Leerrohre: Wie die Telekom und ihre Rivalen um einen unterirdischen Schatz kämpfen
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Könnte schon bald ein Großteil Deutschlands mit Glasfaser versorgt sein?
Quelle: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild
Frankfurt am Main. Der geheime Schatz der Deutschen Telekom – was kann das sein? Es handelt sich um leere Plastikrohre. Sie eignen sich hervorragend dafür, um Glasfaserkabel für schnelle Internetleitungen zu verlegen. Über den Zugang zu dem gigantischen Netzwerk unter der Erde wird nun heftig gestritten. Die Konkurrenten des Ex-Monopolisten verlangen mehr Transparenz und faire Preise für die Nutzung der Röhren. Das soll den Ausbau der Giganetze beschleunigen und erheblich billiger machen.
Über die Gesamtlänge der Leerrohrnetze wird heftig spekuliert. Branchenkenner gehen davon aus, dass es insgesamt mehrere Hunderttausend Kilometer sind. Die unterirdische Infrastruktur geht zurück auf die Zeiten der Bundespost, sie wurde also in großen Teilen vom Steuerzahler finanziert. Und derzeit engagiert sich der Magenta-Konzern wieder verstärkt beim Thema: Leg das Rohr. Weil die Bonner nun auf neue Netze mit Glasfaser setzen.
Deutschland ist extrem spät dran
Die Bundesnetzagentur (BnetzA) zierte sich indes viele Jahre, eine Zugangsberechtigung für alternative Anbieter ganz offiziell anzuordnen. Doch die EU-Kommission macht Druck, dass endlich ein Regelwerk erstellt und per Verordnung durchgesetzt wird. Deutschland ist extrem spät dran. In zahlreichen EU-Ländern wurde die Öffnung der unterirdischen Netzwerke im großen Stil und für viele Anbieter schon vor Jahren angegangen. Hierzulande soll die umfängliche Erschließung der Leerrohre nun formal zum 1. Januar losgehen. Allerdings müssen viele maßgebliche Details noch geklärt werden.
„Das Thema Leerrohre ist ein regulatorisches Thema. Das Verfahren läuft jetzt. Wir arbeiten zusammen mit der BnetzA und unseren Wettbewerbern, um eine gute Lösung zu finden“, sagte Srini Gopalan, Deutschland-Chef der Telekom, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Rivalen des Bonner Konzerns sind weniger gelassen und verlangen zuallererst Transparenz, und zwar vollumfänglich für das gesamte Netzwerk. In der Branche ist von speziell aufbereiteten Daten „zweiter Klasse“ die Rede, die den T-Rivalen zur Verfügung gestellt würden. Die Informationen seien nicht hinreichend detailliert, um damit vernünftig arbeiten zu können, so der Vorwurf.
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Verdopplung der Glasfaseranschlüsse bis 2025 realistisch
„Die Telekom bremst beim Bau der Glasfaser. Was uns wirklich voranbringen würde: ein Leerrohr-Atlas für Deutschland. Nicht nur für die Telekom. Sondern für alle“, sagte denn auch Philippe Rogge, Deutschland-Chef von Vodafone, dem RND. Dahinter steckt vor allem das Argument, dass ein solches Gesamtbild die Planungen von Firmen massiv erleichtern würde. Sie wüssten dann, wo sie vor allem sehr schnell die superschnellen Strippen zu den Kunden ziehen können.
Tatsächlich ist beispielsweise in Portugal auch dank einer Öffnung von Leerrohren die Abdeckung mit den schnellen Leitungen zwischen 2010 und 2014 von 15 Prozent auf 65 Prozent gestiegen. Ähnlich sieht es in Spanien aus, wo inzwischen rund neun von zehn Haushalten an die Glasfasernetze angeschlossen sind. Auf Deutschland hochgerechnet könnte das im Idealfall bedeuten, dass das Ziel der Bundesregierung, die Republik 2030 flächendeckend mit einem Gigabit zu versorgen, schon vorzeitig erreicht werden kann. Eine Verdopplung der Glasfaseranschlüsse bis 2025 halten Experten zumindest für realistisch.
Gigafactory in Salzgitter: VW baut sich seine eigenen Batteriezellen
In Salzgitter entsteht eine riesige Batteriezellenfabrik, die E-Autos bestücken soll. Schon 2025 sollen im Werk nicht mehr Verbrennungsmotoren, sondern Akkus vom Band laufen. Ein Vorzeigeprojekt auch in Sachen Transformation. Doch wird VW sich wirklich gegen die asiatische Konkurrenz behaupten können?
Auskünfte könnten ungewollt zu einer Gefährdung der Infrastruktur beitragen
Allerdings macht eine Telekom-Sprecherin auf zweierlei aufmerksam: „Wir haben bereits heute den Infrastrukturatlas, für den im Telekommunikationsgesetz geregelt ist, welche Informationen von den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden müssen. Weiterführende Auskünfte zur Infrastruktur sind kritisch zu sehen, da sie ungewollt zu einer Gefährdung der Infrastruktur beitragen können.“
Für die Telekom-Rivalen ist derweil ein weiteres Kriterium enorm wichtig: angemessene Tarife beim Mieten der Leerrohre. Das ist der wohl wichtigste Punkt unter den ungeklärten Details. Im laufenden Verfahren, wolle die Telekom Mondpreise durchsetzen, die bis zu zwölfmal höher seien als etwa in Großbritannien, Italien, Spanien oder Portugal. „Die Glasfaser-Maut verhindert fairen Wettbewerb, genau wie schnellen Ausbau. Beides schadet dem Verbraucher“, betont Rogge.
Glasfaserausbau in Deutschland teurer als in anderen Ländern
Dass die Telekom mit ihren Forderungen ziemlich hoch einsteigt, hat schon Tradition. Wie das ausgeht, ist offen: „Die relevanten Sach- und Streitfragen wurden bereits intensiv öffentlich verhandelt. Aktuell erarbeitet die zuständige Beschlusskammer 3 die entsprechenden Entscheidungsentwürfe“, teilt die BnetzA auf Anfrage mit. Vielfach wurden in der Vergangenheit die Forderungen von der Bonner Behörde massiv gestutzt.
Die Telekom-Sprecherin betont allerdings, es sei dringend zu berücksichtigen, dass der Glasfaserausbau in Deutschland - und damit auch das Verlegen von Leerrohren - durch die hiesigen Bauvorschriften deutlich teurer sei als in anderen europäischen Ländern. „In Deutschland werden Kabel meist aufwendig im Tiefbau verlegt. Daher kostet es hierzulande im Schnitt über 1.500 Euro, einen Haushalt mit Glasfaser anzuschließen, in anderen Ländern sind es 300 Euro.“
Telekom handle nach taktischem Kalkül
Der Branchenverband VATM geht hingegen von taktischem Kalkül aus: „Die Telekom zieht in den noch laufenden Verfahren vor der Bundesnetzagentur alle Register, um den Leerrohrzugang hinauszuzögern, zu erschweren oder gar zu vereiteln. Von der verfügbaren Datenbasis, über die Mietkonditionen bis hin zu den aufgerufenen Preisen ist alles auf Verhinderung des Zugangs ausgelegt, so dass die Bundesnetzagentur in den anstehenden Entscheidungen rigoros durchgreifen muss“, sagte VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer dem RND - in seinem Verband haben sich T-Rivalen zusammengeschlossen.
Und er macht darauf aufmerksam, dass die Telekom ihr Leerrohrnetz derzeit bereits sehr effektiv nutze. So könne in erheblichem Maße „kapitalschonend Glasfaser an Hausanschlüssen vorbeigebaut werden“. Das bedeutet: Die Leitungen werden zwar in die Rohre unter der Straße gejagt. Die Wohnhäuser werden aber gar nicht angeschlossen. Gleichwohl sieht Ufer in diesen Praktiken einen Abschreckungseffekt: Im Sinne eines „Handtuchwerfens“ würden Wettbewerber so von der Erschließung dieser Gegenden abgehalten.
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