Für die Lufthansa geht es um alles oder nichts

  • Die Lufthansa ist durch die Corona-Krise in akute Existenznöte geraten, die Einschnitte zur Rettung werden schmerzhaft.
  • Mit einem schlichten Sparprogramm ist es nicht getan, die Fluggesellschaft muss grundlegend umstrukturiert werden.
  • Die Existenzkrise könnte die Mannschaft dafür endlich wieder zusammenschweißen, meint Stefan Winter
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Jetzt hat der Schrecken seine Zahl. 26.000 Mitarbeiter hat die Lufthansa nach Rechnung des Vorstands zu viel an Bord, in Vollzeitstellen ausgedrückt sind es 22.000. Dass die Airline nicht ohne massive Einschnitte durch diese Krise kommen wird, ist seit Monaten klar – immerhin war noch vor wenigen Tagen die Pleite nah. Die ist nun dank umfangreicher Staatshilfe abgewendet, und der schwierigere Teil beginnt: der Umbau zu einem zukunftsfähigen Unternehmen. Dabei geht es um mehr als die Bewältigung einer akuten Krise. Denn mit der Zukunftsfähigkeit des einstigen Renommier-Konzerns war es auch vor Corona nicht weit her.

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Lufthansa: Fast jeder fünfte Job in Gefahr
1:35 min
Die hart von der Corona-Krise getroffene Lufthansa muss tiefe Einschnitte bei den Personalkosten vornehmen.  © Reuters

Den klassischen Airlines Europas fliegt die Konkurrenz seit Jahren um die Ohren. Oben holen sich subventionierte Premiumanbieter wie Emirates die First-Class-Passagiere ab, unten sammeln Billigflieger wie Ryanair die Touristen ein. Lufthansa und andere machten beides ein bisschen, aber nichts besser. Hinzu kam das stabile Selbstwertgefühl vieler Lufthanseaten, die ein Verblassen ihres Ruhms nicht für möglich und Veränderung für verzichtbar hielten. Überholtes hielt sich lange, Veränderung kam spät, unter entsprechendem Druck, konflikt- und pannenanfällig. Die Belegschaft ist in ungezählte Interessengruppen zerfallen, der Start des Billigfliegers Eurowings war desolat.

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Es gibt also viel mehr zu tun, als wieder zu fliegen und die Kosten zu senken. Für die Lufthansa geht es um alles oder nichts. Mit dieser existenziellen Krise muss das auch im letzten Winkel des Konzerns ankommen. Dann tut sich allerdings eine große Chance auf: Wenn diese Herausforderung die Lufthanseaten wieder zu einer Mannschaft macht und längst überfällige Veränderungen erzwingt, kann sie tatsächlich wieder fit für die Zukunft werden.

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Was die Belegschaft zum Mitziehen bewegen könnte, ist klar: Ein Stellenabbau zu fairen Bedingungen mit so wenig Kündigungen wie möglich, und Jobsicherheit für die, die bleiben. Gelingt es nicht, wird die Staatshilfe rückstandsfrei verdampfen.

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