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  • Lufthansa verringert Verluste und plant zügige Rückzahlung der Staatshilfen

Die Lufthansa hofft auf ein Comeback der Langstrecke

  • Deutschlands größte Airline verringert die Verluste, hat die Covid-Krise aber noch längst nicht überwunden
  • Konkurrent Ryanair agiert in der Urlaubssaison erheblich aggressiver.
  • Der Lufthansa-Vorstand plant, Staatshilfen zügig zurückzuzahlen.
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1:37 min
Die Corona-Krise hat den Luftverkehr hart getroffen. Erst seit Mai hoben mit den Lockerungen der Reisebeschränkungen allmählich wieder mehr Passagierflugzeuge ab. Die Lufthansa und ihre Tochter-Airlines beförderten von April bis Juni sieben Millionen Fluggäste. Das war allerdings nur 18 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019.  © Reuters
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Frankfurt. Das ist ein Zeichen für Optimismus: Die Lufthansa stellt die Königin der Lüfte wieder in Dienst. Noch in diesem Jahr sollen fünf oder sechs Exemplare der Boeing 747 (Jumbojet) erneut abheben. Dennoch hat Deutschlands größte Airline geschäftlich noch lange nicht die Normalflughöhe erreicht. Und wichtige Rivalen gehen die Sommersaison deutlich agiler an.

Fünf Jumbos hat die Fluggesellschaft bereits verkauft. Die verbliebenen acht Jets wurden an verschiedenen Orten in Europa geparkt. Bereits Anfang der Woche tauchte die erste 747 nach Angaben des Fachdienstes Aero Telegraph wieder an der Heimatbasis in Frankfurt auf.

Einer Konzernsprecherin zufolge soll das gesamte Oktett spätestens im Sommer 2022 wieder fliegen. Die Pläne beruhen auf der Annahme, dass sich die Fliegerei im Laufe der nächsten Monate kontinuierlich erholt. Im Frühjahr lag hierzulande der Umsatz der Airlines und Flughäfen nach Berechnungen des Branchenverbandes BDL allerdings immer noch fast 80 Prozent unter dem Wert von 2019.

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Aber erste Zeichen für einen kommoden Steigflug des Sektors lassen sich auch an den Geschäftszahlen ablesen, die Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr am Donnerstag vorlegte. Der Umsatz lag zwischen April und Juni bei 3,2 Milliarden Euro. Das sind immerhin 70 Prozent mehr als in der Vorjahreszeit, als der gesamte Luftverkehr unter Lockdowns litt. Auch gelang es, die Verluste aus der betrieblichen Tätigkeit spürbar zu verringern.

Im zweiten Quartal war es noch knapp eine Milliarde Euro. Branchenkenner hatten jedoch mit deutlich weniger Miesen gerechnet. Die Enttäuschung machte sich auch am Kurs der Aktie bemerkbar, der am Vormittag zeitweise um mehr als zwei Prozent nachgab.

Allerdings wird das Papier auch durch eine angekündigte Kapitalerhöhung belastet. Die Airline will neue Anteilscheine unter die Anlegerinnen und Anleger bringen, um mit dem eingesammelten Geld möglichst bald Staatshilfen in Milliardenhöhe zurückzuzahlen. Das Manöver soll bis zur Bundestagswahl am 26. September durchgezogen werden. Finanzchef Remco Steenbergen bekräftigte am Donnerstag, dass diese Pläne weiterverfolgt würden.

Kapitalerhöhung bedeutet, dass das Angebot an Aktien steigt, was den Lufthansa-Kurs seit Wochen belastet. Im zurückliegenden Quartal hat die Lufthansa derweil erst einmal weitere 1,5 Milliarden Euro aus einer sogenannten Stillen Beteiligung des Bundes in Anspruch genommen. Dieses Geld soll helfen, die Sanierung voranzubringen, um Investorinnen und Investoren anzulocken.

Spohr sprach von „großen Anstrengungen”, um die Kosten zu senken. Dadurch sei es nun erstmals seit Beginn der Pandemie zumindest auch gelungen, den Abfluss von Liquidität zu stoppen. Was zudem begünstigt wurde durch merklich mehr Ticketbuchungen vor allem für die Sommersaison, die für die Jahresbilanz maßgeblich wird. Spohr und seine Leute im Vorstand haben sich vorgenommen, in der Zeit von Juli bis September etwa 50 Prozent der Vorkrisenkapazität an Sitzplätzen in Jets anzubieten.

Konkurrenten gehen die Sache unterdessen deutlich forscher an. Allen voran die Air France-KLM-Gruppe und der führende Billigflieger Ryanair. Beide Konzerne wollen im laufenden Drei-Monats-Abschnitt wieder gut zwei Drittel der Kapazitäten von 2019 offerieren. Und die Iren standen auch schon im Frühsommer deutlich besser da als die Lufthansa. So zählte Ryanair im Juni 5,3 Millionen Fluggäste, während die Deutschen mit all ihren Töchtern auf 3,3 Millionen Passagiere kam.

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Hohe Auslastung bei Ryanair

Noch wichtiger ist, dass der Billigflieger eine Auslastung von 72 Prozent der Sitzplätze erreichte, während die Lufthansa auf nur knapp 60 Prozent kam. Diese Kennziffer ist der wichtigste Faktor für die Profitabilität einer Fluggesellschaft. Im Juli waren es beim Billigflieger sogar 80 Prozent, und die Zahl der Kundinnen und Kunden schoss auf 9,3 Millionen in die Höhe. Und während die Lufthansa weiter eisern Aufwendungen drücken und Belegschaften verkleinern will, hat Ryanair schon wieder ein Anwerbeprogramm für insgesamt 2000 Pilotinnen und Piloten gestartet.

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Allerdings haben die Iren auch den Vorteil, dass sie sich ausschließlich auf Fliegerei in Europa konzentrieren. Die Lufthansa hingegen war in der Vergangenheit besonders auf den interkontinentalen Strecken erfolgreich. Dieses Geschäft ist durch Corona komplett eingebrochen. Nun aber hofft der Vorstand auf ein zumindest partielles Comeback. Im Zwischenbericht heißt es, dass man eine Öffnung in Nordamerika für den Spätsommer erwarte.

Dazu passten am Donnerstag Meldungen, denen zufolge die USA planen, demnächst wieder Einreisen zu erlauben – allerdings nur für Geimpfte. Geschäftsreisende, die in der Businessclass über dem Atlantik hin- und herpendeln – das war viele Jahre einer der wichtigsten Gewinnbringer für die Lufthansa. Und auch nach Asien sollen Ende des Jahres wieder mehr Lufthansa-Flüge führen. Dazu passt, dass nach Angaben des Internetportals Simple Flying die Jumbos schon von September an nach Bangalore, Mumbai und Delhi (alle Indien) fliegen sollen. Die Ziele Washington und Toronto kommen offenbar hinzu.

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