Lufthansa-Großaktionär Thiele will staatlichem Rettungspaket zustimmen

  • An diesem Donnerstag steht mit der Hauptversammlung für die Lufthansa ein enorm wichtiger Termin an.
  • Denn dem staatlich beschlossenen Rettungspaket müssen die Aktionäre hier noch zustimmen.
  • Allein ein Mann hätte den Deal zum Platzen bringen können – dieser soll nun aber zustimmen wollen.
Anzeige
Anzeige

Frankfurt/Main. Unmittelbar vor der wichtigen Hauptversammlung der Lufthansa hat der Großaktionär Heinz Hermann Thiele Zustimmung zu dem milliardenschweren Rettungspaket für die Fluggesellschaft signalisiert. Damit würde dem Einstieg des Staates bei der Fluggesellschaft nichts im Wege stehen. „Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen”, sagte Thiele der Zeitung “FAZ”. Noch vor einer Woche sorgten Aussagen von Thiele für Aufsehen, in denen er in Aussicht stellte, nicht zustimmen zu wollen. Er äußerte Kritik am staatlichen Rettungspaket und forderte, dass dieses nachverhandelt werden solle.

Ein besonderes Dorn im Auge war ihm das Aktienpaket in Höhe von insgesamt 300 Millionen Euro, das der Staat erweben soll. Damit hätte er einen Anteil von 20 Prozent an der Lufthansa und zwei Sitze im Aufsichtsrat. „Die Lufthansa braucht für eine Sanierung und Gesundung keine Staatsbeteiligung”, so Thiele damals dazu gegenüber der „FAZ”. Er hob hervor, dass auch anderen Airlines ausschließlich mit Krediten geholfen wurde. So hat Air France-KLM ein Darlehen über 7 Milliarden erhalten, für das der französische Staat geradesteht. Thieles Befürchtung: Dass die Bundesregierung bei der anstehenden Sanierung der Fluggesellschaft als Großaktionär „in die politische Bredouille” gerät.

Thiele könnte Rettungspaket im Alleingang zum Scheitern bringen

Thiele könnte als größter Aktionär mit einem Anteil von 15,5 Prozent den Staatseinstieg blockieren. Grund ist die bereits feststehende geringe Beteiligung von weniger als 38 Prozent der Stimmrechte, die Thiele an diesem Schicksalstag der Lufthansa eine Sperrminorität verschafft. Lufthansa hat für den Fall des Scheiterns den Aktionären angekündigt, möglichst schnell ein Schutzschirmverfahren zu beantragen, das ist eine Variante eines Insolvenzverfahrens.

Er stimme gegen die Insolvenz, sagte Thiele der Zeitung, die ihn mit den Worten zitiert: „Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann.”

Entscheidung über Rettungspaket fällt am Donnerstag

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre am Donnerstag über eine Kapitalbeteiligung des Bundes und damit auch über das damit verbundene Rettungspaket von 9 Milliarden Euro. Ein Unsicherheitsfaktor ist mit der angekündigten Zustimmung von Thiele nun vom Tisch.

Die Lufthansa soll aber auch einen Alternativplan in der Schublade haben für den Fall, dass das staatliche Rettungspaket durchfällt. Auf diese Weise könnte die Bundesregierung auch ohne Zustimmung der übrigen Anteilseigner zu der vorgesehenen Aktienbeteiligung von 20 Prozent kommen, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch aus Unternehmenskreisen.

Sollte es zu einer Blockade kommen, könnte die Lufthansa dem Bund auch ohne Zustimmung der Aktionäre einen Anteil von etwa zehn Prozent aus bereits genehmigtem Kapital verschaffen. Weitere zehn Prozent würde der Staat demnach im Zuge von einer oder zwei regulären Kapitalerhöhungen erwerben, an der sich auch die anderen Aktionäre beteiligen könnten. Ein Lufthansa-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu diesem Szenario ab. Offen blieb auch, ob die Bundesregierung den höheren Preis für das Aktienpaket akzeptieren würde.

Anzeige
Video
Lufthansa-Beschäftigte demonstrieren für ihre Arbeitsplätze
1:53 min
Am Donnerstag steht das milliardenschwere staatliche Rettungspaket für die Lufthansa zur Abstimmung.  © Reuters

Hängepartie bei Personalabbau

Eine Einigung zu möglichen Sparbeiträgen des Personals steht derweil weiterhin aus. Bis Mittwochnachmittag gab es keine gemeinsam unterschriebene Erklärung des Unternehmens sowie der beteiligten Gewerkschaften Ufo für die Flugbegleiter und Vereinigung Cockpit für die Piloten, erklärten Sprecher in Frankfurt. Für das Bodenpersonal will Verdi ohnehin erst am Freitag weiter verhandeln.

Bei den Personalbeiträgen hatte die Kabinengewerkschaft Ufo von einem guten Verhandlungsstand berichtet, der noch schriftlich fixiert werden müsse. Ziel der Gewerkschaft ist ein Beschäftigungsschutz über vier Jahre. Um Personalkosten abzubauen, wurde über Abfindungen, Vorruhestand und kollektive Einsparungen bei den Flugbegleitern gesprochen. Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies bezifferte den angebotenen Sparbeitrag der Flugbegleiter auf rund 700 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach eigenen Angaben zunächst 350 Millionen Euro Sparbeitrag angeboten. Inzwischen gehe es um ein Krisenpaket in einer Gesamthöhe von 850 Millionen Euro bis Juni 2022, erklärte sie am Dienstag. Bisher sei aber kein akzeptabler Schutz der Arbeitsplätze zugesichert worden. VC-Präsident Markus Wahl appellierte noch einmal an die Aktionäre, dem Rettungspaket zuzustimmen. Er sagte: „Die Ablehnung des Rettungspakets würde die Marktstellung der Lufthansa dauerhaft schädigen und ein Überleben des Unternehmens gefährden.“

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle sowie der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen