Kurseinsturz von SAP: Warnstufe Rot ist erreicht

  • Erst gewinnt die SAP-Aktie, dann stürzt sie ab. Doch wer das nur auf das seltsame Verhalten der Anleger schiebt, irrt sich.
  • Die Börse ist schon immer ein Frühwarnsystem für die Wirtschaft.
  • Der Kurssturz der SAP-Aktie heißt: Warnstufe Rot ist erreicht, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.
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Im September schraubte sich die SAP-Aktie noch auf ein Rekordniveau hoch. Am Montag kollabierte das Wertpapier, es verlor zeitweise mehr als ein Fünftel seines Werts an einem Tag. Spinnen die Börsianer? Tatsächlich wirkt das Verhalten von Anlegern bisweilen manisch-depressiv. Charles Prince, Ex-Chef der US-Bank Citigroup, hat es ganz einfach auf den Punkt gebracht: „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen.“ Gemeint ist: Solange die Aktien steigen, muss man kaufen. Das ist das Grundprinzip, um Gewinne mit Wertpapieren zu optimieren.

Das bedeutet aber auch, dass der Börsianer den Moment abpassen muss, wenn die Kapelle den Dienst verweigert. Dann gilt es, so schnell wie möglich zu verkaufen. Diesen Moment zu erwischen ist in Zeiten der Pandemie extrem schwer. Deshalb gab es an den Börsen nur selten so heftige Schwankungen wie in diesem Jahr. Hat sich da die Finanzbranche wieder einmal auf unangemessene Weise verselbstständigt?

Gelingt es nicht, die Pandemie einzudämmen, droht ein Kollaps

Wer so argumentiert, macht es sich zu einfach. Was an den Börsen passiert, ist immer das – wenn auch verzerrte – Echo eines sogenannten realwirtschaftlichen Geschehens. Im vorliegenden Fall von SAP: Unternehmen fahren momentan sogar ihre Investitionen in IT zurück, obwohl die Digitalisierung ihnen dabei helfen kann, durch die Krise zu kommen. Die Börse funktioniert hier als Frühwarnsystem. Der Kurssturz der SAP-Aktie heißt: Warnstufe Rot ist erreicht.

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Gelingt es den Politikern in den nächsten Wochen nicht, die Pandemie einzudämmen, droht ein ökonomischer Kollaps, der außer Kontrolle geraten kann. Und weil die Finanzmärkte immer alles vorwegnehmen, wird diese verheerende Lawine an den Börsen in Form von Kursstürzen en gros ausgelöst. Sie wird dann Banken ergreifen und schließlich Firmen in die Pleite und die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben. Verantwortlich sind die Politiker, nicht die Börsianer. Die agieren nur als Verstärker.

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