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Kritische Mitarbeiter gefeuert: Zerschlägt Google gewerkschaftliches Engagement?

  • Lange galt Google als einer der besten Arbeitgeber der Welt.
  • Doch das Image bekommt Risse, mittlerweile zieht der Konzern härtere Saiten gegenüber kritischen Mitarbeitern auf.
  • Nun wurden vier von ihnen gekündigt - doch die bekommen viel Unterstützung.
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Beim Internetkonzern Google kocht ein Streit über gewerkschaftliches Engagement hoch: Offenbar hat das Unternehmen mehrere Beschäftigte gekündigt, die sich in der Vergangenheit für die Rechte von Arbeitnehmern und gegen Aufträge der US-Regierung engagiert haben. Nun werden Vorwürfe laut, der Suchmaschinenriese betreibe "Union Busting" - zerschlage also gezielt Aktivitäten, die die Rechte von Mitarbeitern stärken könnten.

Lange war das bei Google - wie bei vielen anderen Techfirmen auch - kein Thema. Das Motto "don't be evil" galt auch innerhalb des Unternehmens. Das gehört ohnehin zu den am besten bezahlenden der Welt, setzte lange auf eine offene Unternehmenskultur. So gab es unter anderem eine wöchentliche Konferenz, bei der die Mitarbeiter dem Management Fragen stellen konnten.

Das scheint sich allerdings zu ändern. Wie das Handelsblatt berichtet, wird die wöchentliche Konferenz durch ein monatliches Meeting ersetzt - offenbar auch, weil in den Sitzungen zu viel Kritik geäußert wurde. Zudem soll bei den neuen Treffen nur noch über konkrete Produkte gesprochen werden - allgemeinere Themen werden demnach ausgeklammert.

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Google sieht Verstöße gegen Datenschutzregeln

Heikle Themen haben Mitarbeiter zuletzt offenbar öfter angesprochen: Unter anderem hatten sich Google-Mitarbeiter zuletzt gegen einen Auftrag der US-Grenzschutzbehörde CBP gewandt. Auch forderten Mitarbeiter mehr Engagement gegen Hass auf Youtube, einer Tochtergesellschaft des Google-Konzerns. Zudem kritisierten im vergangenen Jahr zahlreiche Beschäftigte Googles Umgang mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz - hochrangige Manager waren zuvor auffällig geworden.

Nun könnte es bei Google allerdings stiller werden. Denn mehrere der Aufrührer haben ihre Jobs verloren, wie unter anderem das Techportal "The Verge" berichtet. Google bestätigte, dass das mittlerweile von Branchenportalen "Thanksgiving Four" getaufte Quartett gekündigt wurde. Google begründet das mit angeblichen Verstößen der Mitarbeiter gegen Datenschutzregeln.

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Doch die Betroffenen bestreiten das. "Wir wurden gefeuert, weil wir uns widersetzen und uns für einen besseren Arbeitsplatz organisieren", heißt es in einem Statement des Quartetts und seiner Unterstützer. "Organisieren" ist dabei das Zauberwort: Das sogenannte "Organising" bezeichnet in den USA Praktiken, mit denen Gewerkschaften in Betrieben Fuß fassen wollen. Unternehmen haben in den USA relativ viele Möglichkeiten, derartiges Engagement zu verhindern.

Beratungsfirma gegen gewerkschaftliche Aktivitäten?

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Und es verdichten sich Hinweise darauf, dass das auch bei Google zum Tragen kommt. Jüngst wurde bekannt, dass das Unternehmen mittlerweile mit "IRI Consultants" zusammenarbeitet. Die Beratungsfirma rühmt sich, großen Unternehmen beim Umgang mit Gewerkschaften "zu helfen". Das sei "Union-Busting", monierten prompt Kritiker wie der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders.

Als Union-Busting ordnen auch die vier gefeuerten Mitarbeiter ihre Kündigung ein. In einem Blogpost schreiben sie, die Kündigung sei die Konsequenz der Kooperation des Suchmaschinengiganten mit IRC. Erst seit dieser Zusammenarbeit rechtfertige schon das Betrachten bestimmter Dokumente eine Kündigung - womit ihnen zufolge nun der Rauswurf begründet wurde.

Beschäftigte wollen weiterkämpfen

Ans Aufgeben denken die anderen Beschäftigten aber offenbar nicht: "Auf jeden, an dem sich Google rächt, kommen Hunderte, die bereit sind zu kämpfen", schreibt das Quartett in dem Blogpost.