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  • Kurs-Crash am Bitcoin Day: El Salvador erklärt Kryptowährung als Zahlungsmittel - dann stürzt der Kurs ab

Kurssturz am Bitcoin Day: Warum die Kryptowährung abgestürzt ist

  • Kurssturz statt Feuerwerk: Als erstes Land hat El Salvador den Bitcoin zum Zahlungsmittel erklärt.
  • Am Tag der Einführung verlor die Kryptowährung aber deutlich an Wert, der Kurs brach so heftig ein wie zuletzt zu Beginn der Pandemie.
  • Nun rätselt die Bitcoin-Community, was passiert ist. Sogar Verschwörungstheorien machen die Runde.
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Göttingen. Eigentlich wollte die Bitcoin-Community den Dienstag zu einem Feiertag machen: Als erstes Land weltweit erkannte El Salvador die Kryptowährung als offizielles Zahlungsmittel an. Prompt verabredeten sich Fans in Internetforen zu einer konzertierten Kaufaktion, um den historischen Tag mit einem kleinen Kursfeuerwerk zu feiern. Allerdings folgte der heftigste Absturz seit dem Börsencrash im März 2020.

Kostete ein Bitcoin am Montagabend noch etwa 52.650 Dollar (44.350 Euro), schlug er am Mittwochmorgen mit 44.650 Dollar (38.100 Euro) zu Buche – 18,6 Prozent Wertverlust waren es am Dienstag zeitweise, bei anderen Kryptowährungen ging es ebenfalls steil bergab. Und auch einen Tag nach dem Kursverfall zeichnete sich bis zum Mittag kaum Besserung ab.

Woher der Absturz rührt, ist bislang rätselhaft, zumal sich der Bitcoin-Kurs gerade erst von seiner Kursflaute im Sommer erholt hatte. Der sogenannte Bitcoin Day am Dienstag in El Salvador versprach weiteren Aufwind. Immerhin sollte fortan jeder der 6,5 Millionen El Salvadorianer die Bitcoin-Geldbörse Chivo nutzen können, auch Geldautomaten für die Kryptowährung wurden aufgestellt.

Holpriger Start

Doch der Start verlief holprig: Die für Transaktionen vorgesehene digitale Brieftasche Chivo habe nicht funktioniert, räumte El Salvadors Präsident Nayip Bukele am Dienstagabend (Ortszeit) ein. Bukele, der sich von der Bitcoin-Einführung mehr internationale Investitionen und einfachere Geldtransfers verspricht, gab Durchhalteparolen aus, die Chivo-App musste aber zeitweise abgeschaltet werden.

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„Der Ausschlag ist so groß, dass der Trubel in El Salvador ihn nicht alleine erklärt“, sagt aber Sören Hettler, Bitcoin-Spezialist bei der DZ-Bank. El Salvador ist ein vergleichsweise armes Land, insgesamt hat die Regierung eigenen Angaben zufolge um die 40 Millionen Dollar in Bitcoin investiert – verschwindend wenig angesichts eines Bitcoin-Marktvolumens von aktuell etwa 740 Milliarden Dollar.

Ausverkauf bei einigen großen Playern

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„Manche Anleger könnten aber überzogene Erwartungen gehegt haben – und aus Enttäuschung verkauft haben“, so Hettler. Tatsächlich meldete das Fachportal „Cryptodiffer“ am Dienstag, innerhalb von 24 Stunden seien Bitcoins im Wert von etwa 3,5 Milliarden Dollar liquidiert worden. Ein zeitweiser Ausfall bei der Handelsplattform Coinbase am Dienstag könnte die Unsicherheit verstärkt haben.

Verschwörungstheorien im Netz

Auch führten prominente Investoren wie Scott Melker den Kurssturz auf das Verhalten sogenannter Bitcoin-Wale zurück. So nennen Fans der Kryptowährung Akteure, die finanzstark genug sind, um mit Verkäufen Kursschwankungen auszulösen.

Das lasen die – oft sehr von der Zukunft des Bitcoin überzeugten – Anleger von Kryptowährungen indes nicht gerne: Prompt schossen in sozialen Medien und in Internetforen Spekulationen ins Kraut, dass möglicherweise der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Weltbank am Ausverkauf mitgewirkt haben könnten. Beweise dafür gibt es indes keine, eine derartige Aktion wäre eine drastische Kompetenzüberschreitung der beiden Einrichtungen.

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Weltbank und IWF hatten vor Bitcoin gewarnt

Allerdings hatten IWF und Weltbank El Salvadors Präsident durchaus vor der Bitcoin-Einführung gewarnt. Die Digitalwährung sei aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs klimaschädlich, hatte die Weltbank deutlich angemahnt – und außerdem betont, dass der Bitcoin aufgrund der starken Kursschwankungen kaum als Zahlungsmittel geeignet sei.

Auch warnte Hettler gegenüber dem RND vor einer Überbewertung der Bitcoin-Einführung in El Salvador: „Das Land ist nicht bedeutend genug, um als Kurstreiber zu fungieren. Da braucht es andere Länder mit eigener Währung und eigenständiger Geldpolitik.“

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