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„Geisterflüge“

Lufthansa fliegt ohne Passagiere: Umwelt­hilfe fordert Ende der Kurz­strecken­flüge

ARCHIV – 27.8.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Eine Passagier­maschine vom Typ Boeing 747 der Lufthansa startet vor dem Tower des Flughafens zu einem Transatlantikflug.

Die Personal­probleme in der Flugbranche reißen nicht ab. Nachdem die Lufthansa angekündigt hat, nun erneut Flüge zu streichen, geht die Kranich­airline noch einen Schritt weiter: Wie der „Spiegel“ unter Bezug auf ein internes Papier berichtet, sollen in den kommenden Tagen Hunderte „Geister­flüge“ vorgenommen werden – also Leerflüge, in denen nur die Crew und Gepäck transportiert werden.

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Deutschlands größte Fluggesellschaft wollte auf RND-Anfrage die Zahl von 364 Flügen nicht kommentieren. Richtig sei aber, so ein Sprecher, dass sich die Zahl der „Positionierungs­flüge“, wie die Lufthansa sie nennt, erhöht habe. Für die Airline sei das selbst nur eine Notlösung: „Wir machen das äußerst ungerne“, so der Sprecher weiter. Schließlich lohne sich das weder wirtschaftlich, noch sei es mit Blick auf die Umwelt sinnvoll.

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Nach Lufthansa-Angaben handele es sich dabei auch nicht um „Geisterflüge“, die nur dazu da seien, Slots an den Flughäfen nicht zu verlieren. Vielmehr werde bei den Flügen die Kabinen­crew, Gepäck oder Fracht transportiert. „Diese sogenannten Positionierungs­flüge sind die absolute Ausnahme“, heißt es. „Wir versuchen, sie zu verhindern.“ Dennoch könnten sie notwendig sein, um den Flugbetrieb wieder zu stabilisieren.

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Wie die Lufthansa die Leer­flüge erklärt

Konkret heißt das: Wenn beispiels­weise am Frankfurter Flughafen das Boden­personal fehlt, um die Passagiere rechtzeitig in die Maschine an den Zielort zu kriegen, entscheidet sich die Airline, ohne die Passagiere zu fliegen. So sind dann wenigstens Crew und Maschine am Zielort und können dort den Flug wahrnehmen, der andernfalls ebenfalls ausfallen könnte. „Zusätzlich bringen unsere Positionierungs­flüge in Frankfurt oder München liegen­gebliebenes Gepäck und Fracht, wenn vorhanden, an die jeweiligen Zielorte“, heißt es. Lufthansa führt diese Flüge auf die derzeitige Personal­situation zurück. Das habe direkt damit zu tun, sagte der Sprecher.

Die Deutsche Umwelt­hilfe beobachtet die Entwicklung kritisch. „Wenn man an einem kaputten System laufend rumrepariert, wird es nicht besser“, sagte Bundes­geschäftsführer Jürgen Resch dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Die Störungs­wahrscheinlichkeit nehme sogar noch zu – und zwar mit Folgen. „Wir laufen auf einen Verkehrs­infarkt zu“, so Resch weiter. Und er fordert: Statt ohne Passagiere zu fliegen, sollte die Lufthansa auf andere Maßnahmen setzen: „Wenn die Voraus­setzungen nicht da sind, sollte man Kurz­strecken­flüge überhaupt nicht anbieten“, sagt er. „Wir fordern, sie rauszunehmen.“ Das betreffe nicht nur die Lufthansa, sondern die ganze Branche.

„Für uns ist das der bessere Weg“

Die Idee dahinter: Wenn Flüge wie Frankfurt-Stuttgart oder Stuttgart-Zürich gar nicht erst angeboten würden, wäre das nicht nur für die Umwelt gut, sondern würde den Airlines auch Luft für die Transatlantik­flüge verschaffen. „Dann müsste man sagen, man verzichtet überall dort auf Flüge, wo es innerhalb von vier bis fünf Stunden eine Bahn­alternative gibt“, ergänzt Resch. Passagiere sollten ihm zufolge derzeit sowieso bedenken, dass man aktuell an den Flughäfen mehr Zeit einplanen müsse, weswegen Inlands­flüge mitunter keine Zeit sparen.

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Werden die Flüge überhaupt nicht erst angeboten, könne sich die Bahn auch auf die Passagiere einstellen, so Resch weiter – statt dann kurz­fristig gestrandete Fahr­gäste aufzunehmen und selbst in Schwierigkeiten zu kommen. Insgesamt sorge der Vorstoß, keine Kurz­strecken­flüge mehr anzubieten, also für mehr Klima­schutz und mehr Stabilität. „Für uns ist das der bessere Weg“, sagt Resch.

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