aktienkurs legt zu Wochenauftakt bemerkenswerte Flugbahn hin

Deshalb wundern sich auch Analysten wie Daniel Roeska vom Investmenthaus Bernstein über den Zeitpunkt der Kapitalerhöhung: Es wäre möglicherweise besser gewesen, auf deutlichere Anzeichen einer Erholung insbesondere bei den Geschäftsreisen zu warten. Doch beim Timing spielte offenbar Spohrs Versprechen in puncto Bundestagwahl die entscheidende Rolle.

Der Aktienkurs der Lufthansa legte denn auch zum Wochenauftakt an einem äußerst turbulenten Handelstag eine bemerkenswerte Flugbahn hin. Zunächst notierte das Papier im Minus. Dann ging es steil bergauf, während die wichtigsten Indizes einbrachen. Schließlich gab auch das Lufthansa-Papier wieder nach.

Ein Zeichen, wie fragil es nach wie vor um die Airline steht: Börsianer hatten auf ein weiteres Abrutschen der Aktie gewettet. Als der Kurs am Vormittag dann aber – trotz der belastenden Ankündigung der Kapitalerhöhung – weniger tief ins Rote als erwartet eintauchte, gaben Spekulanten ihre Wetten auf einen fallenden Kurs auf, was die Aktie zeitweise umso heftiger in die Höhe schnellen ließ. Am Nachmittag näherte sie sich wieder der Nulllinie.

Anzeige

Für zahlreiche Investoren ist derweil enorm wichtig, dass mit der Kapitalerhöhung die Abhängigkeit vom Staat geringer wird und damit der Handlungsspielraum des Managements wieder wächst – und auch Boni für den Vorstand sowie für Führungskräfte kommen wieder in greifbare Nähe.

Finanzchef Remco Steenbergen betonte, dass „Portfoliomaßnahmen“ weiter geprüft würden. Die Airline will sich von verschiedenen Sparten komplett oder teilweise trennen. So kursieren Meldungen über einen möglichen Börsengang oder einen Verkauf der Mehrheit an der Techniksparte, die zu den weltweit führenden Anbietern für die Wartung und Instandhaltung von Passagierflugzeugen gehört. Zugleich gibt es Mutmaßungen über mögliche Übernahmen kleinerer Konkurrenten.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen